EZ: Surreale Sinnfragen im farbigen Licht

Surreale Sinnfragen im farbigen Licht

Eckernförde 4.7.07

Jean Giraudoux Komödie „Intermezzo“ als Spiel der 12. Klasse der Freien Waldorfschule Eckernförde
Traditionell schliessen Waldorfschüler ihre 12jährige gemeinsame Schulzeit mit einem Schauspiel ab. Manchen dieser Theateraufführungen, die stets öffentlich aufgeführt werden, gelingt es den Rahmen der pädagogischen Erfordernisse und des gemeinschaftlichen Gestalten zu überschreiten. Die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Eckernförde zeigt mit Jean Giraudoux Komödie „Intermezzo“ ein solches zum Kunstwerk sich aufschwingendes Klassenspiel. Das Zwischenspiel, des 1882 bis 1944 lebenden Franzosen, stellt sich zwischen die Stühle verfestigter Denkgewohnheiten. 1933 entstanden, karikiert es das spießige Leben eine französischen Kleinstadt zwischen den Kriegen genauso, wie nicht hinterfragte Wertvorstellungen und esoterische Schwärmerei. Zwischen Dualitäten wie Traum und Wirklichkeit, Liebe und Tod, Kariere und Idealen agieren die Schauspieler und überwinden die Banalität der Handlung durch durchseeltes Gestalten. In der kleinen Stadt ist ein Geist aufgetaucht. Die Respektspersonen wie der Bürgermeister, der Schulrat und der Kontrolleur sind verunsichert. Die junge Lehrerin sucht die Erscheinung und berausch sich an Gesprächen über das Leben und den Tod. „Was passiert nach dem Tod des Todes“. Wie spitze Nadeln stechen einzelne Sätze hervor und geben dem Komödiengeschehen die Tiefe eines Dramas. Der Schulrat will Ordnung in das surreale Geschehen prägen und maßregelt die Schülerinnen die mit naturnaher Heiterkeit nichts Arges anficht: „Wir wollen nicht Humor, sondern die mittlere Reife“. Dem strengen Schulbürokraten steht der Drogist gegenüber, der fast unsichtbar die Zwischentöne moderiert und das Unbestimmte zur Bestimmung hat. Zwischen Geist und planmäßiger Bürokratenkariere gerät der Kontrolleur der Masse und Gewischte, hat er sich doch in Isabelle verliebt, die sich so innig mit Geist verbunden fühlt. Nicht unbedingt die Handlung des durchaus witzigen aber auch zum nachdenken anregenden Stückes ist die Stärke die Aufführung. In dem vom Regisseur Andreas Voigt meisterhaft gestalteten Bühnenbild aus farbigen Licht und wenigen handelnden Kulissen erwecken die Schauspieler Imaginationen. Das dem Zwischenspiel anhaftende Unbestimmte, manchmal traumhaft, manchmal brutal realistisch und Zeitkritische verkörpern sie wie ihre Kollegen von den Staatstheatern durchgestaltet. Da die Aufführungen in zwei Besetzungen erfolgt und der Schule die kollektive Leistung wichtiger als Einzelvermögen ist, soll dies hier respektiert werden. Die Gelegenheit einem theatralische Gesamtkunstwerk beizuwohnen besteht noch heute am Donnerstag und am Freitag jeweils um 20 Uhr im Saal der freien Waldorfschule in der Schleswiger Str. 112. (fst)
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