Kultur

Der digitale Bettler…

.. unter dieser Überschrift werde ich folgenden Text mit sämtlichen meiner Webseiten verbinden. Ich bin mal gespannt, ob es Menschen gibt, die meine Arbeit wertschätzen können und wollen. Ein Versuch scheint es mir wert. Und ich möchte ganz gerne auch leben….

 

Liebe Freunde,

vielen Dank an dem Interesse auf dieser meiner Seite!

Ich habe eine persönliche Bitte: Ich habe diese und andere (siehe unten) Seiten erstellt und finanziere sie seit vielen Jahren. Das kann ich mir mir nicht mehr leisten – meine Miete und mein Essen kann ich durch meine „ordentliche Arbeit“ nicht mehr zusammen zu bekommen. Durch staatliche Beihilfen möchte ich mich nicht in Abhängigkeiten begeben. Aber zu Dir, mein Leser, habe ich Vertrauen. Ich möchte mich mit folgender Bitte an dich wenden:

Bitte überweise mir, für meine Arbeit die du vor dir hast mindestens

1 Euro

an: Markus Feuerstack, GLS Bank Bochum [430 609 67] Konto 203 390 2800

oder per paypal: tate@euromusikant.de

oder auch per flattr (wenn ich auch noch nicht weiss, wie ich davon meine Miete zahle): 

Auf die Überweisung gerne als Stichwort „digitaler Bettler“. Ich danke sehr! Und bin gespannt, ob es klappt. Gleichzeitig ist es für mich dann auch eine Bestätigung, das dass was ich mache auch sinnvoll ist.

Wer bin ich und was mache ich?

Wie ich heisse steht oben bei der Bankverbindung. Mein „Künstlername“ ist fognin. Seit vielen Jahren  fotografiere ich, gestalte Webseitenschreibe Texte, und verlege Bücher. Ein kreativer Gemischtwarenladen, den ich als Selbständiger betreibe.

Bis vor ca. einem Jahr konnte ich davon auch noch (mehr schlecht als recht) leben. Inzwischen gibt es kaum mehr Aufträge. Sehr lange schon habe ich angefangen Webseiten in Netz zu stellen, die mit Geldverdienen nichts zu tun haben, aber (für mich) ein Stück Kultur bedeuten. Ich habe dem verwunderlichen Grafen von  Saint Germain

in virtuelles Denkmal gesetzt. Ich habe sehr viele Texte des fast vergessenen phantasievollen Dichters Paul Scheerbart

veröffentlicht. Und die vielen Künstler meiner Heimatstadt habe ich in einer Künstler Monografie vorgestellt. Meine Hoffnung ist: wenn die Öffentlichkeit wahrnimmt, was für ein Potential in dieser Kreativregion steckt, dass Politik und Verwaltung langsam mal durch Förderung die Lebenssituation dieser Kollegen verbessern.  Soviel Naivität gönne ich mir, aber die Herren und Damen sind mit dem Bau und der Förderung von Einkaufszentren wohl mehr als ausgelastet. Dass Kultur und Kunst die Grundlage eines erfüllten Lebens sind – also Lebensqualität, mit dieser Überzeugung fühle ich mich manchmal sehr einsam. Meine eigenen Werke, Fotos und Texte, stehen kostenlos im Internet. Nur weil jemand wenig Geld hat, will ich ihn nicht von der Teilhabe ausschliessen. Je ärmer jemand ist, um so mehr muss er Zugang zur Kultur haben. Noch so eine komische Grundüberzeugung von mir….

Ich bin wirklich überzeugt, dass es noch andere Menschen geben muss, für die (freiwillige) Bildung, Kunst und Kultur einen Stellenwert hat. Vielleicht gehörst Du ja zu diesen. Viele hundert Menschen greifen jeden Tag auf meine Seiten zu.  Und vielleicht ist Dir meine Tätigkeit einen kleinen Beitrag wert. Dafür verspreche ich gerne, als aktiver Kulturlobbyist weiter zu machen. Auch wenn ich eigentlich nichts anderes bin, als: ein digitaler Bettler.

Figurentheater im Kabuff

Das Kabuff ist alle. Jedenfalls das kleine Theater in der Rendsburger Strasse 100. Es macht zu. Zuviel bürokratische Hindernisse, aber auch nur ein bescheidenes Publikumsaufkommen. In einem Raum, in dem sich kaum 50 Kinder reinquetschen können, kann man selbst bei „ausverkauften Haus“ nicht davon leben. Kann man von Puppentheater überhaupt leben? Von Kunst? Von Kultur? Grosse Fragen, aber es sieht nicht so aus, – also brauchen wir keine Kultur mehr. Wir haben ja Einkaufszentren. Und Fernsehen. Und eine Ratsversammlung, ist ja auch unterhaltsam…

Wie das bei Kleinkunst so ist: Jedenfalls war das Ende ein Fest. Ein Fest der Freunde, die kreativ zu feiern verstehen. Mit Konzert von „The Bright Side“ (Birte Sieland Gesang und Gitarre, Arne Gimm Bassgitarre, Michael Packschies Mandoline, Bouzouki, Claviola) und Benjamin Schulte alias „Uno Caldera“. Und der genialen Gabi Pahms, die als „Frau Pamms“ vom  „Stakendorfer Bauernblatt“ auftrat. Die (wie immer) eine geniale Einfraushow mit besonderen nervopil performte. Nicht zu vergessen die begnadete Märchenerzählerin Susanne Söder Breyer. Und Gesang, und Puppen und gute Gespräche und und und.

Es war schön. Nicht nur das Fest zum Schluss, auch das Theaterchen als solches. Viele schöne Vorstellungen, von Cordula Thonett und ihren Gästen. Dank hiermit an Alle, aber besonders an Cordula. Du hast Eckernförde bereichert. Und wenn die Stadt (Verwaltung & Politik) das nicht bemerkten und sie sich nicht bedanken können, dann spreche ich hier mal ganz frech für die Kulturschaffenden. Wir machen da nicht viel Wind, wir sagen es einfach, ganz einfach: Danke!

 

Eine Kulturtankstelle für Eckernförde

Dieser Tage haben mir die Freunde vom Landesvorstand der Piratenpartei Schleswig-Hostein eine große Freude bereitet. Sie haben uns eine

Kulttankstelle 

für Eckernförde geschenkt. Was eine Tankstelle ist, wissen wir genau. Was Kultur ist – darüber gibt es viele Vermutungen, jeder hat eine ungefähre Vermutung darüber. Aber: was ist eine Kulturtankstelle? Vielleicht etwas, wo man seine ermattete Seele mit Kultur auffüllen kann und dann wieder etwas frohgemuteter durch das schöne Eckernförde spazieren kann?

o ist es! Nur mit dem erfreulichen Unterschied, dass der Besuch dieser Tankstelle nicht zum Ruin führt. Sondern einfach mal garnix kostet. Null. Gratis. Aber bestimmt nicht umsonst..

Das Teil sieht so aus:

Naja, eigentlich ist das nur die Zugabe: Ein Werbeträger, der auf die Kulturtankstelle aufmerksam machen soll. Die eigentliche Kulturtankstelle ist nur ein fast stinknormaler W-Lan-Router gefüllt, mit Informationen über Künstler, Kulturstationen und lokale Sehenswürdigkeiten. Und unterschiedet sich von den anderen tausenden

W-Lan-Routern nur darduch, dass  man durch ihn leider nicht in das Internet kommt. Das kann sich nur ein pleitesüchtiger Millionär erlauben. Der hat sich noch nicht bei mir gemeldet.

In dieses Intranet kann sich jeder mit seinem Handy oder Notebook einloggen und über das informieren, was es in Eckernförde reichlich gibt: Kunst & Kultur. .

Da so ein W-Lan leider nur eine begrenzte Reichweite hat, möchte ich gerne die Stadt mit solchen Geräten fluten. Die erste Kulturtankstelle wird am Hafen stehen, weitere sollen folgen.

Natürlich sollen sich nicht alle, die mitmachen wollen, den Piraten anschließen. Für die erste Kulturtankstelle hat sich schon der Kulturverein Eckkult e.V. als Mitbetreiber gefunden. Und ganz viele weitere werden noch gesucht. Vereine, Kneipen und Geschäfte sollen sich gerne beteiligen und können sich im Gegenzuge auch auch auf der Kulturtankstelle vorstellen.

Die Hauptsache sind natürlich die Kulturschaffenden, die ihre Werke zeigen. Dazu müssen diese überzeugt werden, ihre kreativen Früchte unter eine CC-Lizenz zu veröffentlichen. Damit wird sicher gestellt, das genau die Rechte, die ihnen wichtig sind, ihr Eigen bleiben. (siehe:

(https://de.creativecommons.org/was-ist-cc/)Dann steht auf Ihrer Seite bei der Kulturtankstelle so ein kleines Schild:

Wir können außer Künstlern und den genannten Institutionen natürlich auch andere Mitstreiter brauchen: DICH! Denn jeder findet seinen Bereich, in dem er mithelfen kann. Wir wollen zeigen, dass Eckernförde eine Kulturstadt ist! Dazu müssen Internetseiten erstellt, Leute angesprochen, und Ideen entwickelt werden. Also gehe bitte in Dich und finde Dein Kulturherz. Und dann melde dich bei mir – wir werden viel Spaß haben (bei aller Arbeit….)

Markus Fuerstack (fognin) 04351 – 72 62 00 fst @ fognin . net

oder Svenja Funke 04351 – 89 34 50 svenjas.senfkultur @ gmail.com

Die Stalker-Polaroids {8}

18. OKTOBER 2012

Die Stalker-Polaroids {8}

Die meisten Bilder aus der Reihe „Stalker-Polaroids“ sind Portraits. Eine seltsame Sache sind Bilder von Personen. Heutzutage interessiert man sich nur für Fotos von Menschen wenn diese aus dem Freundeskreis stammen oder richtig berühmt sind. In der Malerei und auch aus den Anfängen der Fotographie galten Portraits als Meisterklasse. Kaum einer weiss wirklich etwas über die gezeigten Menschen der klassischen Portraits, aber man bewundert die Kunstfertigkeit der Schöpfer. Und ein klein bisschen von dem Heiligenschein der Künstler streift auch ihre Modelle – sonst hätte das Bewusstsein der Zeit sie längst vergessen. Heutzutage trägt jeder ein fotofähiges Gerät durch die Gegend und publiziert seine Bildchen – Qualität als Aufnahmekriterium ist in Vergessenheit geraten. Eigentlich Schade. Nicht nur für Fotokünstler, die ihre entsprechenden Aufnahmen höchsten an Portraitierte verkaufen können, auch für die Qualität der Kunstentwicklung. Gottseidank habe ich in meiner Serie ja nur wirklich bekannte und glänzende Persönlichkeiten – an denen besteht immer Abbildungsbedarf. Egal wie wenig sie in Wirklichkeit geleistet haben.

Kulturtasse – eine Plakatserie

 21. SEPTEMBER 2012

Kulturtasse – eine Plakatserie

Die Kulturtasse gibt es bei HofART in der Nicolai-Str. 7A in Eckernförde für 14,90 €. Dazu eine kleine Serie Plakate, die bisher nur für das Internet (Facebook, Picasa und hier) gedacht ist. Witzigerweise sind die Plakate „Multiwerbend“, d.h. es sind sehr viele verschiedene Werbeziele teilweise versteckt eingebaut.

Das Eichhörnche stammt von Marianne Tralau, die Schrift dazu und die Plakate verantwortet fognin.

Neue Musik erprobt Freiräume

Neue Musik erprobt Freiräume

Neue Musik ist eine ernste Angelegenheit. Und wenn das Ensemble Reflexion K mit neun begnadeten Musikern in der Eckernförder St.-Nicolai-Kirche gastiert kann mit Recht ein erhebender Einblick in diese Musikrichtung erwartet werden. So auch am Sonnabend, als unter dem Titel „Spaces IV /Living Room“ gleich drei der Altmeister dieser Musikrichtung zu Gehör gebracht wurden.

Bevor Karl-Heinz Stockhausens Werk „Die sieben Lieder der Tage“ (aus: Montag aus „Licht“) von Heiko Maschmann auf dem Kontrabass eindrücklich interpretiert wurde, begrüsste Magnus Lindberg das Publikum nachhaltig. Sein Werk „Ablauf“ (1983/88) für Klarinette (Joachim Striepens) und zwei Trommeln sorgte durch rasende Klarinettenläufe und heftige einzelne Trommelschläge für Aufmerksamkeit.

Der ehemalige Stipendiat Ludger Kisters stellte seine elektroakkustische Komposition „an den Randen der Teiche (2012) als Uraufführung vor. Ein spannender Zusammenklang von aufgezeichneten, teilweise naturnahen Geräuschen und dem Ensemble.

