Kultur Monographie Eckernfoerde

Eine Kulturtankstelle für Eckernförde

Dieser Tage haben mir die Freunde vom Landesvorstand der Piratenpartei Schleswig-Hostein eine große Freude bereitet. Sie haben uns eine

Kulttankstelle 

für Eckernförde geschenkt. Was eine Tankstelle ist, wissen wir genau. Was Kultur ist – darüber gibt es viele Vermutungen, jeder hat eine ungefähre Vermutung darüber. Aber: was ist eine Kulturtankstelle? Vielleicht etwas, wo man seine ermattete Seele mit Kultur auffüllen kann und dann wieder etwas frohgemuteter durch das schöne Eckernförde spazieren kann?

o ist es! Nur mit dem erfreulichen Unterschied, dass der Besuch dieser Tankstelle nicht zum Ruin führt. Sondern einfach mal garnix kostet. Null. Gratis. Aber bestimmt nicht umsonst..

Das Teil sieht so aus:

Naja, eigentlich ist das nur die Zugabe: Ein Werbeträger, der auf die Kulturtankstelle aufmerksam machen soll. Die eigentliche Kulturtankstelle ist nur ein fast stinknormaler W-Lan-Router gefüllt, mit Informationen über Künstler, Kulturstationen und lokale Sehenswürdigkeiten. Und unterschiedet sich von den anderen tausenden

W-Lan-Routern nur darduch, dass  man durch ihn leider nicht in das Internet kommt. Das kann sich nur ein pleitesüchtiger Millionär erlauben. Der hat sich noch nicht bei mir gemeldet.

In dieses Intranet kann sich jeder mit seinem Handy oder Notebook einloggen und über das informieren, was es in Eckernförde reichlich gibt: Kunst & Kultur. .

Da so ein W-Lan leider nur eine begrenzte Reichweite hat, möchte ich gerne die Stadt mit solchen Geräten fluten. Die erste Kulturtankstelle wird am Hafen stehen, weitere sollen folgen.

Natürlich sollen sich nicht alle, die mitmachen wollen, den Piraten anschließen. Für die erste Kulturtankstelle hat sich schon der Kulturverein Eckkult e.V. als Mitbetreiber gefunden. Und ganz viele weitere werden noch gesucht. Vereine, Kneipen und Geschäfte sollen sich gerne beteiligen und können sich im Gegenzuge auch auch auf der Kulturtankstelle vorstellen.

Die Hauptsache sind natürlich die Kulturschaffenden, die ihre Werke zeigen. Dazu müssen diese überzeugt werden, ihre kreativen Früchte unter eine CC-Lizenz zu veröffentlichen. Damit wird sicher gestellt, das genau die Rechte, die ihnen wichtig sind, ihr Eigen bleiben. (siehe:

(https://de.creativecommons.org/was-ist-cc/)Dann steht auf Ihrer Seite bei der Kulturtankstelle so ein kleines Schild:

Wir können außer Künstlern und den genannten Institutionen natürlich auch andere Mitstreiter brauchen: DICH! Denn jeder findet seinen Bereich, in dem er mithelfen kann. Wir wollen zeigen, dass Eckernförde eine Kulturstadt ist! Dazu müssen Internetseiten erstellt, Leute angesprochen, und Ideen entwickelt werden. Also gehe bitte in Dich und finde Dein Kulturherz. Und dann melde dich bei mir – wir werden viel Spaß haben (bei aller Arbeit….)

