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Scheerbart zu verschenken

scheerbart_klGestern schrieb ich: „krank, allein, Winter – Scheiss -Roman“, daran hat sich nicht geändert: es schneit immer noch Melancholie.
Aber jetzt will ich die Welt verändern: Damit es EUCH nicht so geht, damit ein Grinsen wieder in Euer Leben Einzug findet. damit Sonne und Mond ein neues Gemüse erfinden – und alles anders wird: ICH SCHENK EUCH EINEN SCHEERBART!!! Ich habe ein paar Scheerbarts radiert – sie sehen sehr fognin/scheerbartisch aus. Jeder dieser Abzüge ist auf jeden Fall anders, Handcoloriert und von fognin beschmiert.. Und ich verschenke sie. Nur einfach eine emali oder Postkarte im Laufe des Februar an mich schicken. Unter Missbrauch aller Rechtswege, und mit Glück gibt es einen Scheerbart für Dich! Bezweckt ist damit die Weltverbesserung und sonst garnix, ich bin Künstler nicht Konzern. Die einzige Kalamität die am Horizont auftauchen könnte ist, das ich am Ende des Februars 2015 mein Geld nicht reicht für die Porti zum versenden. Wenn der digitale Bettler (https://scheerbart.de/edit/impressum/der-digitale-bettler/) es nicht hergibt, dann melde ich mich noch Mal und schnorre – das könnte nur etwas verzögern. Aber es gibt immer jemanden der 5 € hat um jemand anderen eine Freude zu machen. Also ab: email oder Postkarte an mich! (Dieser Text steht auf einigen meine Homepages und bei Facebook!) (fognin / www.scheerbart.de)

 

Eine Kulturtankstelle für Eckernförde

Dieser Tage haben mir die Freunde vom Landesvorstand der Piratenpartei Schleswig-Hostein eine große Freude bereitet. Sie haben uns eine

Kulttankstelle 

für Eckernförde geschenkt. Was eine Tankstelle ist, wissen wir genau. Was Kultur ist – darüber gibt es viele Vermutungen, jeder hat eine ungefähre Vermutung darüber. Aber: was ist eine Kulturtankstelle? Vielleicht etwas, wo man seine ermattete Seele mit Kultur auffüllen kann und dann wieder etwas frohgemuteter durch das schöne Eckernförde spazieren kann?

o ist es! Nur mit dem erfreulichen Unterschied, dass der Besuch dieser Tankstelle nicht zum Ruin führt. Sondern einfach mal garnix kostet. Null. Gratis. Aber bestimmt nicht umsonst..

Das Teil sieht so aus:

Naja, eigentlich ist das nur die Zugabe: Ein Werbeträger, der auf die Kulturtankstelle aufmerksam machen soll. Die eigentliche Kulturtankstelle ist nur ein fast stinknormaler W-Lan-Router gefüllt, mit Informationen über Künstler, Kulturstationen und lokale Sehenswürdigkeiten. Und unterschiedet sich von den anderen tausenden

W-Lan-Routern nur darduch, dass  man durch ihn leider nicht in das Internet kommt. Das kann sich nur ein pleitesüchtiger Millionär erlauben. Der hat sich noch nicht bei mir gemeldet.

In dieses Intranet kann sich jeder mit seinem Handy oder Notebook einloggen und über das informieren, was es in Eckernförde reichlich gibt: Kunst & Kultur. .

Da so ein W-Lan leider nur eine begrenzte Reichweite hat, möchte ich gerne die Stadt mit solchen Geräten fluten. Die erste Kulturtankstelle wird am Hafen stehen, weitere sollen folgen.

Natürlich sollen sich nicht alle, die mitmachen wollen, den Piraten anschließen. Für die erste Kulturtankstelle hat sich schon der Kulturverein Eckkult e.V. als Mitbetreiber gefunden. Und ganz viele weitere werden noch gesucht. Vereine, Kneipen und Geschäfte sollen sich gerne beteiligen und können sich im Gegenzuge auch auch auf der Kulturtankstelle vorstellen.

Die Hauptsache sind natürlich die Kulturschaffenden, die ihre Werke zeigen. Dazu müssen diese überzeugt werden, ihre kreativen Früchte unter eine CC-Lizenz zu veröffentlichen. Damit wird sicher gestellt, das genau die Rechte, die ihnen wichtig sind, ihr Eigen bleiben. (siehe:

(https://de.creativecommons.org/was-ist-cc/)Dann steht auf Ihrer Seite bei der Kulturtankstelle so ein kleines Schild:

Wir können außer Künstlern und den genannten Institutionen natürlich auch andere Mitstreiter brauchen: DICH! Denn jeder findet seinen Bereich, in dem er mithelfen kann. Wir wollen zeigen, dass Eckernförde eine Kulturstadt ist! Dazu müssen Internetseiten erstellt, Leute angesprochen, und Ideen entwickelt werden. Also gehe bitte in Dich und finde Dein Kulturherz. Und dann melde dich bei mir – wir werden viel Spaß haben (bei aller Arbeit….)

Markus Fuerstack (fognin) 04351 – 72 62 00 fst @ fognin . net

oder Svenja Funke 04351 – 89 34 50 svenjas.senfkultur @ gmail.com

Thomas Lötzsch im Kabuff

Thomas Lötzsch im Kabuff

(fst) Der Lötzschmann kann es! Ob als Band-Musiker (Illegal2001), Solist, Autor oder „Vorleser“, der bekannte Eckernförder gewinnt bei jeder Art von Bühne sofort die Herzen seiner Zuhörer. In dem kleinen gemütlichen Kabuff in der Rendsburger Str. 100 bei der Puppenspielern Cordula Thonett zu Gast griff Thomas Lötzsch ganz tief in das Repertoire seines Können und zauberte von allen etwas auf das Bühnchen.
Schon vor der Veranstaltung war der Erzähler eifrig beim berichten: Von seinen Plänen und und Projekten. Und dann, äusserst pünktlich beginnend folgten drei Stunden gehobene Unterhaltung vom Besten. Thomas, – jeder Zuhörer hatte in dem kleinen Raum sofort das Gefühl das er persönlich angesprochen wurde, – erzählte von seiner wilden Jugend in der Provinz. Er sang, las vor und streute auch stets Aktuelles mit persönlichen Bezug in seine Performances ein.
„Punk op de Deel“ hat er den ersten Teil seiner Autobiographie genannt. In dem Buch erzählt er von einer Jugend im Wirtschaftswunderland, in denen sich die seltsamen Erwachsenen als um traditierte Tugenden bemühte Spiesser darstellten. jedenfalls mit den Augen von den Jugendlichen gesehen, die das „wilde Leben“ suchten. Harte Musik und reichlich Alkohol und natürlich die typischen selbstruinierten Klamotten bestimmten das Leben von Thomas und seinen Freunden. „Infernaler Krach“ berichtet Lötzsch, produzierte ihre erste Band. Trotzdem war das Konzert im Garten ein voller Erfolg für Freunde und Nachbarn, gab es doch in der Kleinstadt sonst nichts Besonderes und wurde der Auftritt von einer Unzahl Karlsquell-Freibier-Dosen begleitet.
Thomas Lötzsch Buch und seine, über weite Teile frei vorgetragenen Erzählungen, berichten von einer Zeit in der die heisse Musik von Plattenspielern und ausgeleierten Kassetten kam, man im Freien mit seinen Freunden abgehangen hat und Mofas noch frisiert und nicht getunt wurden.
Aber ohne die gekonnte Art des Autors und Musikers alles mit Humor anzureichern, stets augenzwinkernd und selbstironisch, und mit einem geradezu rasanten Tempo ohne jegliche Versprecher vorzutragen, wären es doch nur „alte Geschichten“. 
 
 
So erlebten die Zuschauer wieder mal einen glanzvollen Lötzschabend, voller bunter Bilder, frecher Lieder, persönlicher Ansprache und Spass, Spass Spass! Sein Buch kann man weiterhin kaufen. „Punk op de Deel“, erhältlich für 19,50 € über loetzschmann@aol.com per email oder per Telefon & Fax 3872.
Wer die ganze Breitseite haben möchte sollte am 20. September nach Hohenwestedt reisen und um 19.30 Uhr im Jugendheim sein. Dort wird Thomas Lötzsch seine Geschichten am Entstehungsort vortragen. Und vielleicht wundert sich mancher, was aus dem zerzausten Bubi von einst geworden ist.