Das ernste komponierte Musik auch den Freiraum des Humors nutzen darf, wusste schon Altmeister John Cage, der derzeit 100 Jahre alt geworden wäre. Sein 72 Jahre altes Stück „Living Room Music“ stellt die Musiker in ein privat gewohntes Umfeld – mit den dort vorgefunden „Werkzeugen“ sollen sie dann Musik machen. Das Ensemble präsentierte einen liebevoll gedeckten Tisch, an dem Beatrix Wagner und Joachim Striepens, Johannes Fischer und Burkart Zeller als Gäste begrüssen. Und dann wird gegessen, Pardon, gespielt: diffiziles rhythmisches Trommeln mit Ess-Stäbchen auf vorgefundene, scheinbar zufällige Gegenstände, gesangliche Einlagen beim gemütlichen Zeitungslesen und klangliche Darbietungen auf Kinder- und Dekoinstrumenten waren die unterhaltsamen Gänge des Menüs. Optisch und akustisch ein Genuss!

Gerald Eckerts Beitrag zum Gelingen des Abends beschränkte sich auf ein 90Sekunden Stück und ein bisschen Tonband. Aber der in Eckernförde beheimatete Ausnahmemusiker präsentierte seine Miniatur „Nen II“ für Flöte (Beatrix Wagner) E-Gitarre (Johannes Fischer) und Schlagzeug (Gerald Eckert!) gleich doppelt,- dicht verwoben mit seinem Tonbandstück „Prisma- du fond d´un naufrage“ (2007). Genial verschachtelt und klangvoll präsentiert.
Der Kölner Komponist Steffen Krebber (*1976) steuerte für diesen im ganzen sehr locker und spielfreudig daherkommenden Abend ein Werk bei, dass mit dem Titel schon treffend charakterisiert ist: „fänger in den leeren fischgründen der organisierungen von es“ (2005)
Mauricio Kagel (1931-2008) kann durchaus auch als einer der grossen Altmeister der Neuen Musik bezeichnet werden. Auch dieser Komponist hat sein Werk „Match“ mit Augenzwinkern angelegt: Zwei Cellisten (Burkart Zeller und Gerald Eckert) duellieren sich und ein Schlagzeuger spielt den Schiedsrichter. Besonders das musikalische und schauspielerische Können von Johannes Fischer sorgte für viel Erheiterung.
Der Jugendliche Eckernförder Oliver Segner der als Erstbesucher der Musikreihe Neue Musik an dem Konzert teilnahm, fasste anschliessend den Eindruck des Publikums treffend zusammen: „Ich bin sehr angetan von dem Miteinander von humovollen und sehr ernst angelegten Stücken, ich bin am Freitag den 9.12. um 19 Uhr(!) gerne wieder dabei!“ (fst)
 

Punk in der Bibliothek

Ungewöhnliches Geschehen in der Stadtbibliothek von Eckernförde: Gegen Abend strömen rund 50 sehr unterschiedliche Leute in den Leseraum. Ältere und Jüngere und auch viele, die man hier nicht so vermuten würde. Eine Lesung ist angesagt. Aber alles ist anders. Anstatt eines Literaten liest ein (ehemaliger) Punkrocker, statt roten Wein gibt es Freibier und eine Minibühne mit Verstärker, Gitarre, Mikrofon ist auch aufgebaut. Sogar eine Präsentation mit Bildern, eine wilden Jugend ist zu sehen.
Thomas Lötzsch, bestens bekannter Frontmann von „Illegal 2001“liest aus seinem Buch. „Punk op de Deel“ heisst der Band, der seine Kindheit und Jugend in der Provinz beschreibt. Und das ständige Bemühen anders und auffallend zu sein und richtig harte Musik zu machen.
Diese Form der Pubertät beschreibt auch, aus der Sicht der Eltern, ein Lied, das Thomas Lötzsch zur Einstimmung vorträgt: „Wie du wieder aussiehst… Was sollen denn die Nachbarn sagen…“ „Die Eltern machen sich viel mehr Gedanken um einen, als man selbst“ kommentiert Thomas Lötzsch das was Thema des Abends werden soll: Eine wilde Jugend auf dem Dorf. Aber erstmal muss der Autor den jüngeren Leuten im Publikum erklären, was Kindheit und Jugend denn mal war: ohne Internet und Spielboxen, mit Schallplatten anstatt mp3, und warum man tatsächlich raus an die Luft ging und sich mit de Freunden am Waldrand oder Weiher traf. Da gab es noch Strassenkinder mit dem Schlüssel um den Hals. „Was ist Was, das war meine Wikipedia“ Thomas ist in beiden Sprachwelten zu Hause, der neuen des Internetzeitalters und der klassischen, als man noch analog ge- und erlebt hat.
„Eine relativ behütete Kindheit“ fand Thomas Lötzsch, „denn das ganze Dorf passte auf“ Und schon ist der Entertainer mittendrin in den Geschichten seiner Kindheit und Jugend. „Das ist meine erste Lesung“ hatte er am Anfang verkündet, als ob das Publikum nachsichtig mit dem Anfänger sein sollte. Dazu bot sich den Zuhörern keinerlei Gelegenheit, den was folgte war eine gekonnt präsentierte Kaskade aus freien Vortrag, gut gespielten Liedern, rasant vorgelesenen Texten und einer Unzahl von punk(t)genau gebrachten Anekdoten. Immer wieder durchhallte heftiges Lachen die sonst eher ehrwürdigen Räumen der Bibliothek. Die erste „Freibierlesung“ hat der Bibliothek gut getan, so gelöst und und unterhaltsam. Und Thomas Lötzsch, der meinte sein Publikum mit Freibier und Eintritt „für lau“ ködern zu müssen, sollte jetzt sicher sein: Bei dem Unterhaltungswert seines Buches und Vortrages kommt das Publikum auch mit Eintritt auf seine Kosten und gerne. Hoffentlich geht die Reise bald mal wieder in die punkige Jugend in der Provinz. (fst)
„Punk op de Deel“, erhältlich für 19,50 € über loetzschmann@aol.com
per email oder per Telefon & Fax 3872. Ausserdem bei Rieck, Tabak und Wein, Langebrückstrasse.

Urheber – das Recht des Künstler, das Recht der Menschen

Als kreativer Urheber, gemeinhin Künstler genannt, verfolge ich die durch die Piratenpartei angefachte Debatte mit Interesse.
Als kulturell interessierter Mensch mit geringen Einkommen habe ich grosses Interesse Zugriff auf möglichst viele kreative Kleinodien zu haben. Gerne möchte ich tolle Filme, Musikstücke, eBooks und Bilder etc downloaden können. Rechtmässig für ein mir mögliches Entgelt, oder sogar für „lau“.

Als Künstler habe das Bedürfnis nicht allzu schlecht zu leben und meine Werke gestalten zu können. Wenn mein Lebensunterhalt gesichert ist, habe k(l)ein weiteres Bedürfnis nach der mehrfachen Vermarktung meiner Werke.

Die Piraten haben die Forderung aufgestellt, dass ein kreatives Werk, dass mit öffentlichen Mittel finanziert wurde, dann auch der Öffentlichkeit gehört. Das finde ich richtig – und der Gedanke ist ausbaubar.

Ich stelle mir eine Verwertungsgesellschaft auf solidarischer Basis vor. Nennen wir sie mal VGS. Künstler die dieser beitreten, melden Ihre Werke und nennen für diese einen Preis. Ich stelle als mein Bild „Blaue Stunde im Eckernförder Hafen“ ein und nenne den Betrag 5.000 €. Wenn ich diesen Betrag für dieses Bild erhalten habe, habe ich kein weiteres Interesse Geld dafür zu bekommen. Jeder Privatmensch darf mein Bild nach belieben nutzen, allerdings möchte meine Eitelkeit, das mein Künstlername fognin mit diesem Werk verbunden bleibt.
Ob nun ein freundlicher Mensch, der als „Kunstkonsument“ vllt. ebenfalls bei der VGS Mitglied ist, dieses Bild für „die Menschheit“ freikauft, oder ob über Crowdfundig ganz viele Leute ihre Cents und Euros dazugeben, bleibt sich gleich. Mein Bild hat dann „seinen Markt“ gefunden und gehört uns allen. Damit nicht die cleveren „Geschäftlesmacher“ dann einen neuen Mehrwert schaffen, für Ihre Werbung, als Büchertitel und für politische religiöse Kampagnen, verwertet die VGS kommerzielle Anfragen. Als Urheber kann ich solche Anfragen ablehnen oder ihnen zustimmen. Die dort erzielten Gelder kommen der VGS zugute, oder wir teilen uns diese. Das kann per Vorrausverfügung geschehen, oder im Einzelfall. Die VHS wird mit ihren Anteil ihre eigenen Kosten decken oder notleidende Kollegen unterstützen, oder, oder, oder…
Wie gesagt, ich muss dummerweise Leben um Arbeiten zu können. (Übrigens in dieser Reihenfolge!) Meine persönlichen Bedürfnisse sind nicht sehr hoch, momentan lebe ich unter dem Hartz – Regelsatz. (Weil ich das so will, mein Stolz ist gut entwickelt) Fast alle Kollegen beziehen schon solche Zuschüsse der Öffentlichkeit (des Staates). Uns allen wäre mit einem Grundeinkommen geholfen, Kunst macht sich sehr viel besser ohne staatliche Restriktionen. Ich jedenfalls wäre gerne bereit, meine Werke knapp über dem Entstehungspreis abzugeben, wenn denn der Lebensunterhalt gesichert wäre.
16.4.12 fognin

Ausschreitungen in der Nicolaikirche

Ausschreitungen in der Nicolaikirche

Gross angelegte Kompositionen mit fast orchestralen Ausmassen brachte das zweite Konzert diesen Jahres der Konzertreihe „Neue Musik“ zur Aufführung. Nur drei Werke erklangen an diesem Abend. Alle drei hatten deutlich länger Spielzeiten und wurden jeweils in recht grosser Besetzung vorgestellt. Namensgebend und am Anfang stand die Uraufführung von Clemens Nachtmanns „ausschreitend“ für Ensemble von 2009/2010. Nachtmann, der 2010 als Stipendiat in Eckernförde weilte und während dieser Zeit an seinem Werk feilte, stammt ursprünglich aus Bayern. Musikalische und politische Studien führten ihn nach München, Berlin und Graz. In Österreich hat er einen Lehrauftrag an der Kunstuniversität Graz.
Aufgebaut auf der Idee eines Trauermarsches mit Bezügen zu Beethoven Mahler, Liszt und Berlioz beschäftigte sich der Komponist mit der Geste des Schreitens. Neun Musiker, davon 5 Bläser bildeten das Ensemble, die das schwierig zu spielende Werk mit dreidimensionaler Kraft in den Klangraum der Nicolaikirche stellten. Kraft, Lebendigkeit und Stärke sind die Begriffe die diese Komposition am treffensten beschreiben. Clemens Nachtmann malte mit seinen Tönen einen umfassenden durchseelten Raum, an einen urmächtigen Wald erinnernd, der bewohnt von vielerlei ungestörten Wesen zu sein scheint. Die starke Bläsergruppe (besonders hervorzuheben Wardy Hamburg an verschiedenen Saxophonen) spielte teilweise direkt in den Flügel und veränderte so den Raumklang in faszinierender Weise. Das diesjährige Generalthema der Musikreihe, Räume wurde in Nachtmanns Stück sehr anschaulich. Seine gross angelegten, teilweise heftigen Tonbilder klangen in spannungsgeladenen Pausen aus. Während der erste Satz die Themen in den Raum „stellte“, beschäftigte sich der zweite eher mit der inneren Verarbeitung. So ergab sich ein weiterer grandioser Spannungsbogen, der die Thematik „Bewegungen im Raum“ vielfach vertiefend spiegelte. Das Werk hat einen umfassenden Erlebnischarakter, es ist ihm zu gönnen auch noch an anderen Orten das Publikum in seinen Bann zu schlagen
Es schloss sich die Komposition „Swamp Forest“ (2004) von Larisa Vrhunc an. Die vielfach gespielte Slowenin zeigte in ihrem Werk eine „unfreundliche Waldgegend“ die zehn der 14 Musiker gewaltig in Szene setzten. Gerald Eckert setzte das Werk in seinen diesmal sehr kurzen Einführungen in Beziehung zu Lebens- und Sterbeprozessen mit ihren vielfachen Veränderungen. Immer wieder beachtlich, wie das „ensemble reflexion K“ auch in sehr grosser Besetzung präzise und durchgeprobt erscheint und auch komplexe Klangwerke lebendig und erlebnisreich vorstellen kann.
Gerald Eckert, der als musikalische Leiter des Abends alle drei Werke dirigierte, hatte eine lange Flugreise hinter sich. Er arbeitet derzeit in Seol (Südkorea) als Professor für Komposition. Als Abschluss dieses gross angelegten Konzertabendes erklang ein alter Publikums-Freund: „An den Rändern des Maßes“ (2005/2011) begegnete den Hörern der neuen Musik immer mal wieder während seiner langen Entstehungszeit. Diesmal setzte es einen gekonnten, zusammenfassenden Schlusspunkt. Das Werk beschäftig sich mit Auflösungserscheinungen. Der bewegte Raum, durch zwei Ensemblegruppen deutlich, verlagert sich spürbar nach Innen. Gerald Eckert vermag es, durch seine feinstrukturierten Kompositionen, das musikalische Geschehen in den Zuhörer zu verlagern. Während das Stück mit einer konzentrierten Schluss-Stille im Raum ausklingt, wird es das hörbar begeisterte Publikum noch eine Weile begleiten.
Das nächste Konzert der Reihe Neue Musik, zu dem Gerald Eckert wieder aus Korea anreisen wird, beschäftigt sich mit dem 250. Geburtstag der Häßler Orgel. Am Donnerstag, den 21.6. um 20 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche. (fst)

