Kuttel Daddeldu an der Ostsee

Kuttel Daddeldu an der Ostsee

Er hatte ein bewegtes Leben, bevor er als humoristischer Dichter Unsterblichkeit erlangte. Joachim Ringelnatz (1883-1943), seine Gedichte und auch das bewegte Leben als Seefahrer, Gelegenheitsarbeiter und und Künstler in vielen Sparten, waren das Thema eines unterhaltsamen Abends im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus.
Thomas Schleissing-Niggemann begnügte sich nicht, die unterhaltsamen Gedichte vorzutragen, sondern verwandelte den Saal des Künstlerhauses in ein Kabarettprogramm der Vorkriegszeit. So musste es in etwa gewesen sein als Ringelnatz im Berliner Kabarett Schall und Rauch als Matrose seine zarten Verse und deftigen Geschichten vorgetragen hat. Schleissing-Niggemann, erst als altertümlicher Jünger von Turnvater Jahn, später als versoffener Matrose, spielte, sang und zeigte, die Gedichte als Bühnenshow. Nebenbei berichtete er aus dem ereignisreichen Leben des geborenen Leipzigers.
Bevor Ringelnatz seine Turngedichte 1920 veröffentlichte, war sein Leben hauptsächlich von vielerlei Berufen und künstlerischen Misserfolgen geprägt. Stets in bitterer Armut lebend, versuchte er sich als Matrose, Bibliothekar, Schaufenstergestalter etc.
Während der Weimarer Republik in Berlin wurde der rezitierende Dichter als Geheimtipp gehandelt, Tourneen durch die Kleinkunstbühnen und Kabaretts festigten seinen Ruhm als Kabarettist und Schriftsteller und auch als Maler wurde er zögernd bekannter.
Den Nationalsozialisten war der ungebändigte, teilweise deftige und respektlose Humor des Künstler unheimlich. Es erfolgten Auftrittsverbote und Bücherverbrennungen und für Ringelnatz wieder, die ihm lebenslang begleitende Armut. Er erkrankte an Tuberkulose und starb 1943 in Berlin.
Ebenfalls in Berlin beheimatet ist Thomas Schleissing-Niggemann, der als Pädagoge, Schauspieler und Rezitator tätig ist. Ein umfangreiches Programm, vielfach vertiefend deutschen Dichtern gewidmet, zeichnet sein Repertoire aus. In Eckernförde trat er bereits mehrfach erfolgreich auf und dürfte, die die gut besuchte Vorstellung im Künstlerhaus zeigte, bereits ein Stammpublikum haben. Seine lebendige, dem Werk verpflichtete Vortragsweise die nicht nur gute Unterhaltung produziert, sondern auch mühelos den Dichter dem Publikum näher bringt, kam bei dem letzteren sehr gut an. Selbst Ringelnatzkenner, davon waren mehre leise mitsprechend im Saal, haben noch neue Aspekte über „ihren“ Dichter mitgenommen. (fst)
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