Punk in der Bibliothek

Ungewöhnliches Geschehen in der Stadtbibliothek von Eckernförde: Gegen Abend strömen rund 50 sehr unterschiedliche Leute in den Leseraum. Ältere und Jüngere und auch viele, die man hier nicht so vermuten würde. Eine Lesung ist angesagt. Aber alles ist anders. Anstatt eines Literaten liest ein (ehemaliger) Punkrocker, statt roten Wein gibt es Freibier und eine Minibühne mit Verstärker, Gitarre, Mikrofon ist auch aufgebaut. Sogar eine Präsentation mit Bildern, eine wilden Jugend ist zu sehen.
Thomas Lötzsch, bestens bekannter Frontmann von „Illegal 2001“liest aus seinem Buch. „Punk op de Deel“ heisst der Band, der seine Kindheit und Jugend in der Provinz beschreibt. Und das ständige Bemühen anders und auffallend zu sein und richtig harte Musik zu machen.
Diese Form der Pubertät beschreibt auch, aus der Sicht der Eltern, ein Lied, das Thomas Lötzsch zur Einstimmung vorträgt: „Wie du wieder aussiehst… Was sollen denn die Nachbarn sagen…“ „Die Eltern machen sich viel mehr Gedanken um einen, als man selbst“ kommentiert Thomas Lötzsch das was Thema des Abends werden soll: Eine wilde Jugend auf dem Dorf. Aber erstmal muss der Autor den jüngeren Leuten im Publikum erklären, was Kindheit und Jugend denn mal war: ohne Internet und Spielboxen, mit Schallplatten anstatt mp3, und warum man tatsächlich raus an die Luft ging und sich mit de Freunden am Waldrand oder Weiher traf. Da gab es noch Strassenkinder mit dem Schlüssel um den Hals. „Was ist Was, das war meine Wikipedia“ Thomas ist in beiden Sprachwelten zu Hause, der neuen des Internetzeitalters und der klassischen, als man noch analog ge- und erlebt hat.
„Eine relativ behütete Kindheit“ fand Thomas Lötzsch, „denn das ganze Dorf passte auf“ Und schon ist der Entertainer mittendrin in den Geschichten seiner Kindheit und Jugend. „Das ist meine erste Lesung“ hatte er am Anfang verkündet, als ob das Publikum nachsichtig mit dem Anfänger sein sollte. Dazu bot sich den Zuhörern keinerlei Gelegenheit, den was folgte war eine gekonnt präsentierte Kaskade aus freien Vortrag, gut gespielten Liedern, rasant vorgelesenen Texten und einer Unzahl von punk(t)genau gebrachten Anekdoten. Immer wieder durchhallte heftiges Lachen die sonst eher ehrwürdigen Räumen der Bibliothek. Die erste „Freibierlesung“ hat der Bibliothek gut getan, so gelöst und und unterhaltsam. Und Thomas Lötzsch, der meinte sein Publikum mit Freibier und Eintritt „für lau“ ködern zu müssen, sollte jetzt sicher sein: Bei dem Unterhaltungswert seines Buches und Vortrages kommt das Publikum auch mit Eintritt auf seine Kosten und gerne. Hoffentlich geht die Reise bald mal wieder in die punkige Jugend in der Provinz. (fst)
„Punk op de Deel“, erhältlich für 19,50 € über loetzschmann@aol.com
per email oder per Telefon & Fax 3872. Ausserdem bei Rieck, Tabak und Wein, Langebrückstrasse.

Ausschreitungen in der Nicolaikirche

Ausschreitungen in der Nicolaikirche

Gross angelegte Kompositionen mit fast orchestralen Ausmassen brachte das zweite Konzert diesen Jahres der Konzertreihe „Neue Musik“ zur Aufführung. Nur drei Werke erklangen an diesem Abend. Alle drei hatten deutlich länger Spielzeiten und wurden jeweils in recht grosser Besetzung vorgestellt. Namensgebend und am Anfang stand die Uraufführung von Clemens Nachtmanns „ausschreitend“ für Ensemble von 2009/2010. Nachtmann, der 2010 als Stipendiat in Eckernförde weilte und während dieser Zeit an seinem Werk feilte, stammt ursprünglich aus Bayern. Musikalische und politische Studien führten ihn nach München, Berlin und Graz. In Österreich hat er einen Lehrauftrag an der Kunstuniversität Graz.
Aufgebaut auf der Idee eines Trauermarsches mit Bezügen zu Beethoven Mahler, Liszt und Berlioz beschäftigte sich der Komponist mit der Geste des Schreitens. Neun Musiker, davon 5 Bläser bildeten das Ensemble, die das schwierig zu spielende Werk mit dreidimensionaler Kraft in den Klangraum der Nicolaikirche stellten. Kraft, Lebendigkeit und Stärke sind die Begriffe die diese Komposition am treffensten beschreiben. Clemens Nachtmann malte mit seinen Tönen einen umfassenden durchseelten Raum, an einen urmächtigen Wald erinnernd, der bewohnt von vielerlei ungestörten Wesen zu sein scheint. Die starke Bläsergruppe (besonders hervorzuheben Wardy Hamburg an verschiedenen Saxophonen) spielte teilweise direkt in den Flügel und veränderte so den Raumklang in faszinierender Weise. Das diesjährige Generalthema der Musikreihe, Räume wurde in Nachtmanns Stück sehr anschaulich. Seine gross angelegten, teilweise heftigen Tonbilder klangen in spannungsgeladenen Pausen aus. Während der erste Satz die Themen in den Raum „stellte“, beschäftigte sich der zweite eher mit der inneren Verarbeitung. So ergab sich ein weiterer grandioser Spannungsbogen, der die Thematik „Bewegungen im Raum“ vielfach vertiefend spiegelte. Das Werk hat einen umfassenden Erlebnischarakter, es ist ihm zu gönnen auch noch an anderen Orten das Publikum in seinen Bann zu schlagen
Es schloss sich die Komposition „Swamp Forest“ (2004) von Larisa Vrhunc an. Die vielfach gespielte Slowenin zeigte in ihrem Werk eine „unfreundliche Waldgegend“ die zehn der 14 Musiker gewaltig in Szene setzten. Gerald Eckert setzte das Werk in seinen diesmal sehr kurzen Einführungen in Beziehung zu Lebens- und Sterbeprozessen mit ihren vielfachen Veränderungen. Immer wieder beachtlich, wie das „ensemble reflexion K“ auch in sehr grosser Besetzung präzise und durchgeprobt erscheint und auch komplexe Klangwerke lebendig und erlebnisreich vorstellen kann.
Gerald Eckert, der als musikalische Leiter des Abends alle drei Werke dirigierte, hatte eine lange Flugreise hinter sich. Er arbeitet derzeit in Seol (Südkorea) als Professor für Komposition. Als Abschluss dieses gross angelegten Konzertabendes erklang ein alter Publikums-Freund: „An den Rändern des Maßes“ (2005/2011) begegnete den Hörern der neuen Musik immer mal wieder während seiner langen Entstehungszeit. Diesmal setzte es einen gekonnten, zusammenfassenden Schlusspunkt. Das Werk beschäftig sich mit Auflösungserscheinungen. Der bewegte Raum, durch zwei Ensemblegruppen deutlich, verlagert sich spürbar nach Innen. Gerald Eckert vermag es, durch seine feinstrukturierten Kompositionen, das musikalische Geschehen in den Zuhörer zu verlagern. Während das Stück mit einer konzentrierten Schluss-Stille im Raum ausklingt, wird es das hörbar begeisterte Publikum noch eine Weile begleiten.
Das nächste Konzert der Reihe Neue Musik, zu dem Gerald Eckert wieder aus Korea anreisen wird, beschäftigt sich mit dem 250. Geburtstag der Häßler Orgel. Am Donnerstag, den 21.6. um 20 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche. (fst)

Stipendiaten im Künstlerhaus Otte 1

18.02.13

Stipendiaten im Künstlerhaus

in der Otte(Str.) 1 gibt es „Nachwuchs“. Zwei Stipendiaten sind für jeweils zwei Monate in das Künstlerhaus eingezogen und können mit Unterstützung unseres Bundeslandes sich ihren kreativen Aufgaben widmen.

Benjamin Zuber, 1982 geboren, studierte in Erlangen, Nürnberg und München bildende Kunst. Nach seinem Abschluss 2011 in der Meisterklasse ist dies sein erstes Stipendium. Begeistert zeigte sich der Süddeutsche vom Meer in Eckernförde und besonders regte ihn die gefrorene Meerkante an. Sogleich realisierte er einen kleinen Film: Ein Gipssack dümpelt auf einer Eisscholle und versinkt langsam in der Ostsee. Zuber hat den Sack geborgen und langsam trocknen lassen. Derzeit dient er in Hamburg in der Ausstellung bei „Frapant e.V.“ als Projektionsfläche für den Film. Als Kulturbotschafter oder als kreativer Gruss aus Eckernförde, sollen Sack und Film danach noch in München und in Wien ausgestellt werden. Neben Ausstellungsvorbereitungen hat sich Benjamin Zuber für Eckernförde weitere Auseinandersetzung mit dem maritimen Umfeld vorgenommen. Eventuell sind daraus entstandene neue Werke in einer kleinen Abschlussausstellung am Ende seines Eckernförder Stipendium zu sehen.

Der Literatur verschrieben hat sich Maja Ludwig (*1979). Sie wohnt derzeit in Dresden, hat Ethnologie, vergleichenden Religionswissenschaften und Literatur in Berlin und Leipzig studiert. Ihr Spektrum als als freischaffende Literatin umfasst Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Drehbücher. Auch für kleine Filme hat sie bereits die Vorlagen erarbeitet. In Eckernförde möchte sie ihren ersten Roman beenden. Eigene Ausgiebige Reisen nach Afrika ergaben das Erlebnisumfeld in denen sie die Handlung und ihre Protagonisten ansiedelt. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, dass Maja Ludwig in einer Lesung der Eckernförder Bevölkerung einen kleinen Einblick in dieses meistenteils wärmere Umfeld ermöglicht. Wir wünschen beiden Stipendiaten eine kreativ-erfolgreiche Zeit in unserer Stadt! (fst) 