Markus Fuerstack (fognin) 04351 – 72 62 00 fst @ fognin . net

oder Svenja Funke 04351 – 89 34 50 svenjas.senfkultur @ gmail.com

Thomas Lötzsch im Kabuff

Thomas Lötzsch im Kabuff

(fst) Der Lötzschmann kann es! Ob als Band-Musiker (Illegal2001), Solist, Autor oder „Vorleser“, der bekannte Eckernförder gewinnt bei jeder Art von Bühne sofort die Herzen seiner Zuhörer. In dem kleinen gemütlichen Kabuff in der Rendsburger Str. 100 bei der Puppenspielern Cordula Thonett zu Gast griff Thomas Lötzsch ganz tief in das Repertoire seines Können und zauberte von allen etwas auf das Bühnchen.
Schon vor der Veranstaltung war der Erzähler eifrig beim berichten: Von seinen Plänen und und Projekten. Und dann, äusserst pünktlich beginnend folgten drei Stunden gehobene Unterhaltung vom Besten. Thomas, – jeder Zuhörer hatte in dem kleinen Raum sofort das Gefühl das er persönlich angesprochen wurde, – erzählte von seiner wilden Jugend in der Provinz. Er sang, las vor und streute auch stets Aktuelles mit persönlichen Bezug in seine Performances ein.
„Punk op de Deel“ hat er den ersten Teil seiner Autobiographie genannt. In dem Buch erzählt er von einer Jugend im Wirtschaftswunderland, in denen sich die seltsamen Erwachsenen als um traditierte Tugenden bemühte Spiesser darstellten. jedenfalls mit den Augen von den Jugendlichen gesehen, die das „wilde Leben“ suchten. Harte Musik und reichlich Alkohol und natürlich die typischen selbstruinierten Klamotten bestimmten das Leben von Thomas und seinen Freunden. „Infernaler Krach“ berichtet Lötzsch, produzierte ihre erste Band. Trotzdem war das Konzert im Garten ein voller Erfolg für Freunde und Nachbarn, gab es doch in der Kleinstadt sonst nichts Besonderes und wurde der Auftritt von einer Unzahl Karlsquell-Freibier-Dosen begleitet.
Thomas Lötzsch Buch und seine, über weite Teile frei vorgetragenen Erzählungen, berichten von einer Zeit in der die heisse Musik von Plattenspielern und ausgeleierten Kassetten kam, man im Freien mit seinen Freunden abgehangen hat und Mofas noch frisiert und nicht getunt wurden.
Aber ohne die gekonnte Art des Autors und Musikers alles mit Humor anzureichern, stets augenzwinkernd und selbstironisch, und mit einem geradezu rasanten Tempo ohne jegliche Versprecher vorzutragen, wären es doch nur „alte Geschichten“. 
 
 
So erlebten die Zuschauer wieder mal einen glanzvollen Lötzschabend, voller bunter Bilder, frecher Lieder, persönlicher Ansprache und Spass, Spass Spass! Sein Buch kann man weiterhin kaufen. „Punk op de Deel“, erhältlich für 19,50 € über loetzschmann@aol.com per email oder per Telefon & Fax 3872.
Wer die ganze Breitseite haben möchte sollte am 20. September nach Hohenwestedt reisen und um 19.30 Uhr im Jugendheim sein. Dort wird Thomas Lötzsch seine Geschichten am Entstehungsort vortragen. Und vielleicht wundert sich mancher, was aus dem zerzausten Bubi von einst geworden ist.

