EZ: Maritimes am Hafen

Maritimes am Hafen

An einem warmen Herbstabend in engen Kreise zusammensitzen und Geschichten von der See und den nahen Inseln lauschen – das ist gemütlich. Genau diese Gemütlichkeit stellte sich in den Räumen des Ateliers von Monika Breustedt am Freitag Abend schnell ein, als Heiner Egge aus seinen Büchern unter dem Titel „Arkje Blue, – Vagabondagen zur See“ vorlas. Der Autor, in Eckernförde kein Unbekannter mehr, mehrfach konnte man seinem ausdrucksstarken Vortrag schon lauschen. Obwohl er in Östermoor (Eider) beheimatet ist, hat Egge ein festes Standbein in Eckernförde: Sein Schiff liegt hier im Hafen. Seine lyrischen Geschichten spielen zwischen Ost- und Nordsee und aus jeder Zeile sprechen die sanften oder manchmal heftigen Wellen, tuschelt der Wind und der Zuhörer spürt das leichte Kränken des Schiffes. So erzählt Heiner Egge von Kapitän Brahen, der einst auf Grönlandfahrt war und Walfischen nachstellte. Nun sitzt der Seemann am Watt und zeichnet mit Blei. Aus den Worten des Autors entstehen Landschaften mit knorrigen Menschen und einer beherrschenden Natur, die mal massiv, mal – bei seltener Windstille –ganz sanft die Menschen und ihr Leben bestimmt. Äußere, fein durchgestaltete Bilder, werden durch innere, frei assoziierte, ergänzt. Die Geschichten erwachen nicht aus den Worten des Schriftstellers, sondern im Leser oder Zuhörer. So auch bei der Geschichte des Vaters der mit seinen Söhnen auf große Fahrt geht. Zu den Gewürzinseln soll die Reise gehen und ein alter Kapitän ist seit dem Winter auch an Board. Aber die Mannschaft landet in Helgoland. Für die Jungs und ihren „Steuermann“ wird die Insel zu dem sagenhaften Atlantis und sie erkunden auch das Unbestimmte. Was spricht der Meeresgrund? Aus einer Geschichte werden viele, sagenhafte Gestalten gesellen sich zu knorrigen Seeleuten und melancholischen Fischern, Spökenkiekereien entstehen neben Sagen und funkeln aus dem Meernebel hervor. Zum Abschluss der unterhaltsamen und bilderreichen Lesung im stilvollen Ambiente der Galerie las Heiner Egge noch eine Ostseegeschichte vor, die er tags zuvor erst geschrieben hatte. Die Geschichte eines Blattes das vom Schreibtisch auf dem Meer in die Wellen geweht wurde und, ohne nachhaltig durchnässt zu sein, von dem Dichter an Land getragen wurde. Von Heiner Egge sind die Bücher „Zwischen den Gezeiten“ (1998), „Der Eiderboote“ (2001), „In der Kajüte“ (2004) und „So weh an der Sonne“ (2005) erschienen. In Vorbereitung ist die Novelle „Die Fußreise“, die Anfang 2008 von dem heinepreisträger erscheinen soll. (fst)

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