www.otte1.de – Das schleswig-holsteinische-Künstlerhaus im Internet

Lebendiger Märchenabend

Geschichten für Erwachsene
Valentinstag, mitten in der Woche. Der kleine stimmungsvolle Raum des „Figurentheater im Kabuff“ ist rammelvoll. Lauter erwachsene Menschen lauschen einer zierlichen Frau. Susanne Söder-Beyer von Beruf Märchenerzählerin erzählt mit viel Temperament von Männer und Frauen und den immer wieder verbindenden Thema: Der Liebe.
Die Märchenerzählerin im festlich eleganten roten Kleid fängt mit dem absoluten Anfang an: Der Schöpfergott hatte den Mann erschaffen und gesellte ihm eine Frau dazu. Erlesenste Zutaten benutze er, aber Adam reklamiert und bittet Gott, die ihm zugedachte Gefährtin wieder zurück zunehmen. Sie nervt ihn. Gott kommt dieser Bitte nach. Wie es dann dazu kam, dass die Menschheit doch entstehen konnte, berichtet Susanne Söder-Beyer mit schalkhaften Humor. Sie berichtet auch aus orientalischen Geschichten, in denen Männer und Frauen im Wettstreit über die List und Klugheit sich messen und nach etlichen raffinierten Verwicklungen, das auserwählte Paar sich doch noch findet.
Nicht nur aus fernen Gestaden und sehr alten Zeiten stammen die Märchen und Geschichten, auch aus Kochendorf und und in unserer Zeit spielend, gibt es hörenswertes zu berichten. Der Autor Nicolaus Kessener, der selbst schon als Vortragender im Figurentheater aktiv war, schrieb über ein alterndes Paar. Während der Mann sich mehr für eine Übertragung seines Fussballvereins zu interessieren scheint, bereitet sich seine Gattin auf ein festliches Klassentreffen vor. Natürlich schweifen ihre Gedanken in die Vergangenheit, als sie wild und gekonnt tanzten und die Liebe mächtig funkelte. Nun haben sie erwachsene Söhne und jeder geht seinen eigenen Interessen nach. Aus der alltäglichen Tristesse mit unerfüllten Hoffnungen und eingeschliffenen aneinander vorbei leben, entwickelt sich ein anrührendes Happyend. Ohne moralischen Zeigefinger wird klar: Liebe ist keine Frage des Lebensalters. Eine bezaubernde und sehr nachvollziehbare Erzählung, die durch den freien Vortrag noch viele feine Nuancen erfährt. Mancher der angegrauten Zuhörer wischt sich beim Klatschen beiläufig über die Augen….
Die Märchenerzählerin lässt jede Gestalt lebendig vor den Augen der gebannt lauschenden Zuhörer auferstehen. Sie wandelt ihre Stimme, und wenn, wie in einer „Erwachsenenfassung“ eines Märchens der Gebrüder Grimm sie von der bösen Hexe berichtet, die der jungen Liebe gehässig im Wege steht, dann funkeln ihre Augen und sie nimmt die knöchrige Gestalt der hässlichen alten Frau an. Den Zuhörern schauert es. Aber das junge und hübsche Mädchen sing ein melancholisches Lied und schon breitet sich eine ganz andere Stimmung im Raum aus. Auch dieses Märchen steuert auf ein glückliches Ende zu.
Nach jeder Geschichte, es sind auch gekonnt aufbereitete Anekdoten darunter, spielt der jugendliche Musikus Benjamin Schulte auf den Akkordeon ein kleines Musikstück. Allzu bald verbeugen sich die beiden perfekt zusammenagierenden Akteure, aber das Publikum lässt sie so nicht ziehen. Erst nach einer weiteren leicht frivolen jüdische Geschichte und noch einer Kostbarkeit auf dem Akkordeon endet die Vorstellung. Faszinierend wie die alte Kunst des Erzählens ganz moderne Zuhörer in ihren Bann zu ziehen vermag. Welch mächtige Bilder in dem kleinen Raum des Figurentheaters entstehen und gestandene Männer und Frauen beim zuhören sichtlich berührt werden. Schön das es grosse kleine Kunst noch gibt! (fst)
Bu: Märchenerzählerin Susanne Söder-Beyer mit der Gastgeberin Klara Korn auf dem Schoss

Punk op de deel – Thomas Lötzsch [EZ]

Thomas Lötzsch (47) Punk op de Deel
Buchvorstellung

 Der bekannte Musiker- und Musikpädagoge Tomas Lötzsch hat einBuch geschrieben. Seine Platten sind Legion, als bekannter Frontmann der in Deutschland äusserst beliebten Band Illegal 2001 wurde er richtig populär. Wie begann das alles?

 
Thomas Lötzsch wollte eigentlich ein Buch über seine Band Illegal schreiben, was in 23 Jahren Bandgeschichte mit all den tollen Leuten passiert ist. „Ich hatte immer vor ein Buch zu schreiben, ein Lebensziel. Wenn man irgendwann nichts neues macht – das ist bedenklich.“ 
 
 
 
 
In seinen in Roman erzählt Thomas aus seine Jugend in Hohenwestedt, wie er bereits als Kind nach Itzehohe fuhr, um die neusten Scheiben, Punk natürlich, einzukaufen. Daraus entstand in seinem Freundeskreis eine verschworenen Gemeinschaft. „Wir waren die Verhaltensoriginellen, wir waren Punks“ Das gab es in der norddeutschen Kleinstadt bisher nicht, die jungen Leute wurden teils misstrauisch, teils spöttisch von den Erwachsenen beäugt. „Wir waren eine kleine Horde junger Hunde, die einen Riesenspass daran hatten, anderen in die Waden zu beissen.“ Rumhängen mit den Freunden und die Alten provozieren bestimmten nicht nur den Alltag, nebenbei gründete man auch Bands, übte mehr oder auch viel weniger und wagte sich an Auftritte, die extrem grenzwertig waren. Neben einer Ausbildung als Möbeltischler war das tunen von Mofas viel wesentlicher. Aber erstaunlich viele kreative Fähigkeiten er übten sich die jungen Leute ganz nebenbei. 
 
Thomas Lötsch schreibt wie er spricht. In schneller Folge, mit viel Sinn für Humor, werden farbige Szenen geschildert von denen der Leser sich mühelos gefangen nehmen kann. Nach kurzer Zeit ist man in den 70iger Jahren, in der norddeutschen Provinz und erlebt die seltsame Mischung zwischen Mief und Aufbruch lebendig mit. Schwer fällt es, den Band wieder aus den Händen zu legen, der mit vielen, sogar bunten, Bildern aus den Fotoalbum des Autors angereichert ist. Thomas Lotzsch hat alles selber gemacht: erlebt, geschrieben, den Buchsatz, den Verlag. „Ein Buch zu schreiben ist körperliche Arbeit. Nach einigen Stunden konnte ich alles wieder sehen, wie es früher war.“ Anderthalb Jahre hat er an seinem Werk gearbeitet. Nur den Einband hat Freund Holger Ceglas für ihn liebevoll gestaltet. 
 
Kaum war das Manuskript druckbereit, standen schon zwei Kapitel als Hörbeispiele auf dem Videoportal „YouToube“. Sehr lebendig liest der Autor aus seinem Buch und schafft es spielend, das Neugierde entsteht und Appetit auf mehr. Das gibt es momentan nur in dem Buch „Punk op de Deel“, erhältlich für 19,50 € über loetzschmann@aol.com per email oder per Telefon & Fax 3872. 
 
Doch Thomas Lötzsch hat sich noch weiteres vorgenommen: Eine Hörbuch CD von ihm gelesen und angereichert mit Punk-Klassikern aus seiner Jugendzeit ist in Vorbereitung. Um jeglichen Stillstand vorzubeugen, will er dann erstmal mit dem Rauchen aufhören und einen ganzen Marathon laufen. Wenn dieser Schweiss auch wieder getrocknet ist, sollten wir ihn vielleicht mal wieder an den Folgeband erinnern: Wir war das mit Illegal 2001? Erzähl doch mal, schreib es auf! Nur damit kein bedenklicher Stillstand droht…. (fst)
Artikel in der EZ: https://www.shz.de/nachrichten/lokales/eckernfoerder-zeitung/artikeldetails/article//ein-roman-ueber-die-punk-jugend.html

Drei Mal Abschied im Künstlerhaus

26. JULI 2011

Drei Mal Abschied im Künstlerhaus

Drei Mal Abschied

Ein Stipendium prägt. Den Künstler der drei Monate im Künstlerhaus in der Ottestr. auf Einladung des Landes Schleswig-Holstein verbringen konnte und auch die Stadt, in der der Künstler gewirkt hat. Megumi Fukuda zeigte die Wirksamkeit gleich dreifach. Entsprechend den Gepflogenheiten des Künstlerhauses zeigte sie am Ende ihres Stipendiums womit sie ich in der Ostseestadt beschäftigt hat. Drei Facetten ihres Aufenthaltes präsentierte die zierliche Japanerin an drei Terminen. Am Freitag stand das Meer, oder eher das Salz aus der Ostsee im Zentrum. Die aus Hiroschima stammende Künstlerin, deren Studien sie aus ihrer japanischen Heimat nach Hannover und Berlin führten, stellte dieses Ausstellung unter den Titel: „Triften von Meer zu Meer“.

Eine Woche lang destillierte sie jeden Tag aus drei Liter Meerwasser das Salz hinaus. Spannend zu sehen, wie in den sieben Tütchen vollkommen verschiedenfarbige und in der Konsistenz unterschiedliche Körner lagerten. Die Traditionen und Fertigkeiten ihrer japanischen Heimat aufgreifend benutzte sie das Ostseesalz um zu gestalten. Mit vielfältigen funkelnden Kristallen überzogen hing ein kleines Buch von der Decke. „Die Erhaltung der Welt“ hatte sie in Origamitechnik gefaltet und zehn Tage in eine Salzlösung eingelegt.