Internationaler Tag des Puppenspiels am 21.03.2012

Internationaler Tag des Puppenspiels

Am 21.3. ist wieder mal ein „internationaler Tag“. Diesmal wird das Puppenspiel gefeiert. Eine sinnvolle Aktion, denn die weltumspannende Kunst [wikipedia] des Figurentheaters verschwindet langsam aber sicher hinter den Unterhaltungskaskaden des allbeherrschenden TVs.
Puppen- oder wie die von Künstlern gepflegte Form heisst, Figurentheater, knüpft an die Tradition der Märchen oder auch der Märchenerzähler an. Nicht nur Unterhaltung sind die Motive dieser Volkskünste, auch das verbreiten wichtiger Überlieferungen und und berührender Bilder wurde gepflegt. Inzwischen kann die Kunst des Erstellens der Figuren und ihre Handhabung bereits an einigen Hochschulen erlernt werden, aber auch als Kunsthandwerk wird die Tradition noch an wenigen Stellen gepflegt. In der Kinderunterhaltung werden zunehmend auch didaktische Inhalte verabeitet, da die Kleinen besonders stark auf die Lebendigkeit der Figuren ansprechen (Kasperletheater).
Eine besondere Form des Figurenspiels pflegt in Eckernförde Cordula Thonett. Grundsätzlich mit selbstgebauten Figuren spricht sie nicht nur sehr stark Kinder an, auch Erwachsene verfallen gern den Charme ihrer Charaktere. In ihrem Stück „Spieglein, Spieglein an der Wand…“ greift sie Motive des Märchens der Gebrüder Grimm auf, schafft es dabei spielend, besondere Facetten sowohl für Erwachsene als für Kinder zu finden, so dass diese jeweils an ganz anderen Stellen lachen und sich amüsieren.
Am 21.3., eben jenen besagten Internationalen Tag des Puppenspiels erlaubt die Künstlerin einen tiefen Blick in ihre Puppenkiste: Kinder und Erwachsene dürfen auch mal einen vorsichtigen Blick hinter die Kulissen der Bühne werfen, mit den Kindern werden Figuren aus Kochlöffeln gebaut, die Grossen können sich am Abend sogar an den Bau von Klappmaufiguren wagen. Am Nachmittag wird auch das Stück „Die Premiere  oder  Ach du dickes Ei“ aufgeführt. Auch hier herrscht an diesem Tag das Besondere vor: Geld als Zahlungsmittel wird nur ausnamsweise genommen. Jeder soll mitbringen, was er hat und gerne gibt: Knöpfe, Stoffreste und andere Materialien zum Bau neuer lebendiger Gestalten sind genauso willkommen, wie andere Dinge die von der Puppenspielerin und ihrer Familie hoffentlich gebraucht werden können. Cordula Thonett lebt mit ihren zwei Kindern von der Kunst des Figurenspiel, bzw. versucht es. Neben den Aufführungen und zahlreichen Workshops, die auch gerne in Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen durchgeführt werden, macht sie auch Unterhaltung bei Familienfeiern und grossen und kleinen Festen. Ihre frechen Puppen haben schon so manchen Erwachsenen aus der Fassung gebracht und lockern mit Sicherheit auch die steifste Firmenfeier auf.
 
Dieser Freitag im März ist eine gute Gelegenheit, Cordula Thonett und Klara Korn, den Manager, das Schwanadu und den wandlungsfähigen Ersie kennenzulernen. Allerdings: Das gemütliche Kabuff in der Rendsburgerstrasse 100 ist winzig. Da sollten die Besucher entweder sehr rechtzeitig vor Ort sein, oder vorher ihre Plätze reservieren. Dafür erwartete sie eine faszinierende Welt, die des Pupen- und Figurenspiels und vielleicht auch einige der witzigen und begabten Freunde der Puppenspielerin. (fst)
Figurentheater im KabuffCordula Thonett

Rendsburgerstr. 100

24340 Eckernförde

Tel.: 04351 / 883772

Fax 04351 / 726188

cordula@figurentheater-im-kabuff.de

www.figurentheater-im-kabuff.de
In der Kulturmonographie Eckernförde: https://eckkult.de/kme_cthonett.html

[5 Minuten Kultur täglich] Kultur Monographie Eckernfoerde: Christiane Feuers…

Kultur Monographie Eckernfoerde: Christiane Feuerstack
Biografische Notiz:

Christiane Feuerstack (1960), Eurythmistin, Heileurythmistin, Seminarleiterin und freie Autorin. Langjährige Erfahrung in spiritueller Schulung und Forschung, sowie in der Begleitung Rat suchender Menschen auf dem Weg individueller karmischer Selbsterkenntnis.

Veröffentlichungen:
„Graf Saint Germain im Spiegel der Widersprüche“ (2004),
„Samenkörner – karmische Bilder  (mit einer Einführung in die Karmaerkenntnis)“(2006) und
„Das Geheimnis der Goldmarie. Arbeit, Geld und Karma – ein Werkstattgespräch“ (Hg. 2008),
Christiane Feuerstack
Kieler Str.21
24340 Eckernförde
Tel.:04351-7266802
Text:
Anlage zum Hartz IV Fragebogen
eine wahrhaftes Schreiben an die Bundesagentur „für“ Arbeit
Sehr geehrte Damen und Herren!

