EZ: Näkkälä – Finnlands Tundra im Haus

Näkkälä – Finnlands Tundra im Haus
Eckernförde

Weit in das Land der Samen im Norden Finnlands entführte der Film „Näkkälä“ die Besucher des Kinos im Haus. In Anwesendheit des Dokumentarfilmers und Regisseurs Peter Ramseier wurde die Geschichte des älteren Schweizer Hans Ulrich Schwaar erzählt der seit zwanzig Jahren den Samen Iisakki-Mathias Syväjärvi besucht und ihn bei der Betreuung seiner großen Rentierherde hilft. In der Siedlung Näkkälä treffen zwei Welten aufeinander. Zum einem der der ehemalige Emmentaler Lehrer, der geprägt von der mitteleuropäischen Zivilisation, es schaffte die scheue Andersartigkeit der Samen zu überwinden und inzwischen als akzeptierte Glied einer sehr kontemplativ wirkenden Gemeinschaft zu werden. Die Samen leben in einer weitgehend unberührten Natur, die Abläufe ihres Handels sind geprägt von Rhythmen ihrer Tiere und nur wenig von den modernen Errungenschaften der Technik gewandelt. Und doch: Der Same Iisakki-Mathias erinnert sich noch an das Normadenleben mit seinem Vater, als noch keine Handys, Fernseher und Geländefahrzeuge das Leben mit ihnen teilten. Doch auch heute noch geht das Leben im hohen Norden bedächtig seinen Gang, es wird beständig, bescheiden und überlegt gehandelt und selbst die Feiern sind durch wenig Alkohol genügend gekrönt. Der Filmemache Peter Ramseier begleitete die kleine Gemeinschaft ein Jahr und dokumentierte den Lauf der Natur und der mit ihr eng verbunden Menschen äuißerst einfühlsam. In fotografisch wundervollen Sequenzen wird eine Landschaft gezeigt, deren Unberührtheit die Grundlage der dort lebenden Menschen ist. Die Rentierherden leben von Flechten. Diese bedrohte Pflanzenart kann nur in vollkommener Reinheit gedeihen. Aber nicht nur aktiver und gelebter Umweltschutz ist ein Problem des uralten Volksstammes der Samen, der lange vor den Wikingern den gesamten Norden als Normaden besiedelten und sich stets der rentierzuch widmeten. Auch an Nachwuchs mangelt es, viele Frauen studieren in den Städten und verbinden sich dort mit den Finnen. So hat die Siedlung Näkkälä inzwischen nur noch 36 Einwohner – alles Samen. Die stolze Schüchternheit der Ureinwohner, ihr abgewogener Umgang mit der Zeit und ihre ganz andere Lebens- und Denkweise konnte das kleine Filmteam in fünf Besuchen wunderbar und sehr einfühlsam dokumentieren. Neben den naturbeobachtenden Szene hat der Film einen weiteren Schwerpunkt in der Freundschaft der beiden älteren Männer, die sehr unterschiedlich, aber in ihren ausgeprägten Eigenarten wieder verbunden sind. Der sechzigjährige Iisakki-Matias Syväjärvi ist der Enkel des legendären samischen Rentierfürsten Vilkuna Näkkäläjärvi. Er lebt ausschliesslich von der Rentierzucht und besitzt die grösste Herde der finnischen Samen. Nach alter Tradition wäre er, wie sein Grossvater damals, ein Rentierfürst. Heute aber gibt es diese Art von Fürsten nicht mehr. Obwohl Iisakki-Matias Syväjärvi die alte samische Kultur noch lebt und auch pflegt, hat er sich der Anpassung an die „westliche” Welt gebeugt. Er hat sich ein Geländefahrzeug und einen Motorschlitten zugelegt, und auf dem Dach seines einfachen Hauses thront – neben der Einrichtung für das Trocknen des Rentierfleisches – eine Parabolantenne. Der Schweizer Hans Ulrich Schwaar, geboren am 31. Januar 1920, lebt in Langnau im Emmental. Er studierte an den Universitäten Neuenburg und Basel Französisch und Sport, wurde Lehrer und unterrichtete in Langnau. Er war Langstreckenläufer (Nationalmannschaft) und Orientierungsläufer. 1956 nahm er zum ersten Mal an einem Orientierungslauf in Finnland teil. Dabei entdeckte er seine Liebe für dieses Land. Der heute 85-jährige Schwaar lebt seit 22 Jahren während des grössten Teils des Jahres bei und mit den Samen. Er spricht ihre Sprache und gilt als einer der wenigen wirklichen Kenner dieses nordischen Urvolkes. Er hat unzählige Bücher über seine Erlebnisse geschrieben. Der Film Näkkälä wurde in Zusammenhang mit dem „Folk Baltica“ Veranstaltungen im Eckernförder „Das Haus“ aufgeführt. (fst)

Peter Ramseier – teilweise mit den Gastgebern

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