Ein weiteres Buch (über Schleswig-Holsteins Städte) lag als vielfach befaltete Plastik aus und zeigte wie gebundenes bedrucktes Papier ohne jegliche Zerstörung sich wandeln kann.  Weitere Salzwerke präsentierte die in Berlin residierende Künstlerin im Rahmen eines aufgebauten Labors. Eine Rose, die ihr in Eckernförde geschenkt wurde, war in Salz konserviert, weitere Gegenstände aus ihrem Eckernförder Alltag waren zu bizarren, funkelnden Kunstwerken mutiert.

Den Brückenschlag zu der zweiten Ausstellung mit verlassenen Besitztümern, der am Samstag stattfand, stellte Sven Wlassack in seiner Einführungsrede her: „Strandgut ist ertrunkener Sperrmüll“. Megumi Fukuda hatte in ihrer ersten Zeit in der Ostseestadt vielerlei Gegenstände gesammelt, die sie jetzt als Geschenk an die Ausstellungsbesucher anbot. Schüsselchen, Vasen, Blumentöpfe mit Wildwuchs aus dem Garten des Künstlerhauses, Spiegel und wunderliche Weihnachtsdekoration waren zu einer bizarren Skulpturenausstellung im Flur des Hauses aufgebaut. Getragen war diese bunte Ansammlung von einer Beobachtung die die Künstlerin in Berlin gemacht hatte. Verlassenschaften waren in einer grossen Kiste am Strassenrand aufgestellt und mit einem „zu verschenken“-Schild gekennzeichnet. Nicht wegzuwerfen, sonder weitergeben – diesen Gedanken war sie in ihrer japanischen Heimat nicht begegnet. „So bekommt man Erinnerungen anderer Leute geschenkt“ erklärte die Künstlerin ihre Faszination. Bald waren, wie bei grösseren Ausstellungen üblich, viele der ausgestellten Werke mit aufgeklebten roten Punkten als bereits vergeben gekennzeichnet.

Den letzten Teil der kreativen Trilogie widmete Megumi Fukuda am Sonntag in ihrem Atelier dem Thema Fisch. Eckernförder Fische begegneten der japanischen Küche  und die Besucher durften diesmal ihren Geschmackssinn aktivieren. Ein sehr feinsinniger und vielfältiger Abschied aus Eckernförde, der Traditionen zweier sehr unterschiedlichen Gegenden mit Kunst und Humor in gekonnter Weise verband. Tschüss Megumi Fukuda, wir werden dich vermissen! (fst)

Hofart in der EZ

Hinterhöfe im Allgemeinen verfügen über einen verschwiegenen und eigentümlichen Charme. Sie entfalten diesen Charme besonders dann, wenn sie unvermutet in der Innenstadt Eckernfördes beim Schlendern durch die Nicolaistraße etwa, entdeckt werden. Genauer: In der St.-Nicolai-Str. 7A, fast neben Café Heldt, gibt es eine Fotoausstellung mit Motiven der Ostseestadt, die mit dem originellen Hinterhofcharme korrespondieren. „Hof Art“ nennt Fognin seine Bildergalerie, die bei schönem Wetter für alle Besucher geöffnet ist.

In der kleinen Ateliergalerie werden die Motive auf verschiedenen Materialien (AluDiBond, Kunststoff, Metalle) mit überraschender Tiefen- und intensiver Farbwirkung präsentiert. Fognin, der die gezeigten Motive in den letzten fünf Jahren in und um Eckernförde fotografierte, bietet sie auch als Postkarten an, die über die Händler in Eckernfördes Innenstadt zu erwerben sind.

„Die Künstlerstadt Eckernförde, die als solche immer noch zu wenig ins Bewusstsein der Besucher gerückt wird, hat mit meiner kleinen Ausstellung hoffentlich einen Akzentpunkt mehr aufzuweisen“, hofft der Künstler, der an dem Konzept zu dieser Präsentation über ein Jahr gefeilt hat. www.mmeck.de/fogart 

EZ am 25.5.2011

Eckernförde hat Schlagsaite

Fünf junge Kerle stehen auf der Bühne und klampfen, singen, fiedeln. Und der ehrwürdige Raum der Siegfriedwerft tobt und tanzt, wippt mit und alles swingt. Die Fünf nennen sich Schlagsaite, kommen aus Köln und sind bis oben hin mit melodischen Liedern, witzigen Texten und fröhlichen ansteckenden Melodien gefüllt, die sie grosszügig und gutgelaunt über ihr Publikum ausgiessen. Folk- Chanson- und Liedermacherformation, so nennen sie ihren genialen Stilmix, der in die Beine geht ohne den Kopf zu vernachlässigen. Viele eigene Texte, oder auch Vertonungen von den kritischen Nachkriegspoeten wie Erich Kästner, Ringelnatz und Borchert sorgen für Substanz, dazu Melodien und Rhythmen die vom Folk ausgehend, keine Näherungsängste mit anderen berührenden Musikrichtungen haben. Neben der deutschen sind auch weitere Sprachen zu hören, selbst russisch kommt hitverdächtig flott rüber. Ohne Pause und ohne Noten wird in alter Waldecktradition stehend musiziert und gesungen, mit witzigen und spontanen Ansagen.
 

Per Publikumsakklamation wurde die 18jährige Svenja Funke zur besten Tänzerin gekürt und bekam die neue CD „und was kommt nun“ von Schlagsaite geschenkt. Sichtlich glücklich tanzte die Schülerin danach noch ausgelassener.

Die Musiker touren derzeit durch Norddeutschland, haben bereits erfolgreiche Auftritte in Hamburg, Kappeln und Flensburg (mit dem Eckernförder Duo Caldera) absolviert, bevor sie in Eckernförde zeigen konnten, dass sie nicht nur junge Leute zu begeistern vermögen.

 

Spontan holten die Band die hafenmusic Organisatorin Sigi Siemsen auf die Bühne, zusammen wurde eine besonders fetzige Version von „bei mir biste Scheen“ gesungen und gespielt. Nachvollziehbar auch das Gefühl. das in dem Song „Berlin 24/7“ zum Ausdruck kommt: Von der kleineren Stadt in die grosse Hauptstadt gekommen und äusserst irritiert: Wann soll man gehen, wenn die Kneipe rund um die Uhr geöffnet ist?

Die Mischung aus zwei Gitarren, e-Klavier, Geige, Kontrabass und Akkordeon und dem Gesang aller Bandmitglieder ist ein Erfolgsrezept, dass sich hinter den 17 Hippies nicht zu verstecken braucht.

Für Eckernförde bleibt nach diesem sehr lebendigen und erlebnisreichen Konzert nur die Frage: Gibt es hier eine grössere Bühne um ein zahlreicheres und alle Altersstufen umfassendes Publikum zu begeistern? Vielleicht ein Tipp für die grossen Hafenveranstaltungen im Eckernförder Sommer? (fst)

„Gaststar“ Sigie Siemsen

Daniel Hermes:Gesang, Gitarre;(hinten:) Dimitrie Miron:Geige; Simeon Miron:Kontrabass; Markus Breuer:Gesang, Gitarre; Markus Giesler:Akkordeon

EZ: Unterhaltsame Geschichtsvorlesung über angewandte Piraterie

angewandte Piraterie

Seit Jahrhunderten befährt der als „Magister der sieben Künste“ bekannte Pirat und „Likedeeler“ Magister Wigbold (*1365) die Weltmeere. Viel hat er erfahren und erlebt zusammen mit Klaus Störtebeker und Gödeke Michel. Am Sonnabend schwadronierte der als „listiger Zwerg“ gefürchtete Freibeuter im Haus an der Reeperbahn über seine Erfahrungen und dozierte über die Verwicklung des traditionellen Piratentums in der aktuellsten Politik.
„Habt ihr heute schon gemeuchelt?“ So wurde das Publikum im ausverkauften Kinosaal des Jugendzentrums begrüsst und wie es sich für einen gelehrten Dozenten und Doktore gehört mussten die Studenten Rede und und Antwort stehen. Detailliert beschrieb der kleine Freibeuter, in dessen staubigen Gewand sich die gewiefte Aktionsschauspielerin Gabriele Pahms verbarg, die geschichtlichen Vorkommnisse der Freibeuter zwischen Ost- und Westsee. Poltrig streng mit harschen ungeduldigen aufstampfen des knotigen Stockes wurde die Anwesenden examiniert und mit schelmischen Grinsen und einem triumphalen „Na also – geht doch“ für kluge Antworten belohnt.
Mit zur Mannschaft des umtriebigen Kapitäns gehörte die schöne Esmeralda (Cordula Thonett, Figurentheater im Kabuff) die verzückt die Augen verdrehte in Andenken an die schönen schwedischen Männern damals und der knarzige alte Pirat Alberich Grünhaar. Da Alberich als Handpuppe (oder vielleicht auch wegen seines wurmstichigen Holzbeines?) an seine Esmeralda gefesselt war, giftete er diese gerne mal an und verwickelte sie in gewohnheitsmäßige Kleinstreitgespräche. Was ihn aber nicht abhielt mit den hübschen Frauen im Publikum nebenbei noch zu flirten.
Der Pirat „Musicus“ mit wallenden Dreadlocks war auch mit an Land gekommen um mit Akkordeon und Gitarre für musikalische Stimmung zu sorgen. Aus dem Rathaus hatte er sich als Souvenir den „Bürokraten Maier“ mitgebracht, der für ihn das Schlagzeug zu spielen hatte. (Benjamin Schulte und Dominik Kessener vom Eckernförder „Duo Caldera“) Während die Mannschaft die fröhlichen Seiten des Piratenlebens in so eingängigen Liedern wie „… und ausserdem haben wir gute Laune“ hochleben liess, zeigte der gelehrte Magister auf, dass die traditionellen Piratentricks wie Bangemachen und Stillschweigen auch heute noch in der Politik bestens funktionieren. Ob Bankenkrise, Gesetze durch Lobyisten, Stuttgart 21, Atomverträge und Internetmacht – stets sind es die alten Piraten oder zumindest ihre bewährten Methoden mit denen das (Wahl)volk verscheissert und genasführt wird.
Nach dem das lebhaft mitgehende Publikum über diese wesentlichen Grundzüge uralter und hochaktueller Piraterie eingehenden unterrichtet worden war, akquirierte der beherzte Magister seine neue Mannschaft aus den Anwesenden. So mancher Besucher kam ins sinnieren: Wie wäre es die Seiten zu wechseln zu den direkt-demokratisch geführten Schiffen der Freibeutern, die ihre Beute gerecht und gleich teilen, die eine funktionieren Altersversorgung bieten und wild und frei leben?.
Gabriele Pahms und ihren Künstlerkollegen gelang es einen unterhaltsamen Abend zu gestalten, der bei allen Klamauk und Ulkereien auch geschichtlich informative Details offenbarte und gleichzeitig bestes politisches Kabarett bot, mit seinen manchmal etwas bitteren Pointen. Eine gelungene Show aus Eckernförde die sich als Exportartikel empfiehlt. (fst)