Noch ist er nicht da, der berühmt-berüchtigte Hartz IV – Fragebogen, den wir alle schon sehnlichst erwarten. Wir haben schon viel davon gehört und brennen geradezu darauf, ihn endlich ausfüllen zu dürfen. Da wir aber ohnehin die berechtigte Sorge haben, dass 16 Seiten für die Offenlegung unserer Vermögensverhältnisse keineswegs ausreichen, haben wir uns entschlossen, sozusagen in vorauseilendem Gehorsam schon heute mit entsprechenden Enthüllungen zu beginnen. Wir haben nichts zu verheimlichen!
Aus Datenschutzgründen nenne ich im Folgenden meine Kinder Max (17) und Moritz (16), denn für Jugendliche ist die Offenbahrung ihrer Vermögensverhältnisse besonders peinlich. Sie bekommen drei Euro Taschengeld pro Woche. Bitte erzählen Sie das auf keinen Fall weiter, um Spott und Ausgrenzung seitens anderer Jugendlicher zu vermeiden.
Meinen Mann nenne ich – ebenfalls aus Datenschutzgründen – Hempel. Bei ihm sieht es meistens so aus, wie bei anderen Leuten unter dem Sofa. Hempel ist aber in diesem Fall sein Vorname. Mit Nachnamen heißt er Wassermann, so wie ich. Da Hempel Wassermann ein „Messie“ ist, sind seine Vermögensverhältnisse besonders schwer zu durchschauen. Es könnte sogar sein, dass sich noch geringfügige Reste von D-Mark-Beständen in einem der Berge von Unordnung befinden.
Auch Moritz förderte neulich beim Aufräumen noch eine gute alte Mark zutage. Man kann also nie genau wissen…
In meiner Geldbörse befinden sich zum jetzigen Zeitpunkt genau 87 Euro (in Worten siebenundachtzig) und 32 Cent. Hempel verfügt sogar über 102 Euro (in Worten hundertzwei) und 7 Cent. Max und Moritz weigern sich, ihrer Mutter genaue Auskünfte zu geben. Ich bitte Sie also um Verständnis, dass ich wegen solcher Lappalien nicht den Familienfrieden aufs Spiel setzen möchte. Da der Inhalt unserer Geldbörsen sich nicht nur täglich, sondern manchmal sogar stündlich ändert, können wir leider keine Garantie dafür übernehmen, dass sich zum Zeitpunkt Ihrer Überprüfungen unserer Angaben noch genau derselbe Betrag darin befindet.
Ihre Frage nach Sparbüchern soll wohl ein Witz sein! Was soll ein Langzeitarbeitsloser sparen? Das Einzige, was wir uns sparen können, ist ein Kommentar dazu.
Lediglich Max und Moritz besitzen noch Sparbücher aus der Zeit ihrer Kindheit, als sie mühselig ihre Sparschweine mit Mark und Pfennig fütterten, um sie am Weltspartag voller Stolz zur Bank zu bringen.
Omas, Opas und Paten taten das Übrige dazu, um für spätere Klassenfahrten, Führerscheinstunden oder sonstige wichtige Zwecke eine kleine Reserve zu haben.
Ich würde Ihnen nicht raten, sich mit Max und Moritz bezüglich ihrer Spargroschen anzulegen. Das könnte Aggressionen auslösen!
Bargeld in der Wohnung befindet sich dagegen an vielen Stellen, die wir genau auflisten möchten:
Wir haben unsere Notgroschen so sorgfältig versteckt, dass jedem Nachforschenden eine vergnügliche Schnitzeljagd bevorsteht. Deshalb mögen an dieser Stelle einige wenige Hinweise genügen, alle weiteren Spuren werden sich bei entsprechend intensiver Suche entdecken lassen.
Bitte räumen Sie anschließend wieder auf!
Und vor allem vermeiden Sie bitte, wenn Sie das Zimmer von Max betreten, an den Spinnenweben hängen zu bleiben. Er schätzt das nicht besonders, wenn man seine „Deko“ abreißt.
Am liebsten sammeln wir Ein- und Zwei-Eurostücke. Sie sind vor Überschwemmungen, Feuer, Schimmel usw. am ehesten sicher. Manchmal kleben wir aber Fünf- oder Zehn-Euro-Scheine hinter unsere Bilder an den Wänden oder schieben sie einfach wie Lesezeichen in Bücher.
Die genauen Buchtitel kann ich Ihnen jetzt leider nicht auswendig nennen, da müsste ich selber erst lange suchen. Am besten blättern Sie alle Bücher mal kurz durch, blasen dabei den Staub runter und stellen sie dann bitte wieder ordentlich ins Regal.
Münzgeld finden Sie unter anderem in Schubladen, unter Teppichen, in Ritzen zwischen Fußleiste und Fußboden, hinter Schränken, unter Matratzen und eingenäht in Vorhangssäume. Das spart das Bleiband und ist ein besonders raffiniertes Versteck.
Das Zusammenkratzen dieser Notgroschen könnte sich lohnen. Es würde mit Sicherheit ein beachtliches Vermögen zusammenkommen, das den Lebensunterhalt unserer Familie mindestens ein bis zwei Wochen sicherstellen würde – wenn man einmal von Miete und Heizkosten absieht.
Schmuck und Wertgegenstände sind bei uns auch zu finden: Meine Edelsteinketten habe ich gut sichtbar an die Wand gehängt. Warum sollten sie in einer Schatulle sein? Es sieht viel schöner aus, wenn sie da hängen! Viel wert sind sie wohl kaum, und wie soll man einen Käufer für so was finden? Ich würde mich auch sehr ungern davon trennen, da das, was sie für mich wertvoll macht, persönliche Erinnerungen sind. Max und Moritz haben von ihrer Großmutter zur Konfirmation je ein Goldstück bekommen, das sie selber von ihrer Großtante in Wien geerbt hat. Ein kleines Goldstück, vielleicht 20 Euro wert. Auch da dürfte der ideelle Wert höher sein!
So, jetzt wissen Sie alles!
Kommen wir also zum nächsten Kapitel, unsere Wohnverhältnisse:

Wir bewohnen einen im Zentrum unserer entzückenden Stadt gelegenen Altbau. Dieser Wohnort ermöglicht uns die Einsparung eines eigenen Kraftfahrzeugs, da wir von hier aus alle wichtigen Plätze zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können. Auch Buskosten fallen selten an, da die Schule von Max und Moritz ebenfalls zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist.
Für meine beruflich notwendigen Fahrten – (wie Sie aus Ihren Unterlagen ersehen können, bin ich nebenbei freiberuflich tätig) – habe ich ein „car-sharing“ mit einer freundlichen Nachbarin vereinbart.
Eine Verlagerung des Wohnorts würde zwangsläufig mit der notwendigen Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs verbunden sein – was wir uns leider nicht leisten können.
Laut Mietvertrag stehen uns 135m² zur Verfügung. Zu viel für eine vierköpfige Familie, werden Sie vielleicht denken!?
Dazu ist folgendes zu bemerken:
Zum ersten beschränkt sich der eigentliche Wohnraum auf ca. 100m², der Rest ist Arbeitsraum für meine freiberufliche Arbeit.
Ich erwirtschafte durch diese Arbeit nicht nur die Miet- und Heizkosten für diese Räumlichkeit (wie aus den meinem Antrag beigefügten Unterlagen zu entnehmen ist), sondern darüber hinaus einen Teil unseres bisherigen Lebensunterhaltes. Die Aufträge kommen allerdings so unregelmäßig und insgesamt zu noch spärlich, um davon eine vierköpfige Familie ernähren zu können.
Wir sind seit Jahren auf der Suche nach bezahlbaren Praxisräumen und zwei kleineren Wohnungen, da mir Hempels Unordnung den letzten Nerv raubt und wir außerdem alle vier so unausstehliche Individualisten sind, dass die Gefahr des gegenseitigen Totschlags besteht, wenn wir auf engem Raum zusammenhocken.
Da Max demnächst 18 wird, möchte er natürlich auch gerne eine eigene Wohnung beziehen. Sein Zimmer hat nicht mal einen separaten Zugang, er muss immer durch das Zimmer seines Bruders laufen, um zu seiner Mini-Klause zu gelangen:
Moritz ist völlig genervt, weil nicht nur Max ständig durch sein Zimmer läuft, sondern auch dessen zahlreiche Freunde. Er hat die Ecke seines Zimmers, in der sein Bett steht, durch einen Vorhang von dieser Durchgangsschneise abgetrennt, aber die optimale Lösung ist das auch noch nicht. Durch die Durchgangsschneise musste zwangsläufig wieder Wohnraum für einen Flur geopfert werden. Ferner halten wir es für fraglich, ob wir tatsächlich 135m² zur Verfügung haben könnten – dazu müssten wir (oder Sie) die Dachschrägen ausmessen.
Wir halten das lediglich aus, weil wir diese bisherigen Wohnverhältnisse immer noch kostengünstiger fanden als das Anmieten von zwei oder drei kleineren Wohnungen, und seien sie auch noch so winzig!
Aber vielleicht haben Sie ja die passende Idee?! Das würde uns sehr freuen!
Den Namen unseres Vermieters zu nennen, würden wir als taktlos und ungehörig empfinden, nicht nur aus Datenschutzgründen.