Internationaler Tag des Puppenspiels am 21.03.2012

Internationaler Tag des Puppenspiels

Am 21.3. ist wieder mal ein „internationaler Tag“. Diesmal wird das Puppenspiel gefeiert. Eine sinnvolle Aktion, denn die weltumspannende Kunst [wikipedia] des Figurentheaters verschwindet langsam aber sicher hinter den Unterhaltungskaskaden des allbeherrschenden TVs.
Puppen- oder wie die von Künstlern gepflegte Form heisst, Figurentheater, knüpft an die Tradition der Märchen oder auch der Märchenerzähler an. Nicht nur Unterhaltung sind die Motive dieser Volkskünste, auch das verbreiten wichtiger Überlieferungen und und berührender Bilder wurde gepflegt. Inzwischen kann die Kunst des Erstellens der Figuren und ihre Handhabung bereits an einigen Hochschulen erlernt werden, aber auch als Kunsthandwerk wird die Tradition noch an wenigen Stellen gepflegt. In der Kinderunterhaltung werden zunehmend auch didaktische Inhalte verabeitet, da die Kleinen besonders stark auf die Lebendigkeit der Figuren ansprechen (Kasperletheater).
Eine besondere Form des Figurenspiels pflegt in Eckernförde Cordula Thonett. Grundsätzlich mit selbstgebauten Figuren spricht sie nicht nur sehr stark Kinder an, auch Erwachsene verfallen gern den Charme ihrer Charaktere. In ihrem Stück „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ greift sie Motive des Märchens der Gebrüder Grimm auf, schafft es dabei spielend, besondere Facetten sowohl für Erwachsene als für Kinder zu finden, so dass diese jeweils an ganz anderen Stellen lachen und sich amüsieren.
Am 21.3., eben jenen besagten Internationalen Tag des Puppenspiels erlaubt die Künstlerin einen tiefen Blick in ihre Puppenkiste: Kinder und Erwachsene dürfen auch mal einen vorsichtigen Blick hinter die Kulissen der Bühne werfen, mit den Kindern werden Figuren aus Kochlöffeln gebaut, die Grossen können sich am Abend sogar an den Bau von Klappmaufiguren wagen. Am Nachmittag wird auch das Stück „Die Premiere  oder  Ach du dickes Ei“ aufgeführt. Auch hier herrscht an diesem Tag das Besondere vor: Geld als Zahlungsmittel wird nur ausnamsweise genommen. Jeder soll mitbringen, was er hat und gerne gibt: Knöpfe, Stoffreste und andere Materialien zum Bau neuer lebendiger Gestalten sind genauso willkommen, wie andere Dinge die von der Puppenspielerin und ihrer Familie hoffentlich gebraucht werden können. Cordula Thonett lebt mit ihren zwei Kindern von der Kunst des Figurenspiel, bzw. versucht es. Neben den Aufführungen und zahlreichen Workshops, die auch gerne in Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen durchgeführt werden, macht sie auch Unterhaltung bei Familienfeiern und grossen und kleinen Festen. Ihre frechen Puppen haben schon so manchen Erwachsenen aus der Fassung gebracht und lockern mit Sicherheit auch die steifste Firmenfeier auf.
 
Dieser Freitag im März ist eine gute Gelegenheit, Cordula Thonett und Klara Korn, den Manager, das Schwanadu und den wandlungsfähigen Ersie kennenzulernen. Allerdings: Das gemütliche Kabuff in der Rendsburgerstrasse 100 ist winzig. Da sollten die Besucher entweder sehr rechtzeitig vor Ort sein, oder vorher ihre Plätze reservieren. Dafür erwartete sie eine faszinierende Welt, die des Pupen- und Figurenspiels und vielleicht auch einige der witzigen und begabten Freunde der Puppenspielerin. (fst)
Figurentheater im KabuffCordula Thonett

Rendsburgerstr. 100

24340 Eckernförde

Tel.: 04351 / 883772

Fax 04351 / 726188

cordula@figurentheater-im-kabuff.de

www.figurentheater-im-kabuff.de
In der Kulturmonographie Eckernförde: https://eckkult.de/kme_cthonett.html

Stipendiaten im Künstlerhaus Otte 1

18.02.13

Stipendiaten im Künstlerhaus

in der Otte(Str.) 1 gibt es „Nachwuchs“. Zwei Stipendiaten sind für jeweils zwei Monate in das Künstlerhaus eingezogen und können mit Unterstützung unseres Bundeslandes sich ihren kreativen Aufgaben widmen.

Benjamin Zuber, 1982 geboren, studierte in Erlangen, Nürnberg und München bildende Kunst. Nach seinem Abschluss 2011 in der Meisterklasse ist dies sein erstes Stipendium. Begeistert zeigte sich der Süddeutsche vom Meer in Eckernförde und besonders regte ihn die gefrorene Meerkante an. Sogleich realisierte er einen kleinen Film: Ein Gipssack dümpelt auf einer Eisscholle und versinkt langsam in der Ostsee. Zuber hat den Sack geborgen und langsam trocknen lassen. Derzeit dient er in Hamburg in der Ausstellung bei „Frapant e.V.“ als Projektionsfläche für den Film. Als Kulturbotschafter oder als kreativer Gruss aus Eckernförde, sollen Sack und Film danach noch in München und in Wien ausgestellt werden. Neben Ausstellungsvorbereitungen hat sich Benjamin Zuber für Eckernförde weitere Auseinandersetzung mit dem maritimen Umfeld vorgenommen. Eventuell sind daraus entstandene neue Werke in einer kleinen Abschlussausstellung am Ende seines Eckernförder Stipendium zu sehen.

Der Literatur verschrieben hat sich Maja Ludwig (*1979). Sie wohnt derzeit in Dresden, hat Ethnologie, vergleichenden Religionswissenschaften und Literatur in Berlin und Leipzig studiert. Ihr Spektrum als als freischaffende Literatin umfasst Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Drehbücher. Auch für kleine Filme hat sie bereits die Vorlagen erarbeitet. In Eckernförde möchte sie ihren ersten Roman beenden. Eigene Ausgiebige Reisen nach Afrika ergaben das Erlebnisumfeld in denen sie die Handlung und ihre Protagonisten ansiedelt. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, dass Maja Ludwig in einer Lesung der Eckernförder Bevölkerung einen kleinen Einblick in dieses meistenteils wärmere Umfeld ermöglicht. Wir wünschen beiden Stipendiaten eine kreativ-erfolgreiche Zeit in unserer Stadt! (fst) 

www.otte1.de – Das schleswig-holsteinische-Künstlerhaus im Internet

Lebendiger Märchenabend

Geschichten für Erwachsene
Valentinstag, mitten in der Woche. Der kleine stimmungsvolle Raum des „Figurentheater im Kabuff“ ist rammelvoll. Lauter erwachsene Menschen lauschen einer zierlichen Frau. Susanne Söder-Beyer von Beruf Märchenerzählerin erzählt mit viel Temperament von Männer und Frauen und den immer wieder verbindenden Thema: Der Liebe.
Die Märchenerzählerin im festlich eleganten roten Kleid fängt mit dem absoluten Anfang an: Der Schöpfergott hatte den Mann erschaffen und gesellte ihm eine Frau dazu. Erlesenste Zutaten benutze er, aber Adam reklamiert und bittet Gott, die ihm zugedachte Gefährtin wieder zurück zunehmen. Sie nervt ihn. Gott kommt dieser Bitte nach. Wie es dann dazu kam, dass die Menschheit doch entstehen konnte, berichtet Susanne Söder-Beyer mit schalkhaften Humor. Sie berichtet auch aus orientalischen Geschichten, in denen Männer und Frauen im Wettstreit über die List und Klugheit sich messen und nach etlichen raffinierten Verwicklungen, das auserwählte Paar sich doch noch findet.
Nicht nur aus fernen Gestaden und sehr alten Zeiten stammen die Märchen und Geschichten, auch aus Kochendorf und und in unserer Zeit spielend, gibt es hörenswertes zu berichten. Der Autor Nicolaus Kessener, der selbst schon als Vortragender im Figurentheater aktiv war, schrieb über ein alterndes Paar. Während der Mann sich mehr für eine Übertragung seines Fussballvereins zu interessieren scheint, bereitet sich seine Gattin auf ein festliches Klassentreffen vor. Natürlich schweifen ihre Gedanken in die Vergangenheit, als sie wild und gekonnt tanzten und die Liebe mächtig funkelte. Nun haben sie erwachsene Söhne und jeder geht seinen eigenen Interessen nach. Aus der alltäglichen Tristesse mit unerfüllten Hoffnungen und eingeschliffenen aneinander vorbei leben, entwickelt sich ein anrührendes Happyend. Ohne moralischen Zeigefinger wird klar: Liebe ist keine Frage des Lebensalters. Eine bezaubernde und sehr nachvollziehbare Erzählung, die durch den freien Vortrag noch viele feine Nuancen erfährt. Mancher der angegrauten Zuhörer wischt sich beim Klatschen beiläufig über die Augen….
Die Märchenerzählerin lässt jede Gestalt lebendig vor den Augen der gebannt lauschenden Zuhörer auferstehen. Sie wandelt ihre Stimme, und wenn, wie in einer „Erwachsenenfassung“ eines Märchens der Gebrüder Grimm sie von der bösen Hexe berichtet, die der jungen Liebe gehässig im Wege steht, dann funkeln ihre Augen und sie nimmt die knöchrige Gestalt der hässlichen alten Frau an. Den Zuhörern schauert es. Aber das junge und hübsche Mädchen sing ein melancholisches Lied und schon breitet sich eine ganz andere Stimmung im Raum aus. Auch dieses Märchen steuert auf ein glückliches Ende zu.
Nach jeder Geschichte, es sind auch gekonnt aufbereitete Anekdoten darunter, spielt der jugendliche Musikus Benjamin Schulte auf den Akkordeon ein kleines Musikstück. Allzu bald verbeugen sich die beiden perfekt zusammenagierenden Akteure, aber das Publikum lässt sie so nicht ziehen. Erst nach einer weiteren leicht frivolen jüdische Geschichte und noch einer Kostbarkeit auf dem Akkordeon endet die Vorstellung. Faszinierend wie die alte Kunst des Erzählens ganz moderne Zuhörer in ihren Bann zu ziehen vermag. Welch mächtige Bilder in dem kleinen Raum des Figurentheaters entstehen und gestandene Männer und Frauen beim zuhören sichtlich berührt werden. Schön das es grosse kleine Kunst noch gibt! (fst)
Bu: Märchenerzählerin Susanne Söder-Beyer mit der Gastgeberin Klara Korn auf dem Schoss

Punk op de deel – Thomas Lötzsch [EZ]

Thomas Lötzsch (47) Punk op de Deel
Buchvorstellung

 Der bekannte Musiker- und Musikpädagoge Tomas Lötzsch hat einBuch geschrieben. Seine Platten sind Legion, als bekannter Frontmann der in Deutschland äusserst beliebten Band Illegal 2001 wurde er richtig populär. Wie begann das alles?

 
Thomas Lötzsch wollte eigentlich ein Buch über seine Band Illegal schreiben, was in 23 Jahren Bandgeschichte mit all den tollen Leuten passiert ist. „Ich hatte immer vor ein Buch zu schreiben, ein Lebensziel. Wenn man irgendwann nichts neues macht – das ist bedenklich.“ 
 
 
 
 
In seinen in Roman erzählt Thomas aus seine Jugend in Hohenwestedt, wie er bereits als Kind nach Itzehohe fuhr, um die neusten Scheiben, Punk natürlich, einzukaufen. Daraus entstand in seinem Freundeskreis eine verschworenen Gemeinschaft. „Wir waren die Verhaltensoriginellen, wir waren Punks“ Das gab es in der norddeutschen Kleinstadt bisher nicht, die jungen Leute wurden teils misstrauisch, teils spöttisch von den Erwachsenen beäugt. „Wir waren eine kleine Horde junger Hunde, die einen Riesenspass daran hatten, anderen in die Waden zu beissen.“ Rumhängen mit den Freunden und die Alten provozieren bestimmten nicht nur den Alltag, nebenbei gründete man auch Bands, übte mehr oder auch viel weniger und wagte sich an Auftritte, die extrem grenzwertig waren. Neben einer Ausbildung als Möbeltischler war das tunen von Mofas viel wesentlicher. Aber erstaunlich viele kreative Fähigkeiten er übten sich die jungen Leute ganz nebenbei. 
 