Falko und seine Stadt

Kennt ihn jemand nicht? „der weisse Fleck in Eckernförde, Falko Windhaus ist in der Stadt bekannt wie ein bunter Hund“ wordspielte Bürgermeister Jörg Sibbel am Freitag Abend bei der Begrüssung zu der Ausstellung „Falko – Eckernförde 1985 -2010“ in der Galerie 66. Reichlich Publikum, Gratulanten und Freunde hatten sich auf dem BSIC zusammengefunden um den stadtbekannten Künstler zu ehren und seine umfangreiche Werkschau zu geniessen. 
Fast jeder der Besucher und der Laudatoren verbindet mit Falko Windhaus auch etwas persönliches. Dieses Zusammenspiel zwischen dem menschlich wirksamen Künstler und dem kreativen Menschen Falko lässt sich bis in seine Werke, Gemälde, Objekte, Fotografien, Raumgestaltungen, Kochevents und Feiern hinein verfolgen, zeigte Dr. Uta Kuhl (Landesmuseum Schloß Gottorf) in ihrer Einführung zur Ausstellung auf. 
Kenntnisreich wies die Museumspädagogin auf Analogien zwischen dem Eckernförder Umfeld und den Spiegelungen in den Bildern des Malers hin. Am bekanntesten dürften dabei seine Stuhlreihen sein. Stühle die sich unterhalten, die Geschichten erzählen und menschliche Verhaltensweisen annehmen und sich in verschiedenen Umfelder einfügen. Genau so populär und vielschichtig, die grosse Serie der Drahtseilakte – Balancen in den unterschiedlichsten Situationen und Lebensumständen in künstlerischer Vollendung dargestellt. Aber weit über die bekannten Serien, zu denen die roten Häusern natürlich auch gehören, geht das gestalterisch Sichtbare von Falko Windhaus hinaus. Gerade in letzter Zeit sind Plastiken, Collagen, Fotografie und weitere unterschiedlichste freie Arbeiten dazugekommen. 
Falko, der es überhaupt nicht schätzt wenn man seine Person in den Vordergrund schiebt, verweist dabei nur zu gerne auf seine Werke die ihn biographisch vertreten sollen. Natürlich ist er als Restaurator und Student zweier Kunstschulen bestens ausgebildet, selbstverständlich gehören die vielfachen Tätigkeiten als Galerist, Kurator und Veranstalter zu seinem biografischen Rüstzeug. Aber tatsächlich lässt sich die vielfache Persönlichkeit eher über seine Werke aufschlüsseln, als über eine längere Abhandlung. Seine Freude, gerade jüngere Menschen in kreative Gestaltung zu begleiten, betonte Prof. Peter Jochimsen in seiner kurzen Rede, aber es zeigt sich auch in Bildern, die er zusammen mit chinesischen Kindern gemalt hat. Sein Eintauchen in fremde Kulturkreise wie China und Russland lässt sich in einigen seiner neueren Plastiken lebendig miterleben. Jeder biographische Punkt, lässt sich so auch anschaulich künstlerisch erleben.
Eigentlich ist Falko in Eckernförde nur ein Kreativer unter erstaunlichen vielen. Aber 25 Jahre Eckernförde haben nicht nur Falko geprägt, auch „seine“ Stadt hat er vielfältig verändert. Ohne Reden, ohne viele Worte und mit bestimmter Zurückhaltung was seine Person angeht, aber kreativ und kommunikativ über seine Werke und und beredten Taten. Eine umfassend gute Gelegenheit auf den Erlebnispfad Falko / Eckernförde zu gelangen bietet die weitgefächerte Ausstellung in der Galerie 66 im Baltic Sea International Campus (BSIC) noch bis zum 15. Januar 2011, jeweils Montags bis Freitags von 11-18 Uhr. Und für den, der bildhafte Kommunikation mit gebildeter Kommunikation krönen möchte: Der Künstler ist anwesend. (Markus Feuerstack)

Kommentar: Kürzungen „Neue Musik“ Eckernförde

Kommentar „Der Prophet im eigenen Land…“

geschrieben für die EZ (unveröffentlicht)

Die Musikreihe „Neue Musik“ kommt in das zehnte Jahr ihres Bestehens in Eckernförde. Stetig steigende Zuhörerzahlen zeigen ihren Erfolg auf lokaler Ebene, auch wenn etliche Besucher aus dem schleswig-holsteiner Umland anreisen. Bedeutender für die Stadt ist die internationale Wirkung: „Uraufgeführt in Eckernförde“ ist immer wieder in den Werksbiographien bedeutender zeitgenössischer Komponisten zu lesen. Bekannte Ensembles aus aller Welt schauen sehnsüchtig in unsere Stadt als Aufführungsort mit lebhafter Publikumsbeteiligung. Beatrix Wagner und Gerald Eckert gelang es in zehn Jahren zu beweisen, das moderne, anspruchsvolle Musikaufführungen nicht an die klassischen Metropolen gebunden sind.
Umso seltsamer ist es wenn nun durch den anstehenden Sparhaushalt genau diese Musikreihe überproportional gekürzt werden soll. Haushaltssanierung auf Kosten einer Veranstaltungsreihe die den Namen der Stadt in alle Welt trägt, ist marketingmässig eine Niete – kulturell eine Katastrophe. Verständlich, wenn die Zuständigen in Politik und Verwaltung aus Zeitmangel oder Desinteresse keinen Zugang zu dieser Kunstrichtung finden. Unverständlich, wenn sie ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal ausradieren und damit den Ruf der Stadt nachhaltig schädigen. Noch ist Eckernförde kulturell mehr als Provinz – nicht zuletzt wegen des Lärms den die beiden rührigen Musiker werbewirksam in die ganze Welt blasen.(Markus Feuerstack)

 

Ende der Welten – ausdrucksstark erlebt (EZ)

Ende der Welten – ausdrucksstark erlebt

Es gab viel zu feiern. Und es wurde grossartig gefeiert. Lautstark, zart, lang und mit qualitativ besten Inhalten. Am Freitag Abend zelebrierte die renommierte Eckernförder Reihe „Neue Musik“ ein einzigartiges Konzert. Gerald Eckert, der in Eckernförde lebende Komponist mit internationaler Ausstrahlung, wird dieser Tage (*27.12.1960) 50 Jahre alt, die Musikreihe beginnt ihr zehntes Jahr und eine erfolgreiche Saison von Konzerten erlebte ihr Abschlusskonzert.

„Fin des terres“ so der Titel dieses in drei Einheiten gegliederten Abends, bot ein umfassendes und mit zahlreichen Instrumenten besetztes Programm. Das in flexibler Besetzung agierende „esemble reflexion K“ bot allein elf Musiker auf, dazu kam das Schlagzeugduo „Eardrum“. Die musikalische Leitung und der künstlerische Fokus wurde von Gerald Eckert bestimmt, der mit dem inkl. Pausen dreistündigen Programm ausführlich gewürdigt wurde. Nicht nur eigene Werke des Komponisten wurden gespielt, auch ihn prägende Komponisten beleuchteten seinen musikalischen Werdegang. Morton Feldman (1916-1987), Gérard Grisey (1946-1998), Stefano Gervasoni (*1962, Italien) und natürlich Nicolaus A. Huber (*1939) repräsentierten dieses Umfeld. Von Gerald Eckert wurden in grosser Besetzung „Studie über Nelly Sachs“ (2008), „Bruchstücke… erstarrtes Lot“ (1999) und das für diesen Abend namensgebende „offen – fin des terres“ (2002) aufgeführt.

 

Der erste Teil des dreigegliederten Abend bestimmten drei Schlagzeugduos. Die zahlreichen Zuhörer in der St.-Nicolai-Kirche erlebten zwei mit vielerlei Klanginstrumenten ausgestattete Schlagzeuge, die optisch und akustisch raumergreifend operierten. „Void“ von Gerald Eckert war mit ca. 30 Minuten der längste Titel des Abends. „Geformte Stille“ und „Nachspüren“ sind Begriffe mit denen der Komponist dieses imponierende Werk charakterisiert.

Beindruckend auch die weiteren Werke von Gerald Eckert, besonders da sie mit grössere Besetzung zur Aufführung kommen konnten. „Studie über Nelly Sachs“ von 2008 für Sopran und Ensemble, beschäftigte sich mit Teilen, Partikeln, die unerbittlich ablaufen. Das Stück eröffnet einen Klangraum der es den Zuhörern ermöglicht den Stimmungsanteil der Dichtung von Nelly Sachs wiederzufinden und zu sich selbst in Bezug zu setzen.