Da kommen uns Assoziationen zu Methoden des Dritten Reichs. Wir wollen niemanden denunzieren. Ob die Frage nach der Bankverbindung des Vermieters überhaupt legal ist, wagen wir zu bezweifeln.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich um einen Altbau. Durch Dachziegel und Mauerritzen strömt im Winter kalte Zugluft herein. Was Wärme betrifft, sind wir überhaupt nicht sehr verwöhnt, im Gegenteil: um Heizkosten zu sparen, haben wir uns richtig gut abgehärtet.
Trotzdem erschien es uns bisher sinnvoll, wenigstens die unterste Grenze üblicher Raumtemperaturen anzupeilen, da unsere ständigen Erkältungen seit der Gesundheitsreform mit höheren Kosten zu Buche schlagen als entsprechende Heizkosten.
Hieran sparen zu wollen, wäre zu kurzsichtig gedacht.
Im Keller platzt der Putz von den Wänden und der Modergeruch reicht teilweise bis in die oberen Räume herein. Dicht an den Wänden gelagerte Gegenstände sind uns sogar schon verschimmelt! Eine gründliche Sanierung und Isolierung würde die Heizkosten mit Sicherheit vermindern.
Aber wer würde die damit verbundenen Kosten auf sich nehmen, ohne zugleich die Miete kräftig zu erhöhen?
Ein Besuch bei uns wird Sie sofort davon überzeugen, dass unser Haus völlig aus den Nähten platzt. Überall türmen sich Kartons. Es sieht fast wie kurz vor oder nach einem Umzug aus!
Der Grund dafür ist, dass Hempel vor kurzem völlig überraschend einen kleinen lokalen Verlag übernommen hat. Da kam einfach ein günstiges Angebot aus heiterem Himmel, das man nicht so einfach ausschlagen konnte, zumal es ja immerhin eine kleine Chance gibt, dass dieses Unternehmen irgendwann einmal in der Zukunft genügend Gewinn abwirft, um unser Überleben zu sichern! Davon träumen wir jedenfalls. Manchmal hat man ja auch Glück!
Joanne Rowling zum Beispiel hat es dank Harry Potters Zauberkünsten geschafft, von der Sozialhilfeempfängerin zur Millionärin zu werden.
Sie ist unser großes Vorbild! Man muss nur die richtige Idee für ein Buch haben, das den Nerv der Zeit trifft.
Vielleicht dämmert es Ihnen allmählich, dass Sie gerade den Anfang dieses erfolgversprechenden Buches lesen. Es hängt nun viel von Ihrer weiteren Mitwirkung ab, ob unsere Idee so erfolgreich wird, wie wir hoffen. Bitte unterstützen Sie uns dabei! Kommen Sie bald! Überprüfen Sie gründlich unsere Angaben! Überzeugen Sie sich davon, dass diese kleine Fehler enthalten und gehen Sie eventuellen Ungenauigkeiten mit detektivischem Spürsinn nach!
Wir versprechen Ihnen, dass jeder Ihrer Schritte und jedes Ihrer Worte penibel dokumentiert wird.
Wie Sie Ihren Unterlagen entnehmen können, ist Hempel seit geraumer Zeit freier Mitarbeiter einer lokalen Tageszeitung. Durch gelegentliche Aufträge erzielt er zwar nur so geringe Einkünfte, dass sie kaum kostendeckend sind, aber er verfügt immerhin über die professionelle Ausstattung eines Pressemitarbeiters. Ein gigantischer Vorteil!
Wir haben durchaus nicht vor, uns nur auf unsere eigenen Erlebnisberichte zu beschränken. Nein, wir sammeln auch andere!
Hempels Sammel-Leidenschaft, die mir bisher immer unverständlich war, hat nun auch mich angesteckt.