Thomas Lötsch schreibt wie er spricht. In schneller Folge, mit viel Sinn für Humor, werden farbige Szenen geschildert von denen der Leser sich mühelos gefangen nehmen kann. Nach kurzer Zeit ist man in den 70iger Jahren, in der norddeutschen Provinz und erlebt die seltsame Mischung zwischen Mief und Aufbruch lebendig mit. Schwer fällt es, den Band wieder aus den Händen zu legen, der mit vielen, sogar bunten, Bildern aus den Fotoalbum des Autors angereichert ist. Thomas Lotzsch hat alles selber gemacht: erlebt, geschrieben, den Buchsatz, den Verlag. „Ein Buch zu schreiben ist körperliche Arbeit. Nach einigen Stunden konnte ich alles wieder sehen, wie es früher war.“ Anderthalb Jahre hat er an seinem Werk gearbeitet. Nur den Einband hat Freund Holger Ceglas für ihn liebevoll gestaltet. 
 
Kaum war das Manuskript druckbereit, standen schon zwei Kapitel als Hörbeispiele auf dem Videoportal „YouToube“. Sehr lebendig liest der Autor aus seinem Buch und schafft es spielend, das Neugierde entsteht und Appetit auf mehr. Das gibt es momentan nur in dem Buch „Punk op de Deel“, erhältlich für 19,50 € über loetzschmann@aol.com per email oder per Telefon & Fax 3872. 
 
Doch Thomas Lötzsch hat sich noch weiteres vorgenommen: Eine Hörbuch CD von ihm gelesen und angereichert mit Punk-Klassikern aus seiner Jugendzeit ist in Vorbereitung. Um jeglichen Stillstand vorzubeugen, will er dann erstmal mit dem Rauchen aufhören und einen ganzen Marathon laufen. Wenn dieser Schweiss auch wieder getrocknet ist, sollten wir ihn vielleicht mal wieder an den Folgeband erinnern: Wir war das mit Illegal 2001? Erzähl doch mal, schreib es auf! Nur damit kein bedenklicher Stillstand droht…. (fst)
Artikel in der EZ: https://www.shz.de/nachrichten/lokales/eckernfoerder-zeitung/artikeldetails/article//ein-roman-ueber-die-punk-jugend.html

Winter-Freiluft-Photo-Ausstellung-Eröffnung

Am 11.12. 2011 um 12 Uhr geht es los:

HofART, die Hinterhof Galerie in Eckernförde präsentiert die 2. Open-Air-Ausstellung.


Sankt – Nicolai- Strasse 

historische und ganz moderne Photos, in Zusammenarbeit von fognin und dem Archiv Willie Euler – Altes Eckernförde









Die Ausstellung ist durchgehend geöffnet, jeden Tag. Viel Spass! 


Drei Mal Abschied im Künstlerhaus

26. JULI 2011

Drei Mal Abschied im Künstlerhaus

Drei Mal Abschied

Ein Stipendium prägt. Den Künstler der drei Monate im Künstlerhaus in der Ottestr. auf Einladung des Landes Schleswig-Holstein verbringen konnte und auch die Stadt, in der der Künstler gewirkt hat. Megumi Fukuda zeigte die Wirksamkeit gleich dreifach. Entsprechend den Gepflogenheiten des Künstlerhauses zeigte sie am Ende ihres Stipendiums womit sie ich in der Ostseestadt beschäftigt hat. Drei Facetten ihres Aufenthaltes präsentierte die zierliche Japanerin an drei Terminen. Am Freitag stand das Meer, oder eher das Salz aus der Ostsee im Zentrum. Die aus Hiroschima stammende Künstlerin, deren Studien sie aus ihrer japanischen Heimat nach Hannover und Berlin führten, stellte dieses Ausstellung unter den Titel: „Triften von Meer zu Meer“.

Eine Woche lang destillierte sie jeden Tag aus drei Liter Meerwasser das Salz hinaus. Spannend zu sehen, wie in den sieben Tütchen vollkommen verschiedenfarbige und in der Konsistenz unterschiedliche Körner lagerten. Die Traditionen und Fertigkeiten ihrer japanischen Heimat aufgreifend benutzte sie das Ostseesalz um zu gestalten. Mit vielfältigen funkelnden Kristallen überzogen hing ein kleines Buch von der Decke. „Die Erhaltung der Welt“ hatte sie in Origamitechnik gefaltet und zehn Tage in eine Salzlösung eingelegt.

Ein weiteres Buch (über Schleswig-Holsteins Städte) lag als vielfach befaltete Plastik aus und zeigte wie gebundenes bedrucktes Papier ohne jegliche Zerstörung sich wandeln kann.  Weitere Salzwerke präsentierte die in Berlin residierende Künstlerin im Rahmen eines aufgebauten Labors. Eine Rose, die ihr in Eckernförde geschenkt wurde, war in Salz konserviert, weitere Gegenstände aus ihrem Eckernförder Alltag waren zu bizarren, funkelnden Kunstwerken mutiert.

Den Brückenschlag zu der zweiten Ausstellung mit verlassenen Besitztümern, der am Samstag stattfand, stellte Sven Wlassack in seiner Einführungsrede her: „Strandgut ist ertrunkener Sperrmüll“. Megumi Fukuda hatte in ihrer ersten Zeit in der Ostseestadt vielerlei Gegenstände gesammelt, die sie jetzt als Geschenk an die Ausstellungsbesucher anbot. Schüsselchen, Vasen, Blumentöpfe mit Wildwuchs aus dem Garten des Künstlerhauses, Spiegel und wunderliche Weihnachtsdekoration waren zu einer bizarren Skulpturenausstellung im Flur des Hauses aufgebaut. Getragen war diese bunte Ansammlung von einer Beobachtung die die Künstlerin in Berlin gemacht hatte. Verlassenschaften waren in einer grossen Kiste am Strassenrand aufgestellt und mit einem „zu verschenken“-Schild gekennzeichnet. Nicht wegzuwerfen, sonder weitergeben – diesen Gedanken war sie in ihrer japanischen Heimat nicht begegnet. „So bekommt man Erinnerungen anderer Leute geschenkt“ erklärte die Künstlerin ihre Faszination. Bald waren, wie bei grösseren Ausstellungen üblich, viele der ausgestellten Werke mit aufgeklebten roten Punkten als bereits vergeben gekennzeichnet.

Den letzten Teil der kreativen Trilogie widmete Megumi Fukuda am Sonntag in ihrem Atelier dem Thema Fisch. Eckernförder Fische begegneten der japanischen Küche  und die Besucher durften diesmal ihren Geschmackssinn aktivieren. Ein sehr feinsinniger und vielfältiger Abschied aus Eckernförde, der Traditionen zweier sehr unterschiedlichen Gegenden mit Kunst und Humor in gekonnter Weise verband. Tschüss Megumi Fukuda, wir werden dich vermissen! (fst)

Hofart in der EZ

Hinterhöfe im Allgemeinen verfügen über einen verschwiegenen und eigentümlichen Charme. Sie entfalten diesen Charme besonders dann, wenn sie unvermutet in der Innenstadt Eckernfördes beim Schlendern durch die Nicolaistraße etwa, entdeckt werden. Genauer: In der St.-Nicolai-Str. 7A, fast neben Café Heldt, gibt es eine Fotoausstellung mit Motiven der Ostseestadt, die mit dem originellen Hinterhofcharme korrespondieren. „Hof Art“ nennt Fognin seine Bildergalerie, die bei schönem Wetter für alle Besucher geöffnet ist.

In der kleinen Ateliergalerie werden die Motive auf verschiedenen Materialien (AluDiBond, Kunststoff, Metalle) mit überraschender Tiefen- und intensiver Farbwirkung präsentiert. Fognin, der die gezeigten Motive in den letzten fünf Jahren in und um Eckernförde fotografierte, bietet sie auch als Postkarten an, die über die Händler in Eckernfördes Innenstadt zu erwerben sind.

„Die Künstlerstadt Eckernförde, die als solche immer noch zu wenig ins Bewusstsein der Besucher gerückt wird, hat mit meiner kleinen Ausstellung hoffentlich einen Akzentpunkt mehr aufzuweisen“, hofft der Künstler, der an dem Konzept zu dieser Präsentation über ein Jahr gefeilt hat. www.mmeck.de/fogart 

EZ am 25.5.2011

Eckernförde hat Schlagsaite

Fünf junge Kerle stehen auf der Bühne und klampfen, singen, fiedeln. Und der ehrwürdige Raum der Siegfriedwerft tobt und tanzt, wippt mit und alles swingt. Die Fünf nennen sich Schlagsaite, kommen aus Köln und sind bis oben hin mit melodischen Liedern, witzigen Texten und fröhlichen ansteckenden Melodien gefüllt, die sie grosszügig und gutgelaunt über ihr Publikum ausgiessen. Folk- Chanson- und Liedermacherformation, so nennen sie ihren genialen Stilmix, der in die Beine geht ohne den Kopf zu vernachlässigen. Viele eigene Texte, oder auch Vertonungen von den kritischen Nachkriegspoeten wie Erich Kästner, Ringelnatz und Borchert sorgen für Substanz, dazu Melodien und Rhythmen die vom Folk ausgehend, keine Näherungsängste mit anderen berührenden Musikrichtungen haben. Neben der deutschen sind auch weitere Sprachen zu hören, selbst russisch kommt hitverdächtig flott rüber. Ohne Pause und ohne Noten wird in alter Waldecktradition stehend musiziert und gesungen, mit witzigen und spontanen Ansagen.
 

Per Publikumsakklamation wurde die 18jährige Svenja Funke zur besten Tänzerin gekürt und bekam die neue CD „und was kommt nun“ von Schlagsaite geschenkt. Sichtlich glücklich tanzte die Schülerin danach noch ausgelassener.

Die Musiker touren derzeit durch Norddeutschland, haben bereits erfolgreiche Auftritte in Hamburg, Kappeln und Flensburg (mit dem Eckernförder Duo Caldera) absolviert, bevor sie in Eckernförde zeigen konnten, dass sie nicht nur junge Leute zu begeistern vermögen.

 

Spontan holten die Band die hafenmusic Organisatorin Sigi Siemsen auf die Bühne, zusammen wurde eine besonders fetzige Version von „bei mir biste Scheen“ gesungen und gespielt. Nachvollziehbar auch das Gefühl. das in dem Song „Berlin 24/7“ zum Ausdruck kommt: Von der kleineren Stadt in die grosse Hauptstadt gekommen und äusserst irritiert: Wann soll man gehen, wenn die Kneipe rund um die Uhr geöffnet ist?

Die Mischung aus zwei Gitarren, e-Klavier, Geige, Kontrabass und Akkordeon und dem Gesang aller Bandmitglieder ist ein Erfolgsrezept, dass sich hinter den 17 Hippies nicht zu verstecken braucht.