 

„Bruchstücke… erstarrtes Lot“ von 1999 und „offen – fin des terres“ (2002) sind zwei weitere bedeutende Kompositionen die einen tiefen Einblick in das Werk von Gerald Eckert ermöglichten. Bei dem letzt genannten Stück wurde durch die Verwendung von gleich zwei Zuspieltonbändern Eckerts feinfühliger Umgang mit dem Raumklang deutlich. Durch musikalische Elemente, feinste Töne, die fast unter die Hörgrenze gehen, zwingt er das Publikum in einen sehr lebendigen Klang- und Erlebnisprozess hinein. Vielleicht sind es gerade Eckerts Werke die die ungewöhnlich zahlreiche Teilnahme der Zuhörer an dieser besonderen Musikrichtung in Eckernförde ermöglichen. Jedenfalls feierten die anwesenden Zuhörer „ihren Komponisten“ und die vielen Ausnahmemusiker durchgehend mit langanhaltenden Beifall. Es war – wieder einmal – ein grandioses Konzert und ein spannendes Portrait über den Künstler Gerald Eckert. (fst)

Ausstellung „Fliegepapiere“ in der Galerie 66

Papier ist Kunst – Erwin Dooses Ausstellung „Fliegepapiere“ in der Galerie 66

Ein Leben für Papier

Erwin Doose und Katherine Houghton
Erwin Doose ist unter den zahlreichen Eckernförder Künstlerpersönlichkeiten eine stille, schwer zuzuordnende Grösse. In der Galerie 66 auf dem BSI-Campus wurde am Freitag eine umfassende Werkschau eröffnet. Begrüsst wurden die Besucher von Uwe Döring (Minister a.D.) und dem Musiker Martin Mech auf seinen Didgeridoos. In das Leben und Werk des eigenwilligen Künstler führte Katherine Houghton charmant und lebendig ein. Sie lies den Lebenslauf des Künstler Revue passieren. Doose, der 1942 in Danzig-Olivia geboren wurde, begann mit einer bodenständigen Ausbildung als Buchbinder. Die monotonen Seiten dieses Berufes lernte er über acht Jahre in einem Industriebetrieb kennen, in dem er als Papierschneider unter anderem am grossen Brockhaus mitarbeitete. Eigentlich wollte er die kreativen Seiten seines Berufes als künstlerischer Bucheinbinder in der Muthesius Hochschule in Kiel vertiefen, aber er wechselte schnell zur Bilderhauerei über. Zeichnen und porträtierendes Plastizieren waren Schwerpunkteseiner Tätigkeit. 14 Jahre arbeitete er als Lehrbeauftragter an der Kunstschule. Seit dem ziert eine geradezu unendliche Liste von Ausstellungen, Stipendien und Kunstpreisen seine künstlerische Biographie.

Erwin Doose, Ulrike Piekenbrink, Galerist Falko Windhaus, Martin Mech (Musiker Didgeridoo)
Seinen beruflichen handwerklichen Wurzeln blieb er auch als gefeierter Künstler stets eng verbunden. Sein charaktervoller Satz: „Ich rette Papier, so gut es dies will“ ist zum lebenslangen Programm geworden. Wobei die Werkzeuge, die in der Papierverarbeitung genauso wie in der Bildhauerei wesentlich sind, zu seinen Materialkanon dazu gehören. Ihn reizt dabei nicht das jungfräulich neue Material, sein liebevolle Hinwendung gilt Schleifscheiben, Papiere usw. die ihre Geschichte bereits gelebt haben, die dem Verderben anheim gestellt sind und die er zur Kunst errettet – die in den Augen und Seelen der Betrachter eine kleine Ewigkeit weiter existieren dürfen.

Die Ausstellung „Fliegepapiere“ zeigt ein umfassendes Werk an Plastiken, Reliefbildern, Collagen und Malereien – eine meditative Erlebnislandschaft die erfahren, erschaut werden will. Manchmal erzählen die Werke ihre Geschichte. Dem Aufmerksamen gelingt es zu erschauen aus welchen früheren Zustand das Material metamorphosiert wurde. Bei andern Werken beginnt die Geschichte des Auserlesenen neu – die künstlerische Gestaltung dominiert als fertiges Werk. Es wird Erwin Dooses künstlerische Bedeutung nicht gerecht, ihn nur auf seine Materialien zu reduzieren. So herausragend sein Umgang mit diesen ist, so bedeutend aber auch die Gestaltung an sich. Der (vorläufige) Endpunkt einer Geschichte ist eindeutig ein Neuanfang, eine Geburt einer neuen Geschichte, die der Kunstfreund nicht nur für sich erobern kann, sondern als Käufer im neuen Umfeld wieder weiter beleben kann. (Markus Feuerstack)

Erwin Doose „Fliegepapiere“
Galerie 66 im Baltic Sea International Campus
Lorenz von SteinRing 1-5
24340 Eckernförde
Mo-Fr 11-18 Uhr Wochenende nach Vereinbarung
04351- 667650

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Musik ungewöhnlich

  Neue Musik ungewöhnlich

Selbst bei der künstlerischen Avantgarde gibt es Alltag. Diesen zu durchbrechen braucht es ungewöhnlichen Aufwand. Das Konzert „Samen.Sprungfedern /colurs IV“ zeigte eine solche Grenzverletzung. Zum heimischen ensemble reflexion K in der Besetzung Beatrix Wagner (Flöten), Gerald Eckert (Dirigat) und Johannes Fischer (Schlagzeug), gesellten sich Astrid Schmeling (Flöten) und Matthias Kaul (Schlagzeug) vom Ensemble l´art pour l´art. Dazu kamen als Gäste noch Nari Hong und Martina Roth (beide Flöten). Insgesamt also vier Flötistinnen, die teilweise auf zehn Instrumenten spielten, und zwei Schlagzeuge. Ungewöhnliche Besetzung – noch ungewöhnlicheres Programm.

 

Die Biographie des koreanisch-deutschen Komponisten Isang Yun liest sich wie ein Roman. Vielfach von den politischen Bitternissen seiner Zeit (er lebte von 1917-1995) persönlich betroffen, wechselte er 1971 endgültig von seinem geteilten Geburtsland in das genauso geteilte Deutschland. Hier gelang es ihm, internationale Akzente als Komponist zu setzen. Sein „Quartett“ für vier Flöten (eigentlich zehn!) wurde zum furiosen, gelegentlich schmerzhaften Auftakt des Konzertes in der St.-Nicolai-Kirche.Der österreichische Komponist Klaus Lang ist bereits 2008 in Eckernförde aufgeführt worden. Sein Werk von 2001 „Der fette Hirte und das weiße Kaninchen“ forderte die Ohren der Zuhörer. Zarte Töne von zwei Flöten und zwei Schlagwerken ließen sich mit menschlichen Atem assoziieren und kontrastierten so deutlich zum vorangegangenen Werk.

Als Raumklanginstallation mit außergewöhnlichem Aufbau, seltsamen Tönen und viel Spass kam das Werk „Vacuum Ritual II“ von Matthias Kaul zur Aufführung. Vier Flöten stehen als Instrumentenangabe im Programmheft. Tatsächlich spielten die Musikerinnen auch auf verschiedenartigste Weise – trompetenähnlich, singend, klopfend – auf Einzelteilen ihrer Instrumente. Die Klangvariationen, die hierbei erzeugt wurden, waren schier unerschöpflich. Diesem ungewöhnlichen Klanggeschehen gesellten sich vier elektronisch geregelte Staubsauger hinzu. Aus den infernal klingenden Reinigungsmaschinen, die für mich zumindest, stets mit ungemütlicher, nervender Atmosphäre verbunden waren, wurden fast kultische Klangerzeuger, die den umgebenden Kirchenraum zum Vibrieren brachten. Ungewöhnliche Klänge allenthalben, mit viel Spaß und Augenschmaus.

Die zwei Schlagzeuger hatten ihren großen Auftritt in dem nur durch Regieanweisungen eingeschränkten Improvisationswerk „Edges“ (1968) des Amerikaners Christian Wolf (*1934). Optisch, klanglich und spielerisch – ein gelungener Entspannungsmoment in diesem breitgefächerten Konzertprogramm.

Eckernfördes großer Komponist Gerald Eckert gibt sich stets seriös, so auch in „absence – traces éloignées“ (2007) für vier Piccoloflöten und zwei Schlagzeuger. Das Werk baut ein energiegeladenes Spannungsfeld zwischen den unterschiedlich agierenden Hochtönen der kleinen Flöten und den teilweise sehr tiefen und dramatischen Tönen der reichlich bestückten Schlagzeuge auf. Mit diesen, in seinem Dynamikumfang für Eckert eher ungewöhnlichen Werk fand der sowohl musikalisch als auch optisch ungewöhnliche Abend mit Neuer Musik seinen angemessenen Höhepunkt.

Das nächste Konzert der Reihe Neue Musik findet am 12. November um 19 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche statt. Das Duo eardrum und das ensemble reflexion K werden anläßlich Gerald Eckerts 50. Geburtstag Werke von Nicolaus A. Huber, Gérald Grisey, Stefano Gervasoni und natürlich Gerald Eckert zur Aufführung bringen. Von diesem wird es auch einige noch nie in Eckernförde gespielte Werke zu hören geben. (Markus Feuerstack)

Resumée und Ausblick im Künstlerhaus

23. JUNI 2010

Resumée und Ausblick

Internationale Künstler sind die ständigen Besucher im Künstlerhaus in der Ottestr. 1. Auf Einladung des Landes Schleswig-Holstein wird ihnen eine mehrmonatige Arbeitszeit in Eckernförde geboten. Inzwischen sind kleine Ausstellungen der Kreativen Besucher schon eine Tradition.

