EZ: Modern art in Ecktown

Modern art in Ecktown

Zeitgenössische Kunst im Museum

Eckernflörde 4.8.07

Lebende Künstler haben es schwer. So sagt man. Vielleicht haben es lebende Künstler in der Provinz noch schwerer. Uwe Beitz, Museumsdirektor ist mutig. Er stellt drei ehemaligen Stipendiaten des schleswig-holsteinischen Künstlerhauses seine Räume zu Verfügung. Und schon die Eröffnung am Sonntag zeigte: neue Kunst mit frischen Flair ist spannend und lustig. Viel Spaß hatte das Publikum am Sonntag bei der Ausstellungseröffnung „Manche mögen es“. Drei Stipendiaten des Künstlerhauses in Eckernförde zeigen ihre aktuellen Werke und wie ihre in Eckernförde veranlagten Werke in die Welt strahlen. Eine klammheimliche Kulturbotschafterin unserer Stadt ist die Kölner Textilgestalterin Carola Willbrand. Ihre 2004 hier entstandene Skulpturenserie „Eckernförder Bestiarium“ mit liebevoll ironischen Portraits hat inzwischen schon weite Reisen hinter sich und selbst in Nordfrankreich übte man sich den Stadtnamen fehlerfrei auszusprechen. Willbrand formte aus geschenkten typischen Kleidungstücken in der Ostseestadt fabelhafte allegorische tierähnliche Figuren, die den Vornamen der Stoffspender tragen. Für heimische Kulturkenner ein klammheimliches Vergnügen, die Plastiken mit den Namensgebern in Beziehung zu setzen! Besonders sehenswert auch die genähten Portraits die Carola Willbrand in Datca / Türkei von einheimischen Bauernfrauen in mühevoller Handarbeit fertigte.

Dagmar Hugk weilte auch wie die anderen Ausstellenden 2004 im Künstlerhaus. Hier schuf sie kleine organische Plastiken die sie in den privaten Gärten Eckernförder Bürger fotografierte. Diese Fotos durchliefen einen vielfachen und subtilen weiteren Gestaltungsprozess bevor sie zu einer Großplastik auf CD Rohlingen mutierten, die als monumentales Wandgestaltungselement den hinteren Raum der Museumsaustellungsfläche dominiert. Sehr schön in den Gesamtklang dieser Kunstfläche passen sich auch die kleinen organische Plastiken von ihr ein und die von Willbrand aufgehängten Eckernförder Bestien. Eine Installation die im Zusammenklang eine eigene künstlerische Qualität offenbart und zum reflektierenden Verweilen einlädt.

Die männliche Komponente der Ausstellung kommt etwas chaotischer und ruppiger daher. Ruppe Koselleck präsentiert verschiedenste Langzeitprojekte deren besonderer Charme in einer unnachahmlichen augenzwinkernden Ernsthaftigkeit begründet sind. Ein buntes, an ein altertümliches Kontor erinnerndes Büro belebte der Künstler zur Eröffnung. Mit Hilfe von Teer und Bitumenfunden von den Stränden aus aller Welt will Koselleck den Ölmulti BP „feindlich“ übernehmen. Aus den wenig erwünschten Hinterlassenschaften des Energieriesen erstellt er Bilder und Plastiken die das geneigte Publikum zu Börsenkursen erwerben kann und soll. Teile der Einahmen werden in Aktienkäufen angelegt. Außer dem Versuch den Großkonzern anhand seines eigenen Mülls aufzukaufen, das Unterfangen führte bereits zu dem Kauf von 167 Aktionen und wird nach neusten Berechnungen ca. 238 Jahre dauern, zeigt der unterhaltsame Münsterianer verschiedenste großvolumige Tagebücher. In den ehemalige Tapetenmusterbüchern können die Besucher nach Herzenslust stöbern und ihren Alltag mit künstlerischen Einsichten und Mutmaßungen anreichern. Über Ruppe Kosellecks Porsche Aktion berichtete die EZ schon gestern. Die unterhaltsame Ausstellung mit aktueller Kunst mit deutlichen Eckernförde Bezug ist im Museum noch bis Mitte September zu erleben. Zur Finissage am 16. September haben sich die Künstler und ihr Ausstellungsdirektor Dr. Uwe Beitz einiges einfallen lassen. Was? Das will das Kunstteam erst kurz vorher in unserer Zeitung verraten. (Markus Feuerstack)

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