Für Eckernförde bleibt nach diesem sehr lebendigen und erlebnisreichen Konzert nur die Frage: Gibt es hier eine grössere Bühne um ein zahlreicheres und alle Altersstufen umfassendes Publikum zu begeistern? Vielleicht ein Tipp für die grossen Hafenveranstaltungen im Eckernförder Sommer? (fst)

„Gaststar“ Sigie Siemsen

Daniel Hermes:Gesang, Gitarre;(hinten:) Dimitrie Miron:Geige; Simeon Miron:Kontrabass; Markus Breuer:Gesang, Gitarre; Markus Giesler:Akkordeon

fognin – der Katalog 1: „bewegtes Leben“

Bilder die mir etwas bedeuten.
Mein Katalog. Teil 1:
„bewegtes Leben“
Eurythmie
HDR3
Pentax K20
Marktplatz belebt
HDR10
Pentax K20
raus aus
HDR 3
Pentax K20
Waschtag
HDR
Leevke
HDR3
Pentax K2
Gruppe (fstb)
HDR3

EZ: Unterhaltsame Geschichtsvorlesung über angewandte Piraterie

angewandte Piraterie

Seit Jahrhunderten befährt der als „Magister der sieben Künste“ bekannte Pirat und „Likedeeler“ Magister Wigbold (*1365) die Weltmeere. Viel hat er erfahren und erlebt zusammen mit Klaus Störtebeker und Gödeke Michel. Am Sonnabend schwadronierte der als „listiger Zwerg“ gefürchtete Freibeuter im Haus an der Reeperbahn über seine Erfahrungen und dozierte über die Verwicklung des traditionellen Piratentums in der aktuellsten Politik.
„Habt ihr heute schon gemeuchelt?“ So wurde das Publikum im ausverkauften Kinosaal des Jugendzentrums begrüsst und wie es sich für einen gelehrten Dozenten und Doktore gehört mussten die Studenten Rede und und Antwort stehen. Detailliert beschrieb der kleine Freibeuter, in dessen staubigen Gewand sich die gewiefte Aktionsschauspielerin Gabriele Pahms verbarg, die geschichtlichen Vorkommnisse der Freibeuter zwischen Ost- und Westsee. Poltrig streng mit harschen ungeduldigen aufstampfen des knotigen Stockes wurde die Anwesenden examiniert und mit schelmischen Grinsen und einem triumphalen „Na also – geht doch“ für kluge Antworten belohnt.
Mit zur Mannschaft des umtriebigen Kapitäns gehörte die schöne Esmeralda (Cordula Thonett, Figurentheater im Kabuff) die verzückt die Augen verdrehte in Andenken an die schönen schwedischen Männern damals und der knarzige alte Pirat Alberich Grünhaar. Da Alberich als Handpuppe (oder vielleicht auch wegen seines wurmstichigen Holzbeines?) an seine Esmeralda gefesselt war, giftete er diese gerne mal an und verwickelte sie in gewohnheitsmäßige Kleinstreitgespräche. Was ihn aber nicht abhielt mit den hübschen Frauen im Publikum nebenbei noch zu flirten.
Der Pirat „Musicus“ mit wallenden Dreadlocks war auch mit an Land gekommen um mit Akkordeon und Gitarre für musikalische Stimmung zu sorgen. Aus dem Rathaus hatte er sich als Souvenir den „Bürokraten Maier“ mitgebracht, der für ihn das Schlagzeug zu spielen hatte. (Benjamin Schulte und Dominik Kessener vom Eckernförder „Duo Caldera“) Während die Mannschaft die fröhlichen Seiten des Piratenlebens in so eingängigen Liedern wie „… und ausserdem haben wir gute Laune“ hochleben liess, zeigte der gelehrte Magister auf, dass die traditionellen Piratentricks wie Bangemachen und Stillschweigen auch heute noch in der Politik bestens funktionieren. Ob Bankenkrise, Gesetze durch Lobyisten, Stuttgart 21, Atomverträge und Internetmacht – stets sind es die alten Piraten oder zumindest ihre bewährten Methoden mit denen das (Wahl)volk verscheissert und genasführt wird.
Nach dem das lebhaft mitgehende Publikum über diese wesentlichen Grundzüge uralter und hochaktueller Piraterie eingehenden unterrichtet worden war, akquirierte der beherzte Magister seine neue Mannschaft aus den Anwesenden. So mancher Besucher kam ins sinnieren: Wie wäre es die Seiten zu wechseln zu den direkt-demokratisch geführten Schiffen der Freibeutern, die ihre Beute gerecht und gleich teilen, die eine funktionieren Altersversorgung bieten und wild und frei leben?.
Gabriele Pahms und ihren Künstlerkollegen gelang es einen unterhaltsamen Abend zu gestalten, der bei allen Klamauk und Ulkereien auch geschichtlich informative Details offenbarte und gleichzeitig bestes politisches Kabarett bot, mit seinen manchmal etwas bitteren Pointen. Eine gelungene Show aus Eckernförde die sich als Exportartikel empfiehlt. (fst)

Werkstattgespräch mit Johanna Straub (Schriftstellerin) und Clemens Nachtmann (Komponist)

Zwei Künstler, die sich zurzeit als Stipendiaten im Künstlerhaus Eckernförde aufhalten, stellen sich der Öffentlichkeit einmal anders vor: statt einer konventionellen Lesung bzw. eines Konzertes wird es ein Werkstattgespräch geben, in das das Publikum von vornherein einbezogen sein soll. Es werden also nicht nur fertige Resultate in Form von Texten und Musikstücken präsentiert, sondern es soll anhand von ganzen Werken, Werkausschnitten und nicht zuletzt auch zugänglich gemachten Skizzenmaterialien der jeweilige künstlerische Prozess, der schließlich zum Werk führt und in ihm erlischt, herausgearbeitet und zur Diskussion gestellt werden – ein Einblick in die künstlerische „Werkstatt“ wird auf diese Weise ermöglicht.

Montag, 29.11.2010, 19 Uhr
Künstlerhaus Eckernförde, Ottestraße 1, Ausstellungsraum, Eintritt frei!

Composing/Writing – über Strategien künstlerischer Prozesse Werkstattgespräch mit Johanna Straub (Schriftstellerin) und Clemens Nachtmann (Komponist)
 

Falko und seine Stadt

Kennt ihn jemand nicht? „der weisse Fleck in Eckernförde, Falko Windhaus ist in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund“ wordspielte Bürgermeister Jörg Sibbel am Freitag Abend bei der Begrüssung zu der Ausstellung „Falko – Eckernförde 1985 -2010“ in der Galerie 66. Reichlich Publikum, Gratulanten und Freunde hatten sich auf dem BSIC zusammengefunden um den stadtbekannten Künstler zu ehren und seine umfangreiche Werkschau zu geniessen. 
Fast jeder der Besucher und der Laudatoren verbindet mit Falko Windhaus auch etwas persönliches. Dieses Zusammenspiel zwischen dem menschlich wirksamen Künstler und dem kreativen Menschen Falko lässt sich bis in seine Werke, Gemälde, Objekte, Fotografien, Raumgestaltungen, Kochevents und Feiern hinein verfolgen, zeigte Dr. Uta Kuhl (Landesmuseum Schloß Gottorf) in ihrer Einführung zur Ausstellung auf. 
Kenntnisreich wies die Museumspädagogin auf Analogien zwischen dem Eckernförder Umfeld und den Spiegelungen in den Bildern des Malers hin. Am bekanntesten dürften dabei seine Stuhlreihen sein. Stühle die sich unterhalten, die Geschichten erzählen und menschliche Verhaltensweisen annehmen und sich in verschiedenen Umfelder einfügen. Genau so populär und vielschichtig, die grosse Serie der Drahtseilakte – Balancen in den unterschiedlichsten Situationen und Lebensumständen in künstlerischer Vollendung dargestellt. Aber weit über die bekannten Serien, zu denen die roten Häusern natürlich auch gehören, geht das gestalterisch Sichtbare von Falko Windhaus hinaus. Gerade in letzter Zeit sind Plastiken, Collagen, Fotografie und weitere unterschiedlichste freie Arbeiten dazugekommen. 
Falko, der es überhaupt nicht schätzt wenn man seine Person in den Vordergrund schiebt, verweist dabei nur zu gerne auf seine Werke die ihn biographisch vertreten sollen. Natürlich ist er als Restaurator und Student zweier Kunstschulen bestens ausgebildet, selbstverständlich gehören die vielfachen Tätigkeiten als Galerist, Kurator und Veranstalter zu seinem biografischen Rüstzeug. Aber tatsächlich lässt sich die vielfache Persönlichkeit eher über seine Werke aufschlüsseln, als über eine längere Abhandlung. Seine Freude, gerade jüngere Menschen in kreative Gestaltung zu begleiten, betonte Prof. Peter Jochimsen in seiner kurzen Rede, aber es zeigt sich auch in Bildern, die er zusammen mit chinesischen Kindern gemalt hat. Sein Eintauchen in fremde Kulturkreise wie China und Russland lässt sich in einigen seiner neueren Plastiken lebendig miterleben. Jeder biographische Punkt, lässt sich so auch anschaulich künstlerisch erleben.
Eigentlich ist Falko in Eckernförde nur ein Kreativer unter erstaunlichen vielen. Aber 25 Jahre Eckernförde haben nicht nur Falko geprägt, auch „seine“ Stadt hat er vielfältig verändert. Ohne Reden, ohne viele Worte und mit bestimmter Zurückhaltung was seine Person angeht, aber kreativ und kommunikativ über seine Werke und und beredten Taten. Eine umfassend gute Gelegenheit auf den Erlebnispfad Falko / Eckernförde zu gelangen bietet die weitgefächerte Ausstellung in der Galerie 66 im Baltic Sea International Campus (BSIC) noch bis zum 15. Januar 2011, jeweils Montags bis Freitags von 11-18 Uhr. Und für den, der bildhafte Kommunikation mit gebildeter Kommunikation krönen möchte: Der Künstler ist anwesend. (Markus Feuerstack)

Kommentar: Kürzungen „Neue Musik“ Eckernförde

Kommentar „Der Prophet im eigenen Land…“

geschrieben für die EZ (unveröffentlicht)

Die Musikreihe „Neue Musik“ kommt in das zehnte Jahr ihres Bestehens in Eckernförde. Stetig steigende Zuhörerzahlen zeigen ihren Erfolg auf lokaler Ebene, auch wenn etliche Besucher aus dem schleswig-holsteiner Umland anreisen. Bedeutender für die Stadt ist die internationale Wirkung: „Uraufgeführt in Eckernförde“ ist immer wieder in den Werksbiographien bedeutender zeitgenössischer Komponisten zu lesen. Bekannte Ensembles aus aller Welt schauen sehnsüchtig in unsere Stadt als Aufführungsort mit lebhafter Publikumsbeteiligung. Beatrix Wagner und Gerald Eckert gelang es in zehn Jahren zu beweisen, das moderne, anspruchsvolle Musikaufführungen nicht an die klassischen Metropolen gebunden sind.
Umso seltsamer ist es wenn nun durch den anstehenden Sparhaushalt genau diese Musikreihe überproportional gekürzt werden soll. Haushaltssanierung auf Kosten einer Veranstaltungsreihe die den Namen der Stadt in alle Welt trägt, ist marketingmässig eine Niete – kulturell eine Katastrophe. Verständlich, wenn die Zuständigen in Politik und Verwaltung aus Zeitmangel oder Desinteresse keinen Zugang zu dieser Kunstrichtung finden. Unverständlich, wenn sie ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal ausradieren und damit den Ruf der Stadt nachhaltig schädigen. Noch ist Eckernförde kulturell mehr als Provinz – nicht zuletzt wegen des Lärms den die beiden rührigen Musiker werbewirksam in die ganze Welt blasen.(Markus Feuerstack)

 

Ende der Welten – ausdrucksstark erlebt (EZ)

Ende der Welten – ausdrucksstark erlebt

Es gab viel zu feiern. Und es wurde grossartig gefeiert. Lautstark, zart, lang und mit qualitativ besten Inhalten. Am Freitag Abend zelebrierte die renommierte Eckernförder Reihe „Neue Musik“ ein einzigartiges Konzert. Gerald Eckert, der in Eckernförde lebende Komponist mit internationaler Ausstrahlung, wird dieser Tage (*27.12.1960) 50 Jahre alt, die Musikreihe beginnt ihr zehntes Jahr und eine erfolgreiche Saison von Konzerten erlebte ihr Abschlusskonzert.

„Fin des terres“ so der Titel dieses in drei Einheiten gegliederten Abends, bot ein umfassendes und mit zahlreichen Instrumenten besetztes Programm. Das in flexibler Besetzung agierende „esemble reflexion K“ bot allein elf Musiker auf, dazu kam das Schlagzeugduo „Eardrum“. Die musikalische Leitung und der künstlerische Fokus wurde von Gerald Eckert bestimmt, der mit dem inkl. Pausen dreistündigen Programm ausführlich gewürdigt wurde. Nicht nur eigene Werke des Komponisten wurden gespielt, auch ihn prägende Komponisten beleuchteten seinen musikalischen Werdegang. Morton Feldman (1916-1987), Gérard Grisey (1946-1998), Stefano Gervasoni (*1962, Italien) und natürlich Nicolaus A. Huber (*1939) repräsentierten dieses Umfeld. Von Gerald Eckert wurden in grosser Besetzung „Studie über Nelly Sachs“ (2008), „Bruchstücke… erstarrtes Lot“ (1999) und das für diesen Abend namensgebende „offen – fin des terres“ (2002) aufgeführt.

 

Der erste Teil des dreigegliederten Abend bestimmten drei Schlagzeugduos. Die zahlreichen Zuhörer in der St.-Nicolai-Kirche erlebten zwei mit vielerlei Klanginstrumenten ausgestattete Schlagzeuge, die optisch und akustisch raumergreifend operierten. „Void“ von Gerald Eckert war mit ca. 30 Minuten der längste Titel des Abends. „Geformte Stille“ und „Nachspüren“ sind Begriffe mit denen der Komponist dieses imponierende Werk charakterisiert.