Es wird bestimmt ein hübsches Sammelsurium von Betroffenen-Berichten zustande kommen. Das ist wenigstens kreativer, als eine Revolution anzuzetteln, finden Sie nicht? Fünf Millionen Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, das könnte glatt den Untergang der Republik zur Folge haben, oder?
Wir fragen uns manchmal, ob die verantwortlichen Politiker überhaupt noch in Ruhe schlafen können. Schließlich haben sie noch was zu verlieren! Wir nicht!
Meine persönliche Meinung ist allerdings, dass Wut und Empörung über Ungerechtigkeiten nicht weiter führen.
Als Frau bevorzuge ich sanftere Ausdrucksformen. Es gibt sie auch schon, die freundliche Antwort auf Hartz IV:

Das „Herz-vier-Unternehmen“, abgekürzt
4 U (heart for you), symbolisiert durch die Spielkarte
4U wurde soeben geboren und sucht Paten, Sponsoren und Unterstützer. Willkommen in diesem Netzwerk von Herzlichkeit, gegenseitiger Hilfe und freundschaftlicher Solidarität sind nicht nur die Verlierer in einer Welt sozialer Kälte und staatlicher Reglementierungen, sondern alle anständigen Menschen mit Herz!

4U ist kein Verein, aber trotzdem gemeinnützig.
Wir haben alle kein Geld, aber trotzdem gründen wir eine Bank. Nämlich eine Kontakt- und Ideen-Bank. Jeder, der gute Ideen hat, darf einzahlen; jeder der solche braucht, darf sich bedienen.
Es wäre fein, wenn Sie
4U unterstützen könnten, indem Sie allen Arbeitslosen davon erzählen.
Sie als Arbeitsamtsmitarbeiter können doch auch nichts dafür, dass Sie diese blödsinnigen Vorschriften der Politiker umsetzen müssen!
Sie wissen doch genauso gut wie wir, dass es dadurch keinen einzigen neuen Job gibt!
Klar, dass Sie wenigstens Ihren Job behalten wollen und das alles brav mitmachen! Würde wahrscheinlich jeder tun, der keine Alternative hat. Aber vielleicht gehören Sie ja trotzdem zu den selten gewordenen Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben? Und die gerne mal ein paar tröstliche Worte über die Lippen bringen möchten. Sie sind doch täglich mit dem Elend der Perspektivlosigkeit konfrontiert!
Wer da nicht völlig abstumpft, muss doch eigentlich um jeden kleinen Lichtblick froh sein.
4U ist so ein Lichtblick. Es will uns daran erinnern, das Herzlichkeit und Wärme auch ein Kapital sind, das Kapital der Armen, auf das die Reichen eines Tages neidisch sein dürften…
Aber zurück zu unserem Antrag:
Wir gehen davon aus, dass unsere ausführlichen Angaben Sie mehr als zufrieden stellen werden. Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte Ihren bisherigen Unterlagen. Übertragen Sie alles fein säuberlich in den vorgesehenen Fragebogen. Das erspart Ihnen und uns viele weitere Arbeit. Mit Freuden erwarten wir Ihren Bewilligungsbescheid. Und gegebenenfalls Ihren Kontrollbesuch. Eine Tasse Kaffee ist in diesem Fall garantiert. Vielleicht auch zwei, je nachdem…
Hartzlich grüßend,

Ute Wassermann

 

Copyright und Verantwortlich: Christiane Feuerstack


Von fognin am 4/20/2010 08:24:00 AM unter 5 Minuten Kultur täglich eingestellt