 

Am Wochenende zeigte die aus Korea stammende Jeong-Eun Lee ihre Impressionen unter dem Titel „Alltagshaiku in Eckernförde“. Lutz-Rainer Müller, gerade erst 14 Tage hier, öffnete sein Atelier auch für Gäste und zeigte einige skizzenhafte Installationen aus seinem momentanen Beschäftigungsfeld.

Jeong-Eun Lee hat in Seol und in Hamburg, wo sie momentan lebt, studiert. Ihren Arbeitsraum in der Ottestr. 1 hat sie aufwendig mit einem Fries aus Zeichnungen und Videoinstallationen versehen, der ihre Eindrücke und Erlebnisse in Eckernförde seit Februar 2010 zeigt. Während draussen Eis und Schnee die Natur und die Stadt beherrschten zeichnete sie die Innenräume ihres Ateliers und erkundete mit dem Fotoapparat und der Filmkamera das Umfeld. Ihr Aufbau lies den Spannungsbogen Innen-Aussen beim Betrachter zum deutlichen Erlebnis werden, die Bilder sowie die sehr gelungene Zusammenstellung, die sich an teilweise imaginären Horizonten ausrichtete, erzählten eine Geschichte ohne Worte. Jeong-Eun Lee hat sich sehr intensiv mit dem Umfeld ihres Stipendiums auseinander gesetzt.

 

Lutz-Rainer Müller hatte bisher erst wenig Zeit sich in Eckernförde heimisch zu fühlen. Er stammt aus Neustadt in Ostholstein und studierte in Oslo in Norwegen. Sein jetziger Heimatort ist Leipzig. Er nutzte den grossen Atelierraum um zwei Installationen und ein Bildinstallation zu zeigen, die er aber als Skizzen oder Notizen verstanden haben möchte. Unter dem Arbeitstitel „Spuren“ beherrschte eine grosse Leinwand den Raum, auf dem Spuren von Hölzern eingebrannt, die wie Betrachter sich vor dem Bild versammelten. Da der Künstler gerne Momente seiner Umfelds aufgreift und reflektiert, konnte man Spuren der grossen Bagger die die Ottestr. derzeit beackern auch in einer Bodeninstallation erleben. Ein kleineres, sehr vielschichtiges Bild war direkt in die Atelierwand eingebrannt und regte unmittelbar zum sinnieren über Nachhaltigkeit und Flüchtigkeit von Spuren an. Lutz Müller überlegt ob er noch weitere Impressionen von Eckernförde während seines zwei monatigen Stipendiums in die Öffentlichkeit bringt. (fst)

Kleine Besetzung – grosses Konzert

Kleine Besetzung grosses Konzert

Einer der vielen spannenden Momente der Musikreihe „Neue Musik“ ist die sich wandelnde Besetzung des gastgebenden „Ensembles Reflexion K“. Mal in grossem Umfang mit vielen Musikern aus der umfangreichen Stammbesetzung, oder auch sehr bescheiden als Trio kommt diese Gruppe aus dem Bereich der zeitgenössischen Musik daher. Am Sonnabend hatte die Eckernförder Flötistin Beatrix Wagner, Organisatorin und Herz der Formation, ganze zwei Musiker mitgebracht. Zum bekannten Stamm gehört die Harfenistin Eva Curth (Ignatjeva), deren furioses Spiel bei uns schon viel Anklang finden konnte. Erstmalig dabei war der Bratschist Nikolaus Schlierf (*1969). Der Hans-Eisler-Preisträger für Neue Musik brachte ein aufsehen erregendes Doppelsolo mit: Walter Zimmermanns (*1949) „Taula und Novo Ben“ von 2003 sieht zur Viola obligaten Gesang vor – vom selben Musiker und gleichzeitig. Erstaunlich wie Schlierf mit beeindruckender Kopfstimme ein gewaltiges Klangspektrum entfaltete und den Kirchenraum mit seinen Tönen zu füllen vermochte. Das Publikum feierte dieses Können mit anhaltendem Applaus.

Ein weiteres Solo an diesem Abend kombinierte ebenfalls Gesang mit einem Instrument. Bei dem Werk „Especially …“ das Dennis Eberhard (1943-2005) 1983 komponierte sang Eva Curth in ihre Harfe und zeigte einige weitere Klangentfaltungsmöglichkeiten dieses ans sich schon sehr vielseitigen Instruments.

Mehre Triokompositionen für Flöte, Harfe und Viola belichteten ein ungewöhnliches Klangspektrum von Instrumenten, die in dieser Zusammenstellung zum ersten Mal bei Claude Debussy zu finden sind. Das als rhythmische Studien beschriebene Werk von Johannes Schöllhorn (*1962) „under ones´s breath“ von 1996 nimmt in der Form Bezug auf Debussy, inhaltlich kommt durch teilweise ungewöhnliche Spieltechniken ein sehr modernes Bild zum Erleben.

Die Finnin Kaija Saariaho (*1952) lebt in Paris und gab mit ihrer Komposition von 1996 den einen Teil des Konzert-Mottos „new gates“ vor. Inhaltlich aber auch den zweiten Teil des Mottos „colours“ – wenn man es als „farbige Stimmungen“ übersetzen möchte. Ihr Werk, aber auch „Als eine Aussicht weit“ (1996) von Nicolaus A. Huber (*1939) und die anderen Kompositionen des Abends, zeigten auf, wie zeitgenössische Musik, genauso wie die Musik vergangener Epochen, direkt emotional erlebt werden kann. Grandios gespielte Triostücke, die stets auf der Höhe der Zeit, erlebnismässig weite Bögen zu spannen vermögen. Ein tiefgehender Abend in der Nicolaikirche, der in Auswahl und Interpretation aufzeigte, wie in kleiner Besetzung ganz grosse Musik zum erleben gebracht werden kann.

Das nächste Konzert findet am 6.8 mit dem „ensembles voces berlin“, das zusammen mit dem „duo reflexion K“ Werke aus dem 12. Jahrhundert der Musik Gerald Eckerts gegenüberstellt, statt. (fst)

[fognin] EZ: Offenes Haus fetzt in voller Werft

Offenes Haus fetzt in voller Werft

Folk Baltica, das nordische Musikfestival starte dieses Jahr in Eckernförde mit einem fetzigen Konzert in der fast übervollen Siegfriedswerft. Fribo (norwegisch für „offenes Haus“), eine Fusion-Folk-Gruppe verbindet mit ihrer klangvollen melodischen bis sehr fetzigen Musik die Kulturen Schottlands und Sandinaviens. Im Mittelpunkt der Gruppe agiert die Sängerin und (Oberton-) Flötistin Anne Sofie Linge Valdal aus Westnorwegen, die jugendlich mit starker Stimme genauso zartfühlend agieren kann, wie sie mit hohen Tönen spielend den Raum füllt. Ebenfalls singend spielt der Gitarrist Ewan MacPherson auch Maultrommel. Er stammt aus Schottland und bringt den keltischen Einschlag mit seiner uralten Folktradition in die Gruppe. Aus Schweden stammt der Percussionist Magnus Lundmark, der dem Sound die differenziellen Spannungen verleiht. Für das Eckernförder Konzert ersetze Lauren MacColl die Geigerin Sarah-Jane Summers.

Fribo wurde ein Opfer der metallischen Vulkan Wolken: Die Anreise der Gruppe aus Schottland mit Auto und Fähren gestaltete sich mühsam, zumal nur eine Fahrerin für die ganze Strecke zur Verfügung stand. Von Müdigkeit war aber in der Siegfried Werft nichts zu bemerken. Ihre bemerkenswerte Mischung aus schottischen Traditonals, skandinavischen Tanzmelodien und gälischer Mouthmusic arbeite die gemeinsame Grundlage der europäischen Folkmusik bestens heraus.

Egal ob Tanzmelodien, die den eng sitzenden Zuhörern die Beine zucken liessen, oder unterhaltsame Balladen, die von wunderlichen Begebenheiten und Geschichten erzählten – stets war ein musikalischer Zusammenklang zu erleben, der nicht nur erfrischend und unterhaltsam war, sondern auch musikalisch mitreissend. Die 2003 gegründete Gruppe wird in den nächsten tagen noch auf weiteren Folkbaltica Spielstätten zu erleben sein (www.folkbaltica.de). In Eckernförde hat das Festival noch einen weiteren Höhepunkt zu verzeichnen: In der Galerie nemo des angesehenen internationalen Kurators Norbert Weber wird am Sonnabend, 24. April ab 17 Uhr, zeigt Evelina Deicmane unter dem Titel „Season Sorrow“ eine klangliche

Rauminstallation. Die Arbeit der Künstlerin war 2009 in dem von Weber kuratierten Pavillon Lettlands auf der Biennale in Venedigzu sehen und kann nun kostenlos in Eckernförde bis 11. Juni begutachtet werden. Am Abend um um 19 Uhr wird im Kommunalen Kino im HAUS an der Reeperbahn 28 der NDR-Naturfilm „Lettland – Wildnis zwischen Riga und Russland“ gezeigt. (fst)