Beindruckend auch die weiteren Werke von Gerald Eckert, besonders da sie mit grössere Besetzung zur Aufführung kommen konnten. „Studie über Nelly Sachs“ von 2008 für Sopran und Ensemble, beschäftigte sich mit Teilen, Partikeln, die unerbittlich ablaufen. Das Stück eröffnet einen Klangraum der es den Zuhörern ermöglicht den Stimmungsanteil der Dichtung von Nelly Sachs wiederzufinden und zu sich selbst in Bezug zu setzen.

 

„Bruchstücke… erstarrtes Lot“ von 1999 und „offen – fin des terres“ (2002) sind zwei weitere bedeutende Kompositionen die einen tiefen Einblick in das Werk von Gerald Eckert ermöglichten. Bei dem letzt genannten Stück wurde durch die Verwendung von gleich zwei Zuspieltonbändern Eckerts feinfühliger Umgang mit dem Raumklang deutlich. Durch musikalische Elemente, feinste Töne, die fast unter die Hörgrenze gehen, zwingt er das Publikum in einen sehr lebendigen Klang- und Erlebnisprozess hinein. Vielleicht sind es gerade Eckerts Werke die die ungewöhnlich zahlreiche Teilnahme der Zuhörer an dieser besonderen Musikrichtung in Eckernförde ermöglichen. Jedenfalls feierten die anwesenden Zuhörer „ihren Komponisten“ und die vielen Ausnahmemusiker durchgehend mit langanhaltenden Beifall. Es war – wieder einmal – ein grandioses Konzert und ein spannendes Portrait über den Künstler Gerald Eckert. (fst)

Ausstellung: Falko ab 19.11

Ausstellung
FALKO
Eckernförde 1985-2010

Wir laden Sie ein, mit uns die Ausstellung am
Freitag 19. November 2010
20 Uhr zu eröffnen
Begrüßung:
Jörg Sibbel
Bürgermeister Eckernförde
Prof. Dr. P. Jochimsen
Kuratoriumsvorsitzender P. Jochimsen Stiftung
Einführung:
Dr. Uta Kuhl
Landesmuseum Schloß Gottdorf

contemporary international art
Lorenz-von-Stein-Ring 1-5 24340 Eckernförde 04351-667650
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11.00-18.00 Uhr Sa-So nach Vereinbarung


Ausstellung „Fliegepapiere“ in der Galerie 66

Papier ist Kunst – Erwin Dooses Ausstellung „Fliegepapiere“ in der Galerie 66

Ein Leben für Papier

Erwin Doose und Katherine Houghton
Erwin Doose ist unter den zahlreichen Eckernförder Künstlerpersönlichkeiten eine stille, schwer zuzuordnende Grösse. In der Galerie 66 auf dem BSI-Campus wurde am Freitag eine umfassende Werkschau eröffnet. Begrüsst wurden die Besucher von Uwe Döring (Minister a.D.) und dem Musiker Martin Mech auf seinen Didgeridoos. In das Leben und Werk des eigenwilligen Künstler führte Katherine Houghton charmant und lebendig ein. Sie lies den Lebenslauf des Künstler Revue passieren. Doose, der 1942 in Danzig-Olivia geboren wurde, begann mit einer bodenständigen Ausbildung als Buchbinder. Die monotonen Seiten dieses Berufes lernte er über acht Jahre in einem Industriebetrieb kennen, in dem er als Papierschneider unter anderem am grossen Brockhaus mitarbeitete. Eigentlich wollte er die kreativen Seiten seines Berufes als künstlerischer Bucheinbinder in der Muthesius Hochschule in Kiel vertiefen, aber er wechselte schnell zur Bilderhauerei über. Zeichnen und porträtierendes Plastizieren waren Schwerpunkteseiner Tätigkeit. 14 Jahre arbeitete er als Lehrbeauftragter an der Kunstschule. Seit dem ziert eine geradezu unendliche Liste von Ausstellungen, Stipendien und Kunstpreisen seine künstlerische Biographie.

Erwin Doose, Ulrike Piekenbrink, Galerist Falko Windhaus, Martin Mech (Musiker Didgeridoo)
Seinen beruflichen handwerklichen Wurzeln blieb er auch als gefeierter Künstler stets eng verbunden. Sein charaktervoller Satz: „Ich rette Papier, so gut es dies will“ ist zum lebenslangen Programm geworden. Wobei die Werkzeuge, die in der Papierverarbeitung genauso wie in der Bildhauerei wesentlich sind, zu seinen Materialkanon dazu gehören. Ihn reizt dabei nicht das jungfräulich neue Material, sein liebevolle Hinwendung gilt Schleifscheiben, Papiere usw. die ihre Geschichte bereits gelebt haben, die dem Verderben anheim gestellt sind und die er zur Kunst errettet – die in den Augen und Seelen der Betrachter eine kleine Ewigkeit weiter existieren dürfen.

Die Ausstellung „Fliegepapiere“ zeigt ein umfassendes Werk an Plastiken, Reliefbildern, Collagen und Malereien – eine meditative Erlebnislandschaft die erfahren, erschaut werden will. Manchmal erzählen die Werke ihre Geschichte. Dem Aufmerksamen gelingt es zu erschauen aus welchen früheren Zustand das Material metamorphosiert wurde. Bei andern Werken beginnt die Geschichte des Auserlesenen neu – die künstlerische Gestaltung dominiert als fertiges Werk. Es wird Erwin Dooses künstlerische Bedeutung nicht gerecht, ihn nur auf seine Materialien zu reduzieren. So herausragend sein Umgang mit diesen ist, so bedeutend aber auch die Gestaltung an sich. Der (vorläufige) Endpunkt einer Geschichte ist eindeutig ein Neuanfang, eine Geburt einer neuen Geschichte, die der Kunstfreund nicht nur für sich erobern kann, sondern als Käufer im neuen Umfeld wieder weiter beleben kann. (Markus Feuerstack)

Erwin Doose „Fliegepapiere“
Galerie 66 im Baltic Sea International Campus
Lorenz von SteinRing 1-5
24340 Eckernförde
Mo-Fr 11-18 Uhr Wochenende nach Vereinbarung
04351- 667650

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Musik ungewöhnlich

  Neue Musik ungewöhnlich

Selbst bei der künstlerischen Avantgarde gibt es Alltag. Diesen zu durchbrechen braucht es ungewöhnlichen Aufwand. Das Konzert „Samen.Sprungfedern /colurs IV“ zeigte eine solche Grenzverletzung. Zum heimischen ensemble reflexion K in der Besetzung Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Dirigat) und Johannes Fischer (Schlagzeug), gesellten sich Astrid Schmeling (Flöten) und Matthias Kaul (Schlagzeug) vom Ensemble l´art pour l´art. Dazu kamen als Gäste noch Nari Hong und Martina Roth (beide Flöten). Insgesamt also vier Flötistinnen, die teilweise auf zehn Instrumenten spielten, und zwei Schlagzeuge. Ungewöhnliche Besetzung – noch ungewöhnlicheres Programm.

 

Die Biographie des koreanisch-deutschen Komponisten Isang Yun liest sich wie ein Roman. Vielfach von den politischen Bitternissen seiner Zeit (er lebte von 1917-1995) persönlich betroffen, wechselte er 1971 endgültig von seinem geteilten Geburtsland in das genauso geteilte Deutschland. Hier gelang es ihm, internationale Akzente als Komponist zu setzen. Sein „Quartett“ für vier Flöten (eigentlich zehn!) wurde zum furiosen, gelegentlich schmerzhaften Auftakt des Konzertes in der St.-Nicolai-Kirche.Der österreichische Komponist Klaus Lang ist bereits 2008 in Eckernförde aufgeführt worden. Sein Werk von 2001 „Der fette Hirte und das weiße Kaninchen“ forderte die Ohren der Zuhörer. Zarte Töne von zwei Flöten und zwei Schlagwerken ließen sich mit menschlichen Atem assoziieren und kontrastierten so deutlich zum vorangegangenen Werk.

Als Raumklanginstallation mit außergewöhnlichem Aufbau, seltsamen Tönen und viel Spass kam das Werk „Vacuum Ritual II“ von Matthias Kaul zur Aufführung. Vier Flöten stehen als Instrumentenangabe im Programmheft. Tatsächlich spielten die Musikerinnen auch auf verschiedenartigste Weise – trompetenähnlich, singend, klopfend – auf Einzelteilen ihrer Instrumente. Die Klangvariationen, die hierbei erzeugt wurden, waren schier unerschöpflich. Diesem ungewöhnlichen Klanggeschehen gesellten sich vier elektronisch geregelte Staubsauger hinzu. Aus den infernal klingenden Reinigungsmaschinen, die für mich zumindest, stets mit ungemütlicher, nervender Atmosphäre verbunden waren, wurden fast kultische Klangerzeuger, die den umgebenden Kirchenraum zum Vibrieren brachten. Ungewöhnliche Klänge allenthalben, mit viel Spaß und Augenschmaus.

Die zwei Schlagzeuger hatten ihren großen Auftritt in dem nur durch Regieanweisungen eingeschränkten Improvisationswerk „Edges“ (1968) des Amerikaners Christian Wolf (*1934). Optisch, klanglich und spielerisch – ein gelungener Entspannungsmoment in diesem breitgefächerten Konzertprogramm.

Eckernfördes großer Komponist Gerald Eckert gibt sich stets seriös, so auch in „absence – traces éloignées“ (2007) für vier Piccoloflöten und zwei Schlagzeuger. Das Werk baut ein energiegeladenes Spannungsfeld zwischen den unterschiedlich agierenden Hochtönen der kleinen Flöten und den teilweise sehr tiefen und dramatischen Tönen der reichlich bestückten Schlagzeuge auf. Mit diesen, in seinem Dynamikumfang für Eckert eher ungewöhnlichen Werk fand der sowohl musikalisch als auch optisch ungewöhnliche Abend mit Neuer Musik seinen angemessenen Höhepunkt.

Das nächste Konzert der Reihe Neue Musik findet am 12. November um 19 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche statt. Das Duo eardrum und das ensemble reflexion K werden anläßlich Gerald Eckerts 50. Geburtstag Werke von Nicolaus A. Huber, Gérald Grisey, Stefano Gervasoni und natürlich Gerald Eckert zur Aufführung bringen. Von diesem wird es auch einige noch nie in Eckernförde gespielte Werke zu hören geben. (Markus Feuerstack)

Magister Wiegbolds informatives Piraten Theater

Magister Wiegbold – zum mieten!:
näheres: Frau Pamms: 04351 998946

Magister Wiegbold macht Theater

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näheres: Frau Pamms: 04351 998946

SHKH Eckernförde / otte1

26. AUGUST 2010

Dreierlei Künste in einem Haus

Eckernförde und Künstler. Eine beliebte Kombination. Nicht nur die vielen Kreativen die im Umfeld der Ostseestadt leben setzen bunte Akzente, auch das international sehr beliebte Künstlerhaus wirkt als Magnet. Die Landesregierung lobt jährlich mehrmonatige Stipendien aus, die für alle Kunstgattungen gelten. Damit die Künstler nicht ganz unvorbereitet die Stadt und ihr neues Domizil erkunden müssen, lädt der betreuende Künstlerhaus e.V. interessierte Menschen ein, mit ihnen die neuen angekommenen Kreativen Willkommen zu heissen. Derzeit sind drei neue Mitbewohner in der Ottestr. eingezogen. Akos Doma, (Literatur), Gordon Kampe (Musik) und Takashi Mitsui (Bild.Kunst) können zwischen zwei und drei Monaten die Stadt erkunden und sich zu neuen Werken inspirieren lassen.

Gordon Kampe ist zeitgenössischer Komponist und war auch schon bei dem Chiffren Festival zu hören. Er studierte u.a. bei Nicolas A. Huber und arbeitet als Komponist, Kirchenmusiker und Lehrbeauftragter der Folkwangschule in Essen. In Eckernförde wird er zwei Kompositionen beenden, für die er Aufträge erhalten hat.

Der in Ungarn geborene und in England und Deutschland aufgewachsene Schriftsteller Akos Dorma lebt in Bayern und schreibt seine Romane in deutscher Sprache. Nachdem bereits 2001 sein Roman „der Müßiggänger“ erschienen ist, redigiert er in Eckernförde sein neustes Werk, das unter dem Arbeitstitel „der Kaputtmacher“ für nächstes Jahr zu Publikation vorgesehen ist. Dorma arbeitet darüber hinaus als Übersetzer und langjährig auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität.

