Schreibzwang

Per Anhalter zum quantenphsikalischen Zeitalter

Liebes Tagebuch,

„Welt- und Menschenbetrachtung“ oder „was glaubst du“, eine weitere der grossen Fragen. Um zu zeigen, was ich damit meine, hier eine Antwort: „Ich bin katholisch und gläubig“. 

Lassen wir diesen Menschen unkommentiert vor seiner Kirche stehen, er ist glücklich (im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten).

Ich bin von Haus aus Anthroposoph und habe in diesem Umfeld den grössten Teil meines Leben zugebracht. Unsereins pflegt zu behaupten, nicht zu glauben, sondern zu wissen. Das ist insofern richtig, dass viele Inhalte sich denkerisch nachprüfen lassen. Allerdings die Lehre von den Engelhierachien kann man wohl kaum denkerisch überprüfen. Auch hier gibt der Glaube eine schöne, warme Sicherheit. Als „Anthro“ weiss man wo man herkommt, wo es hingehen kann und was der Scheiss soll. Und welche Bücher von Rudolf Steiner noch zu lesen sind. Im Gegensatz zu den Inhalten aus deren reichlicher Fülle sich ja jeder etwas passendes aussuchen kann, ist das organisatorische Umfeld eher eng. Jeder Zweite in der Anthroposophischen Gesellschaft oder den vielen Einrichtungen, weiss alles besser. Es werden Riten und Konventionen bis zum Erbrechen gepflegt. Nur wer eine konservative Grundhaltung hat, latent gläubig ist und bereit den örtlichen Westentaschenguru umfassend zu vertrauen, wird es auf Dauer aushalten. Da von der berühmten Dreigliederung das so genannte „Rechtsleben“ weder verstanden noch gepflegt wird, gibt es slbstverständlich kein Konfliktmanagement und jedes „fremde Wesen“ wird „liebevoll“ rausgeeitert. 

On the road again, der Laden der Esoteriker ist in der Strasse der Weltanschauungen nicht weit entfernt. Für jedes Problem gibt es eine Therapie, ein Seminar, ein Spray oder Öl etc. Mit den Grundton der Naivität ist liebevoll glaubig und ungeheuer Geschäftstüchtig. Kein Wunder, dass auf diesem Markplatz die grossen Dinge gerne aus dem Blick rutschen, Dafür gibt es eine neue, fast preiswerte Therapie, damit alle noch glücklicher werden. 

Raus aus dem Gewusel der Gemeinsamkeiten, rein in den einsamen Bereich der eigenen Erkenntnis. Steht einem als betagten Herren auch ganz gut, woanders hätte man schon längst stellvertretender Hilfsguru sein müssen. 

Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Die Luft wird dünn, keine Verhaltensregeln mehr. So wie Du dich verhältst ist deine Welt. Du entscheidest über dein Glück oder Unglück und übernimmst, ohne wenn und aber die Verantwortung für Dein Leben und deine Welt. Allein!! Geniesse den Zustand der reinen Anarchie. Für dich gelten nur noch deine Regeln mit denen du wirst oder Untergehst. Anstatt teure und lange Therapien und die sichere Burg des Glaubens geht die Reise in die metaphysischen Hologramme deines eigenen Multiversums. Da wo die Naturwissenschaft den Bereich der Materie verlässt, beginnt der Markt der Möglichkeiten. Jenseits von Zeit und Raum ist es möglich, dass die das begegnet was Du (oder einer für dich) jemals gedacht hat. Was dir zu phantastisch erscheint, ist nur der Auftakt. Es geht weiter, hier werden die Welten des Zukunft geschöpft. Obwohl natürlich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft längst aufgehoben sind. Willkommen im quantenphysikalischen Zeitalter. Du findest mich im Bereich der der denkenden Phantasten, gleich neben Paul Scheerbart. Da will ich hin, da bleibe ich im Sein.

   

Nekrolog

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Wenn der Sinn dahin …

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Ikea in mir

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Sinn des…

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(Untitled)

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Aufschreiber

img_20181203_120834Der da alles aufschreiben möchte, alles aus seinem Leben, alles aus seine Seele, der hat viel zu tun, oder nichts.

So er nur, ein bisschen tumb, schreibt, würde er schreiben, dass er schreibt, aber er wüsste nicht worüber. Im anderen Fall, der Chronist der Lebendigkeit, der hätte schon beim richten der Tinte so viele Einfälle, dass er dringend darauf achten muss, beim schreiben nicht zu verhungern. Dieser wird einen ungeheuren Verbrauch an Papier und Tinte haben. Denn das sich ständig wandelnde Leben halbwegs genau zu beschreiben, muss einen gewissenhaften Menschen zweifellos in die Verzweiflung treiben. Wovon lebt dieser Mensch im ZEITALTER DES KAPITALISMUS?

Ich fürchte, er sitzt sehr verloddert, ja ungepflegt, an seinem zusammenbrechenden Schreibtisch. Kaum ist ein Blatt eng beschrieben, mit seiner zierlichen akkuraten Handschrift, frisst er es schmatzend auf.

Welch ein vergebliches Leben haben wir fleissigen Chronisten!

 

14.12.18 fognin