Gerhart Bettermann

Gerhard Bettermann

Bilder aus Eckernförde und dem Rest der Welt.
Einer der interessantesten Maler die in der norddeutschen Region wäre im Februar 100 Jahre alt geworden. Das Eckernförder Museum widmet Gerhart Bettermann eine Sonderausstellung und zeigt unter dem Motto „In Schwansen und der Welt zuhause“ spannende Teilaspekte des ungewöhnlichen Künstlers.
Gerhart Bettermann wurde am 23. Februar 1910 in Leipzig geboren, er absolvierte auf Druck seiner Eltern, die einer künstlerischen Laubahn ablehnend gegenüber standen, eine Schlosserlehre.
Bereits während der Ausbildung begab er sich auf umfangreiche Wanderungen. So als 1927 die sächsischen Metallarbeiter streikten und daraufhin ausgesperrt wurden, wanderte er mehre Wochen durch den Odenwald und am Rhein. Unterwegs zeichnete er um die Reise zu finanzieren. Heimlich hatte er zuvor im heimischen Leipzig bereis Zeichenunterricht genommen.
Weitere ausgedehnte Reise und Wanderungen sollten folgen, zumal er sich nach der Gesellenprüfung entschloss, die künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Ausgedehnte Reisen durch ganz Europa folgten in denen viele Skizzen entstanden, die er daheim in Holz- und Linolschnitten ausarbeite.
1929 schloß es sich der „Künstlergruppe der internationalen Bruderschaft derVagabunden“ an zusammen mit Gregor Gog, Hans Tombrock und Hans Bönnighausen, bis 1933 fanden über 30 Ausstellungen statt. .
Als Debütant beteiligte er sich an der 1. Großen Leipziger Kunstausstellung und erhielt für das Gemälde „Arbeitsloser in der Dachkammer“ den 1. Preis des Landes Sachsen.
Bei seinen ausgiebigen Wanderungen, die ihn bis nach Ägypten führten, interessiert er sich besonders auch für die sozialen Verhältnisse und er versucht, das Typische in Landschaftsbildern festzuhalten.
Da er befürchtete wegen seinen sozialkritischen Interessen und seiner mitgliedschaft in der „ASS“ (Association revolutionärer Kunstler Deutschlands) politisch verfolgt zu werden, siedelt er 1933 in den Norden Deutschlands um. 1934 kaufte er in Emers bei Winnemark eine Tagelöhnerkate und lebte von Gelegenheitsarbeiten, seit 1935 verheiratet mit der in Leipzig geborenen Malerin Glore Becker.*
Kriegsteilnahme und Gefangenschaft erzwangen ab 1945 einen Neubeginn. 1953 gründete er ein Künstlerhaus bei Winnemark an der Schlei. Ausgedehnte Reisen, oft mit Künstlerkollegen zusammen führten zu einer Vielzahl von Reisebildern.
1954 gründete Bettermann den Landesberufsverband der Bildenden Künstler in Schleswig-Holstein mit und war bis 1970 als dessen 1. Vorsitzender tätig. 1956 beteiligte er sich an der Gründung der „Gruppe 56“, welche regelmäßig Ausstellungen veranstaltete. 1992 verstarb Gerhart Bettermann 82jährig in seinem Malerhaus an der Schlei und erhielt auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin eine Seebestattung. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Künstler Schleswig-Holsteins.
Zum hundertsten Geburtstag Gerhard Bettermanns ist die Eckernförde Ausstellung der Auftakt einer Kooperation mit dem Künstlermuseum Heikendorf und dem Kunsthaus Hänisch in Kappeln, die den „ganzen“ Bettermann mit verteilten Schwerpunkten vorstellen werden. Das Museum Eckernförde biete einen konzentrierten Blick auf den Landschaftsmaler Gerhart Bettermann, beginnend bei den Graphiken und Malereien seiner Ägypten- und Südosteuropareisen der 30er Jahre über die Italien- und Jugoslawienreisen der 50er und 60er Jahre bis hin zu den hiesigen Motiven der frühen 80er Jahre. (fst)
Museum Eckernförde
Laufzeit: 31. Januar bis 14. März 2010
Öffnungszeiten:
di – sa 14.30 – 17 Uhr, so 11 – 17 Uhr
Publikationen:
Zur Ausstellung erscheinen 2 Museumssammelblätter (je 0,50 Euro)
Begleitende Veranstaltungen:
Führungen am 11. Februar um 15.00 Uhr, am 4. März um 15.00 Uhr und am 14. März um 11.30 Uhr mit Dr. Uwe Beitz
* lt Museumsblatt mit Johanna Bauch.

Für lebenslange Pubertät

Für lebenslange Pubertät

– ein Tagebuch Manifest

von fognin

 

Solche Männer und ihresgleichen sind geniale Naturen, mit denen es eine eigene Bewandtnis hat, sie erleben eine wiederholte Pubertät, während andere Leute nur einmal jung sind. […] Daher kommt es denn, dass wir bei vorzüglich begabten Menschen auch während ihres Alters immer noch frische Epochen besonderer Produktivität wahrnehmen, es scheint bei ihnen immer einmal wieder eine temporäre Verjüngung einzutreten, und das ist es, was ich eine wiederholte Pubertät nennen möchte

 

Goethe, Eckermann, 11.3.1828

 

„Ich bitte euch bei dieser Gelegenheit von ganzem Herzen: Vergeßt eure Kindheit nie! Versprecht ihr mir das? Ehrenwort?“

Erich Kästner, Vorwort zum „Fliegenden Klassenzimmer“

….

Ich will nicht wieder jugendlich sein. Nur die Unbeschwertheit, das Lockere und das umfassende Gottvertrauen meiner früheren Jahre vermisse ich sehr.

….

Dieses ist es, warum ich Jugendliche schätze und suche: Sie haben Fragen, nicht Antworten. Fragen an die Welt, an das Leben, Fragen an sich selbst. Sie sind offen, für alles was als Antwort sich anbietet und nichts – oder zumindest sehr wenig – wird von vorneherein als „Unmöglich“ verworfen. Dies ist auch mein ideeller Entwurf, nach dem ich versuche zu denken und moralische Vorstellungen und Handlungen zu entwickeln. Meist wir „Altersweisheit“ gesucht, wenn es um Ratschlüsse geht. Ich suche „Jugendweisheit“, oder eigentlich die Fähigkeit, durch Fragen zu erkunden und unvoreingenommen betrachten zu können. Nicht auf die vorgedachte Lösung zurück zu greifen, sondern durchaus ungewöhnlich und experimentell zu handeln. Das bringt die Welt weiter.

Das Alter ist konservativ, Jugend progressiv. Wer macht sich denn Gedanken über die Umwelt, den Ausgleich von arm und reich, über Frieden und Gerechtigkeit? Die alten Säcke meines Jahrgangs haben sich längst angepasst, auch wenn sie sich oft noch für die gewesenen Revolutionäre halten. Wen stört es von uns den wirklich noch, das der Strom aus der Steckdose kommende Generationen und ihre Umwelt für immer verseucht?

Gesellschaftlich gilt es als selbstverständlich Jugendliche zu belehren, sie mit Meinungen und (Vor-)Urteilen voll zu stopfen und sie möglichst schnell so dröge, phantasielos und angepasst zu machen, wie es die Belehrenden selbst sind.

Die Idee, Jüngere wirklich zu befähigen, weiser, klüger, und „besser“ zu werden, als man selbst es geschafft hat zu sein, ist nicht sonderlich verbreitet. Sie würde auch eine deutlich andere Haltung voraussetzen: Respekt, Achtung, Ehrfurcht und Neugier im Umgang mit jüngeren Menschen und ein umfassendes Vertrauen. Das schulden wir alte Säcke den schlummernden Fähigkeiten der Nachkommen.

Wie schnell solch eine Haltung Früchte trägt, ist dort zu beobachten wo eine Schule einen solchen Ausnahmelehrer zum Kollegium zählt. Eher wohl bei freien Schulen sind solche seltenen Pädagogen zu finden, da weisungsgebundene Beamte sich wohl kaum über das System erheben können, das sie beschworen haben.

Jugendlich ist für mich ein Mensch, wenn er die Idee entdeckt „selbst sein zu wollen“, also meist mit dem Beginn der Pubertät. (Übrigens nicht zwingend: es gibt junge Menschen, die ihre Jugendlichkeit versäumt haben). Das Bestehende zu hinterfragen, eigene Bedürfnisse zu erleben, zu artikulieren und versuchen sie durchzusetzen ist der Keim des Menschseins. Wer nicht versucht Freiheit zu fassen und nach ihr strebt, hat wesentliche Bestandteile des sich entwickelnden Menschen verloren. Der Drang, Erfahrungen selbst zu machen und so die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu erkunden bzw. zu erweitern, schafft Fähigkeiten und ist somit ein wichtiger und notwendiger Prozess. Diesen gilt es zu fördern und mit Vertrauen und Verständnis zu begleiten. Widerstand aus dem Bestreben Jugendliche vor den Fährnissen des Lebens zu bewahren, behindert diese in ihrer Entwicklung und für mich ein Verbrechen.

„Pubertät ist, wenn die Eltern anfangen schwierig zu werden“ ist nicht nur humoristisch sondern auch programmatisch zu verstehen. Der Jugendliche verändert sich und es stände dem sogen. Erwachsenen gut an, dies zum Anlass zu nehmen, sich auch zu verändern. Und der neuen Situation positiv zu begegnen. Die Gelegenheit von jüngeren lernen zu können kommt in eine wesentliche Phase. Wohl dem, der diese Change zu nutzen versteht. Es könnte der Start in ein entwicklungsfähiges Leben voller Offenheit und Unvoreingenommenheit sein. Lebenslang zu pubertieren also. Für mich ein fester Bestandteil meines Traumes von einer besseren, humaneren, liebevolleren und ehrlicheren Welt!