Der aus Japan stammende bildende Künstler Takashi Mitsui hat in Tokyo, Mainz und Düsseldorf studiert und lebt in Köln. Der freischaffende Künstler arbeitet in dem Bereich Installationen, zu denen er gefundene Materialien, Licht, Klänge und Videos benutzt. Er hat bereits viele Stipendien, hauptsächlich in Skandinavien zur Unterstützung seiner Arbeit erhalten. Den norddeutschen Arbeitsaufenthalt will er besonders nutzen, um in Schloß Gottorf Recherchen über die Steinzeit zu betreiben, die in seine nächsten Arbeiten einfliessen sollen. (fst)

Termine und Infos Gordon Kampe: 14.09.2010, ab 21.05h im Deutschlandfunk

Ripley-Musik V für Bassklarinette, Violoncello und Klavier
Gassenhauermaschinensuite für Klarinette, Akkordeon, Schlagzeug,
Violoncello, Klavier und Zuspielungen

Internet: www.gordonkampe.de

Akos Doma, Der Müßiggänger, Rotbuch, Hamburg, 2001
Akos Doma, Die Kaputtmacher, ersch. Feb. 2011, Rotbuch, Hamburg
Samstag, 18. September 2010 um 16:00 Uhr Kiel, Literaturhaus Schleswig-Holstein Gespräch mit dem ungarischen Schriftsteller Akos Doma
Künstlerhaus e.V. www.shkh.de oder Sven Wlassack 04351/710170

Kleine Besetzung – grosses Konzert

Kleine Besetzung grosses Konzert

Einer der vielen spannenden Momente der Musikreihe „Neue Musik“ ist die sich wandelnde Besetzung des gastgebenden „Ensembles Reflexion K“. Mal in grossem Umfang mit vielen Musikern aus der umfangreichen Stammbesetzung, oder auch sehr bescheiden als Trio kommt diese Gruppe aus dem Bereich der zeitgenössischen Musik daher. Am Sonnabend hatte die Eckernförder Flötistin Beatrix Wagner, Organisatorin und Herz der Formation, ganze zwei Musiker mitgebracht. Zum bekannten Stamm gehört die Harfenistin Eva Curth (Ignatjeva), deren furioses Spiel bei uns schon viel Anklang finden konnte. Erstmalig dabei war der Bratschist Nikolaus Schlierf (*1969). Der Hans-Eisler-Preisträger für Neue Musik brachte ein aufsehen erregendes Doppelsolo mit: Walter Zimmermanns (*1949) „Taula und Novo Ben“ von 2003 sieht zur Viola obligaten Gesang vor – vom selben Musiker und gleichzeitig. Erstaunlich wie Schlierf mit beeindruckender Kopfstimme ein gewaltiges Klangspektrum entfaltete und den Kirchenraum mit seinen Tönen zu füllen vermochte. Das Publikum feierte dieses Können mit anhaltendem Applaus.

Ein weiteres Solo an diesem Abend kombinierte ebenfalls Gesang mit einem Instrument. Bei dem Werk „Especially …“ das Dennis Eberhard (1943-2005) 1983 komponierte sang Eva Curth in ihre Harfe und zeigte einige weitere Klangentfaltungsmöglichkeiten dieses ans sich schon sehr vielseitigen Instruments.

Mehre Triokompositionen für Flöte, Harfe und Viola belichteten ein ungewöhnliches Klangspektrum von Instrumenten, die in dieser Zusammenstellung zum ersten Mal bei Claude Debussy zu finden sind. Das als rhythmische Studien beschriebene Werk von Johannes Schöllhorn (*1962) „under ones´s breath“ von 1996 nimmt in der Form Bezug auf Debussy, inhaltlich kommt durch teilweise ungewöhnliche Spieltechniken ein sehr modernes Bild zum Erleben.

Die Finnin Kaija Saariaho (*1952) lebt in Paris und gab mit ihrer Komposition von 1996 den einen Teil des Konzert-Mottos „new gates“ vor. Inhaltlich aber auch den zweiten Teil des Mottos „colours“ – wenn man es als „farbige Stimmungen“ übersetzen möchte. Ihr Werk, aber auch „Als eine Aussicht weit“ (1996) von Nicolaus A. Huber (*1939) und die anderen Kompositionen des Abends, zeigten auf, wie zeitgenössische Musik, genauso wie die Musik vergangener Epochen, direkt emotional erlebt werden kann. Grandios gespielte Triostücke, die stets auf der Höhe der Zeit, erlebnismässig weite Bögen zu spannen vermögen. Ein tiefgehender Abend in der Nicolaikirche, der in Auswahl und Interpretation aufzeigte, wie in kleiner Besetzung ganz grosse Musik zum erleben gebracht werden kann.

Das nächste Konzert findet am 6.8 mit dem „ensembles voces berlin“, das zusammen mit dem „duo reflexion K“ Werke aus dem 12. Jahrhundert der Musik Gerald Eckerts gegenüberstellt, statt. (fst)

[fognin] EZ: Offenes Haus fetzt in voller Werft

Offenes Haus fetzt in voller Werft

Folk Baltica, das nordische Musikfestival starte dieses Jahr in Eckernförde mit einem fetzigen Konzert in der fast übervollen Siegfriedswerft. Fribo (norwegisch für „offenes Haus“), eine Fusion-Folk-Gruppe verbindet mit ihrer klangvollen melodischen bis sehr fetzigen Musik die Kulturen Schottlands und Sandinaviens. Im Mittelpunkt der Gruppe agiert die Sängerin und (Oberton-) Flötistin Anne Sofie Linge Valdal aus Westnorwegen, die jugendlich mit starker Stimme genauso zartfühlend agieren kann, wie sie mit hohen Tönen spielend den Raum füllt. Ebenfalls singend spielt der Gitarrist Ewan MacPherson auch Maultrommel. Er stammt aus Schottland und bringt den keltischen Einschlag mit seiner uralten Folktradition in die Gruppe. Aus Schweden stammt der Percussionist Magnus Lundmark, der dem Sound die differenziellen Spannungen verleiht. Für das Eckernförder Konzert ersetze Lauren MacColl die Geigerin Sarah-Jane Summers.

Fribo wurde ein Opfer der metallischen Vulkan Wolken: Die Anreise der Gruppe aus Schottland mit Auto und Fähren gestaltete sich mühsam, zumal nur eine Fahrerin für die ganze Strecke zur Verfügung stand. Von Müdigkeit war aber in der Siegfried Werft nichts zu bemerken. Ihre bemerkenswerte Mischung aus schottischen Traditonals, skandinavischen Tanzmelodien und gälischer Mouthmusic arbeite die gemeinsame Grundlage der europäischen Folkmusik bestens heraus.

Egal ob Tanzmelodien, die den eng sitzenden Zuhörern die Beine zucken liessen, oder unterhaltsame Balladen, die von wunderlichen Begebenheiten und Geschichten erzählten – stets war ein musikalischer Zusammenklang zu erleben, der nicht nur erfrischend und unterhaltsam war, sondern auch musikalisch mitreissend. Die 2003 gegründete Gruppe wird in den nächsten tagen noch auf weiteren Folkbaltica Spielstätten zu erleben sein (www.folkbaltica.de). In Eckernförde hat das Festival noch einen weiteren Höhepunkt zu verzeichnen: In der Galerie nemo des angesehenen internationalen Kurators Norbert Weber wird am Sonnabend, 24. April ab 17 Uhr, zeigt Evelina Deicmane unter dem Titel „Season Sorrow“ eine klangliche

Rauminstallation. Die Arbeit der Künstlerin war 2009 in dem von Weber kuratierten Pavillon Lettlands auf der Biennale in Venedigzu sehen und kann nun kostenlos in Eckernförde bis 11. Juni begutachtet werden. Am Abend um um 19 Uhr wird im Kommunalen Kino im HAUS an der Reeperbahn 28 der NDR-Naturfilm „Lettland – Wildnis zwischen Riga und Russland“ gezeigt. (fst)

Kulturflut bringt ansehen

Ein weiterer Beweis, dass Knst ist. Und die engültige Antwort auf die Frage nach der Notwendigkeit für Kultur(flut)
Mit Videomaterial von Pablo & Semjon
Stimmen von Keno (wie geil ist das denn?) und Pablo
und dem Titel von Justin (der wie immer nix weiss)
und natürlich viel onart/ig sound und mix von fognin

www.kulturflut.org
www.fognin.net

Das ist Knst! (für nen Euro)

Kunst! Ein komplettes Video erklärt die Welt, 
erklärt Kunst und Kultur. 
Ohne Worte, nur mit tiefgründigen Bildern und Krch. 
Und das alles für einen Euro und in zehn Minuten. 
Alles von fognin onarti/ig mit Material von Semjon

Video „Cordula, was machst Du da?“ 1-3

„Cordula, was machst Du da?“ 1-3
Porträt der Puppenspielerin Cordula Thonett  
 

Autor: Peter Kleinert, Marianne Tralau
Auftraggeber: Kanal 4

Produktionsjahr: 1991

1988 gründete Cordula Thonett, nachdem sie in Irland Puppenspielerin geworden war, in der Wohnungemeinschaft 50672 Köln, Palmstraße 19, das „Theater im Kabuff“ – das kleinste Theater in Köln. Nach ein paar Monaten schloß sich ihr Ingrid Eickelmann, ebenfalls WG-Bewohnerin, als Puppenspielerin an. In dem knapp 18 Quadratmeter kleinen Raum gab es – neben der Puppenbühne – Platz für maximal zehn zuschauende Kinder. Deren Eltern mußten, wenn genug Kinder kamen, in der WG-Küche warten und Kaffee trinken.

Der Titel der Sendung stammt von Felix, Cordulas 1990 zur Welt gebrachter Handpuppe, die später nicht nur Alkoholiker von ihrer Sucht zu heilen versuchte, sondern auch Moderator eines eigentlich ausgesprochen ernsthaften Gewerkschafter-Films für Trucker (Siehe: „Das glaubt uns keiner.“) werden sollte.

Als der Andrang immer größer wurde, zogen Cordula, Ingrid und Felix um – in einen etwas größeren Raum in der Kölner Niederichstraße. Sie wurden richtig erfolgreich. Warum? Das zeigt der Film. Inzwischen lebt Cordula in Eckernförde www.figurentheater-im.kabuff.de 






Kamera: Michael Karen, Peter Kleinert, Manfred Linke
Ton: Stephan Thonett, Marianne Tralau
Schnitt: Peter Kleinert
Grafik:  Stephan Thonett

Am Sonntag ist Ehrenamtsmesse, Eine Homage

Wider das Ehrenamt!

Eine Polemik

Anruf bei einem freien (sprich selbstständigen) Journalisten: Ober er einen Artikel schreiben könne, über eine Person des öffentlichen Lebens, ca. 10 Seiten, 5 Fotos….

„Ich schreibe nur für Geld“ so die vorsichtige Antwort des Schreiberlings. „Bei uns wird alles ehrenamtlich gemacht, sogar das Jahrbuch“ kommt der Konter des Gesprächspartners, der als ehemaliger Beamter eine nennenswerte Pension sein eigen nennt. „Aber es gibt eine Aufwandentschädigung“. Der Journalist überlegt: Kein Auftrag heisst auch keine Einnahmen. Die Zeiten sind mau, längst sind seine monatlichen Verdienste unter den Satz von Hartz IV gesunken. Jeden Monat aufs Neue heisst es Bangen, ob die Miete und der Strom bezahlt werden können. Klar versucht er zu verhandeln, das Angebot der Ehrenmenschen mit Amt lautete auf 200 Euro für 10 Seiten Text mit fünf Fotos. Und der Aufwand? Zwei Gesprächstermine a eineinhalb Stunden plus jeweils eine Stunde Vorbereitung, zehn Stunden Recherche, zwei Fototermine mit insgesamt fünf Stunden, Bildbearbeitung von ca. 60 Fotos zur Auswahl, pro Bild vorsichtig geschätzte 30 Minuten. Sind rund 50 Stunden. Geht auch schneller, aber nicht besser. Der Artikel ist dabei noch nicht geschrieben, die Bänder abtippen lassen kostet auch schon fast einen dreistelligen Betrag.

Ja, 200 Euro sind viel Geld. Fast die halbe Monatsmiete, wenn man den Strom und die anderen Fixkosten einrechnet eher ein Drittel. Wie die Kamera und die Computer bezahlt wurden, dürfte hier ja egal sein? Und womit man die Versicherungen und anderen Kosten leistet, die ein selbständig arbeitender Mensch von seinem Staat aufgebrummt bekommt wohl auch? Die Ehrenämtler sind der vollen Überzeugung, dass das was sie leisten mit ihrem Jahrbuch, ihrem Verein und ihren vielen hundert Stunden unentgeltlicher Arbeit eine Bereichung für die Menschheit ist. Ist es auch, auch ich blättere gerne in ihren Büchern. Doch da, wo diese Menschen, die fast alle einen besonders gesicherten finanziellen Hintergrund haben, andere beauftragen (oder muss man hier schon erpressen sagen? Nein so böse Begriffe gibt es in der heilen Welt der sozial tätigen nicht) für sie zu arbeiten, stimmt das Konzept nicht. Natürlich zahlt dieser Verein an (akademische) Vortragsredner bei Veranstaltungen die üblichen Honorare. Diese Menschen haben den Vorzug bei ihnen nicht Mitglied zu sein, einen festen Arbeitsplatz zu haben und überhaupt nicht erpressbar zu sein. Entweder es wird anständig gezahlt oder der Herr Doktor bleibt zu Hause.

Unser Journalist hat keine Auswahl. Er muss annehmen, egal wie viel Arbeit er für unter drei Euro die Stunde zu leisten hat. Da sein Name unter dem Artikel stehen wird, kann er sich auch nicht mit oberflächlicher und schlampiger Arbeit aus der Affäre ziehen. „Scheiss Kapitalismus!“? Neinja! Die sogen. „soziale“ Marktwirtschaft funktioniert mit dem Bild einer Vollbeschäftigung, in der gut versorgte Bürger in ihrer Freizeit sinnvolles für das Gemeinwohl leisten können und sollen. Leider haben sich die Zeiten geändert. Das Heer der Arbeitslosen, die mit Garantie nie wieder einen Job finden werden, ist Legion. Hartz IV Empfänger sind besser versklavt durch Bürokratie und Amputation ihrer Würde als die lebendige Ware auf antiken Märkten. Damals wie heute ist diese Unterdrückung und Ausbeutung streng im Rahmen des Gesetzes. Aber diejenigen die solche Gesetze machen singen das hohe Lied des Ehrenamtes: Sie sind nicht betroffen und werden es nie sein. Betroffen sind Kleinunternehmer und Angestellte, die auch wenn sie heute noch einen Job ihr Eigen nennen, morgen vielleicht schon die Seiten wechseln müssen. Und dann erst mal gezwungen werden ihre Ersparnisse, die sie für die Ausbildung der Kinder sich abgerungen haben, aufzufressen. Dann sind diese sogar froh, für drei Euro die Stunde arbeiten zu dürfen. Natürlich findet das bürgerliche, durch beamtung gesicherte Mittelfeld ihre Welt in Ordnung. Sie haben ja diese Politiker auch gewählt, werden es wieder tun und sind mit sich, ihrem Ehrenamt (für das vielleicht sogar mal einen Orden gibt!) vollkommen zufrieden. Das ist eine Ehre. Ist es auch eine Ehre für den (un)genannten Verein hungern zu dürfen?(fst

Gerhart Bettermann

Gerhard Bettermann

Bilder aus Eckernförde und dem Rest der Welt.
Einer der interessantesten Maler die in der norddeutschen Region wäre im Februar 100 Jahre alt geworden. Das Eckernförder Museum widmet Gerhart Bettermann eine Sonderausstellung und zeigt unter dem Motto „In Schwansen und der Welt zuhause“ spannende Teilaspekte des ungewöhnlichen Künstlers.
Gerhart Bettermann wurde am 23. Februar 1910 in Leipzig geboren, er absolvierte auf Druck seiner Eltern, die einer künstlerischen Laubahn ablehnend gegenüber standen, eine Schlosserlehre.
Bereits während der Ausbildung begab er sich auf umfangreiche Wanderungen. So als 1927 die sächsischen Metallarbeiter streikten und daraufhin ausgesperrt wurden, wanderte er mehre Wochen durch den Odenwald und am Rhein. Unterwegs zeichnete er um die Reise zu finanzieren. Heimlich hatte er zuvor im heimischen Leipzig bereis Zeichenunterricht genommen.
Weitere ausgedehnte Reise und Wanderungen sollten folgen, zumal er sich nach der Gesellenprüfung entschloss, die künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Ausgedehnte Reisen durch ganz Europa folgten in denen viele Skizzen entstanden, die er daheim in Holz- und Linolschnitten ausarbeite.
1929 schloß es sich der „Künstlergruppe der internationalen Bruderschaft derVagabunden“ an zusammen mit Gregor Gog, Hans Tombrock und Hans Bönnighausen, bis 1933 fanden über 30 Ausstellungen statt. .
Als Debütant beteiligte er sich an der 1. Großen Leipziger Kunstausstellung und erhielt für das Gemälde „Arbeitsloser in der Dachkammer“ den 1. Preis des Landes Sachsen.
Bei seinen ausgiebigen Wanderungen, die ihn bis nach Ägypten führten, interessiert er sich besonders auch für die sozialen Verhältnisse und er versucht, das Typische in Landschaftsbildern festzuhalten.
Da er befürchtete wegen seinen sozialkritischen Interessen und seiner mitgliedschaft in der „ASS“ (Association revolutionärer Kunstler Deutschlands) politisch verfolgt zu werden, siedelt er 1933 in den Norden Deutschlands um. 1934 kaufte er in Emers bei Winnemark eine Tagelöhnerkate und lebte von Gelegenheitsarbeiten, seit 1935 verheiratet mit der in Leipzig geborenen Malerin Glore Becker.*
Kriegsteilnahme und Gefangenschaft erzwangen ab 1945 einen Neubeginn. 1953 gründete er ein Künstlerhaus bei Winnemark an der Schlei. Ausgedehnte Reisen, oft mit Künstlerkollegen zusammen führten zu einer Vielzahl von Reisebildern.
1954 gründete Bettermann den Landesberufsverband der Bildenden Künstler in Schleswig-Holstein mit und war bis 1970 als dessen 1. Vorsitzender tätig. 1956 beteiligte er sich an der Gründung der „Gruppe 56“, welche regelmäßig Ausstellungen veranstaltete. 1992 verstarb Gerhart Bettermann 82jährig in seinem Malerhaus an der Schlei und erhielt auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin eine Seebestattung. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler Schleswig-Holsteins.
Zum hundertsten Geburtstag Gerhard Bettermanns ist die Eckernförde Ausstellung der Auftakt einer Kooperation mit dem Künstlermuseum Heikendorf und dem Kunsthaus Hänisch in Kappeln, die den „ganzen“ Bettermann mit verteilten Schwerpunkten vorstellen werden. Das Museum Eckernförde biete einen konzentrierten Blick auf den Landschaftsmaler Gerhart Bettermann, beginnend bei den Graphiken und Malereien seiner Ägypten- und Südosteuropareisen der 30er Jahre über die Italien- und Jugoslawienreisen der 50er und 60er Jahre bis hin zu den hiesigen Motiven der frühen 80er Jahre. (fst)
Museum Eckernförde
Laufzeit: 31. Januar bis 14. März 2010
Öffnungszeiten:
di – sa 14.30 – 17 Uhr, so 11 – 17 Uhr
Publikationen:
Zur Ausstellung erscheinen 2 Museumssammelblätter (je 0,50 Euro)
Begleitende Veranstaltungen:
Führungen am 11. Februar um 15.00 Uhr, am 4. März um 15.00 Uhr und am 14. März um 11.30 Uhr mit Dr. Uwe Beitz
* lt Museumsblatt mit Johanna Bauch.

fognin on art

fognin ist onartig

onart ( ø~宆) steht für „onanistische Kunst“. Kunst die nichts weiter will, als ihrem Schöpfer zu dienen. Also mir, wenn ich sie gestalte. „Kunst an und für mich“.

Ich glaube nicht an Publikum

Meine Erfahrungen mit Ausstellungen sind seltsame. Ich habe drei Einzelausstellungen gemacht, und mich an einigen Gemeinschaftsausstellungen beteiligt. (Als Photograph). Abgesehen, dass sich nur meine Bilder ausstellen lassen, alles andere Probleme bereitet, wenn es an die Wand soll, – was soll das Publikum mit meiner Kunst? Einigen gefällt einiges, anderen nicht. Schön: das ist nicht meine Sache. Weiterhelfen kann mir ein Urteil nicht, jedenfalls nicht von Menschen, die sich selber aussuchen. Interessante Kritiker, an deren Urteil mir etwas liegt, laufen mir nicht zu. Ich muss sie suchen und fragen. Anstrengende Sache, die sich meist lohnt.

Die Bilder (bleiben wir mal beim Photographen, das ist einfacher) die ich mache, verkaufen sich nicht. Einmal habe ich es ernsthaft versucht. Abgesehen davon, dass ich Probleme habe, wenn andere an meinen Werken mehr verdienen als ich, letztlich kann ich mit den Einnahmen kaum die Materialkosten decken, schon gar nicht die benötigte Technik. Für mich lohnen sich Ausstellungen mit Bilder an den Wänden nicht,- warum soll ich daran teilnehmen?

Soll ich jetzt nur im „stillen Kämmerlein“ werkeln? Nein! Gerne stell ich da, wo meine Kosten gering sind (Internet, an meinen eigenen Wänden, etc.) aus. Wen es erfreut, der soll sich freuen. Wer Geschäfte machen will, kann das gerne auch – wenn ich zustimme.

Wichtig ist für mich, das die künstlerische Entwicklung voran geht. Da ich keine Auftraggeber habe und kaum Kritiker, muss ich meine Ziele in mir finden. Ich arbeite hart daran. Und ich glaube zwar nicht an Publikum, aber ich glaube daran:

Kunst entwickelt die Welt.

Sozial, ästhetisch und auf vielen Ebenen. Am wenigsten dort, wo es sich materiell ausbildet. Viele Kollegen arbeiten mit ihren kreativen Fähigkeiten – sagen wir es ganz naiv – an einer besseren Welt. Je weniger diese Mitgestalter Rücksichten nehmen müssen, um so konsequenter können ihre Werke werden. Gut für sie. Gut für mich, denn ihnen verdanke ich meine Schulung.

Ein Netzwerk für sich selbstverpflichtete Kunst

Kreative Werke, die aus dem kompromisslosen Bemühen um Entwicklung entstehen, haben es sicher materiell schwerer, als solche, die für das Publikum geschaffen wurden. Kreative, die mit mir sich bemühen wollen, Konsequent an „sich selbst verpflichteter Kunst“ zu arbeiten, begrüsse ich gerne in der „Interessengemeinschaft für onanistische Kunst“ kurz

onart / ig (ø~宆 ⁄©)

also

fognin onart /ig

ƒø©~⁄~ ø~宆 ⁄©

(Die pseudophonetische Schrift ist reiner Spielkram, gefällt mir allerdings ausgesprochen gut!)

Danke an Marianne, für die Entwicklung.

Danke an SIEMERS für die Begriffskurzfassung!

Tralau Ausstellung


Tralau Ausstellung, ursprünglich hochgeladen von fognin1

Neue Fotos von fognin bei Flickr!

Das Glück – der Anderen

Das Glück – der Anderen

Wenn ein renomierter und nicht gerade kleiner Verlag ein Buch mit Lyrik und gemalten Bildern vorlegt erstaunt dies. Lyrische Veröffentlichung jenseits von Weltliteratur-Autoren sind selten geworden, künstlerische Bände mit Gemälden beschränken sich heute fast immer auf Kataloge oder Sammelwerke. Margit Buß, als Eckernförder Kreative im Bildbereich ist bisher mehr eine stille Grösse. Ihre „MakroArt“ genannten oft gossflächigen und sehr farbstarken Bilder wurden bisher Maschinenhaus und bei kleineren Ausstellungen in unserer Stadt gezeigt. Zusammen mit der Wortgewaltigen Schriftstellerin Dietlinde Hedwig Heckt präsentiert jetzt Margit Buß eine spannende Übersicht über ihre Makroart-Bilder. Dieses künstlerische Verfahren, das auch mit fotografischer Hilfe experimentell Zufälligkeiten aufarbeitet und Erahnbares sichtbar macht, bestich durch seine dichten Farben und zum träumen anregenden abstrakten Buldinhalte. Die Phantasie des Betrachtenden wird stark angesprochen, das abgebildete Bild beginnt zu korrespondieren und bewegt sich weiter. Dieses anhand der Originalbilder stark erlebbare Phänomen ist sogar in dem Buch „Andernglücks“ nachvollziehbar. Wenn der Leser erst die Bilder betrachtet, dann die selbst als Bilder wirkenden lyrischen Zeilen liest und mit dem Auge wieder auf das dazugehörende Bild schaut, verwandet sich dies. Seitenweise sollte man diese doppelte Bilderflut genießen und sie mit Zeit wirken lassen.
Margit Buß hält sich derzeit in Berlin auf um weitere künstlerische Studien zu machen und neue Inspirationen im Frühjahr nach Eckernförde mitzubringen. Bis sie neuen Werke in Eckernförde ausstellt, lohnt es sich, das wohlfeile Bändchen „Andernglücks“ zu studieren.
Andernglücks. Margit Buß (Bilder), Dietlinde Hedwig Heckt (Lyrik).Verlag der Kunst Husum. ISBN 978-3-86530-110-9, 14,95. Bei der Buchhandlung am Gänsemarkt vorrätig (fst)